Pflanzen des Monats 2015

Dezember 2015

Einjähriges Rispengras (Poa annua)    Familie: Süßgräser

Einjähriges Rispengras, Winsen, Dezember 2015. Typischer Wuchsort
Einjähriges Rispengras, Winsen, Dezember 2015. Typischer Wuchsort
Einjähriges Rispengras, Winsen, Dezember 2015. Ein ca. 10 cm langer Halm zwischen Beton und Asphalt
Einjähriges Rispengras, Winsen, Dezember 2015. Ein ca. 10 cm langer Halm zwischen Beton und Asphalt

Für die meisten ist es einfach nur „Gras“, aus dem der Rasen besteht oder das unerwünscht aus Ritzen und Blumentöpfen heraus wächst. Dabei wird oft übersehen, dass keine andere Pflanzenfamilie derart zur menschlichen Ernährung beiträgt wie die Gräser. Roggen, Weizen, Mais, Reis – alles Gräser und, wer weiß? – Vielleicht haben einige unserer zurzeit nur wildwachsenden Gräser das Potenzial, künftig zu bedeutenden Nutzpflanzen zu werden.

 

Ob dies der Weg des Einjährigen Rispengrases sein wird, sei dahingestellt. Schließlich handelt es sich hier um ein Pflänzlein von meist weniger als 10 Zentimetern Höhe. Andererseits wächst, blüht und fruchtet dieses Gras von Januar bis Dezember, soweit es die Witterung zulässt. Man findet also die frischgrünen, seitlich etwas zusammengedrückten Blätter, die an kurzen Halmen wachsen, das ganze Jahr über an geeigneten Standorten. Die Halme entwickeln schließlich eine wenige Zentimeter lange Rispe, wie der Blütenstand dieser Gräser genannt wird.

 

Das Einjährige Rispengras ist ein Pionier. Schon kleinste Ansammlungen von Boden reichen ihm als Lebensraum. Oft findet man es in Lücken zwischen Pflastersteinen oder Ritzen in Gehwegplatten, wo nur wenige andere Pflanzen überleben können. Es gedeiht aber auch in gut gedüngten Gemüsegärten und Blumenbeeten. Die „Einjährige Rispe“ ist zwar robust und sogar trittfest, aber im Rasen ist sie der Konkurrenz durch andere Grasarten nicht gewachsen.

 

(Text und Bilder: Dietrich Westphal, Dezember 2015)


November 2015

Kleinblütiges Knopfkraut (Galinsoga parviflora)

Familie: Korbblütengewächse

Knopfkraut (Galinsoga parviflora) Tespe, 30.10.2015
Knopfkraut (Galinsoga parviflora) Tespe, 30.10.2015
Knopfkraut (Galinsoga parviflora) Winsen, 04.11.2015
Knopfkraut (Galinsoga parviflora) Winsen, 04.11.2015

Als Kinder mussten meine Brüder und ich dazu beitragen, dass unser kleiner Gemüsegarten von „Unkraut“ frei gehalten wurde. Mehr oder weniger lustlos rupften wir also Vogelmiere, Melde und Taubnessel – vor allem aber „Franzosenkraut“. Das Zeug war auf Dauer nicht kleinzukriegen, zum einen weil es schneller Samen bildete als wir mit dem Jäten nachkamen und zum anderen, weil die ausgerissenen Pflanzen auf den Kompost wanderten und die enthaltenen Samen bei der Düngung später wieder aufs Beet kamen.

 

Inzwischen sind das Unkraut zum Wildkraut und das Franzosenkraut zum Knopfkraut mutiert. Mit dem Rückgang des privaten Gemüseanbaus – heute bestehen die meisten Gärten aus Rasen statt Radieschen, Rosen statt Rosenkohl und Edeltannen statt Erdbeeren – haben auch die Bestände des Knopfkrautes gelitten. Es ist zwar immer noch häufig, aber nicht so allgegenwärtig wie vor 50 Jahren. 

 

Das Knopfkraut ist gewöhnlich um 20 Zentimeter hoch, kann aber auch über ½ Meter Höhe erreichen. Die Blätter sind frischgrün, ei- bis herzförmig und sitzen sich jeweils zu zweit am Stängel gegenüber. Die Blütenkörbchen erscheinen zu 2 bis 9 an den Enden der Stängel. Sie haben einschließlich der (meist) fünf Randblüten einen Durchmesser von nur ca. 7 mm. Die Zunge der Randblüten ist weiß, während die übrigen Blüten des Körbchens überwiegend gelb gefärbt sind.

 

Als typisches „Unkraut“ benötigt das Knopfkraut nährstoffreichen, offenen Boden, der nur wenig Kalk enthalten darf. An zusagenden Stellen folgen von Mai bis in den Herbst mehrere Generationen aufeinander und man trifft blühende Exemplare noch im November an. Der erste stärkere Frost rafft das Knopfkraut dann aber dahin. Die Pflanze, die aus dem tropischen Südamerika stammt und erst um 1800 bei uns eingeführt wurde, ist in dieser Hinsicht empfindlich.


(Text und Bilder: Dietrich Westphal, November 2015)



Oktober 2015

Frauenfarn (Athyrium filix-femina)    Familie: Frauenfarngewächse

Frauenfarn, Jungpflanze. 8. Oktober 2015, Winsen
Frauenfarn, Jungpflanze. 8. Oktober 2015, Winsen
Frauenfarn, einzelne Fiedern mit Sori (Sporangienträger). 8. Oktober 2015, Winsen
Frauenfarn, einzelne Fiedern mit Sori (Sporangienträger). 8. Oktober 2015, Winsen
Frauenfarn, Sori mit Sporangien. 8. Oktober 2015, Winsen
Frauenfarn, Sori mit Sporangien. 8. Oktober 2015, Winsen

Farne sind wunderbar filigrane Gewächse. Der Frauenfarn ist dies im Besonderen mit seinen zweifach gefiederten, hellgrünen Wedeln, die aufrecht stehen oder anmutig bogenförmig überhängen. Dabei ist der Frauenfarn eine stattliche, bis einen Meter hoch werdende mehrjährige Pflanze, deren oberirdische Teile im Herbst absterben und im Frühling wieder auswachsen. Jetzt im Oktober sind die älteren Pflanzen bereits stark vergilbt, während Jungpflanzen noch frisch grün daherkommen.

 

Blüten gibt es bei Farnen bekanntermaßen nicht. Sie entwickeln sich aus Sporen, die sich in Sporenträgern (Sporangien) bilden, welche beim Frauenfarn und seinen Verwandten in Gruppen (Sori) in großer Zahl auf der Unterseite der Wedel der älteren Pflanzen zu finden sind. Die Sori des Frauenfarns sind länglich und unterscheiden sich dadurch von den ähnlich aussehenden Wurmfarnen, deren Sori kreisförmig-rund sind. Aus der im Spätsommer zu Boden fallenden Spore entwickelt sich der Vorkeim (Prothallium), der wiederum eine junge Farnpflanze hervorbringt.

 

Wie die meisten seiner Verwandten ist auch der Frauenfarn ein Bewohner feuchter und schattiger Plätze. Das sind Voraussetzungen für die Entwicklung aus dem Vorkeim und das Überleben der „erwachsenen“ Pflanze. Er ist bei uns häufig und wächst in Wäldern, an Waldrändern, in Hochstaudenfluren und sogar in Gärten.

 

Der Name rührt noch aus der Zeit, als über die Fortpflanzung der Farne wenig Klarheit bestand und diese Art als weibliche Pflanze zum männlich aufgefassten Wurmfarn (Dryopteris filix-mas) verstanden wurde.

 

 

                                            (Text und Bilder: Dietrich Westphal, Oktober 2015)


September 2015

Teufelsabbiss (Succisa pratensis)    Familie: Kardengewächse

Teufelsabbiss - Bestand. Winsen, August 2015
Teufelsabbiss - Bestand. Winsen, August 2015
Teufelsabbiss, Blütenstand mit Knospen. Winsen, August 2015
Teufelsabbiss, Blütenstand mit Knospen. Winsen, August 2015
...bei Insekten sehr beliebt. Winsen, August 2015
...bei Insekten sehr beliebt. Winsen, August 2015

Helmut Carlschreibt in seiner Abhandlung über die deutschen Pflanzen- und Tiernamen von 1957: „Seltsam ist der Name Teufelsabbiss. Das auf den Wiesen häufige Kardengewächs mit seinen blauen Blütenköpfen geht nämlich mit einem Wurzelstock in den Winter, der hinten wie abgebissen erscheint. Das ist aber Teufelswerk. Nach der Rockenphilosophie (dem Volksglauben) heißt es: In der Mitternacht vor St. Johannistag soll der Teufelsabbiss an der mittleren Wurzel nicht stumpf sein, sondern eine ganze Wurzel in der Erde haben, weil zu solcher Zeit der Teufel keine Gewalt haben soll“. – Tatsächlich hat lediglich das Rhizom, der unterirdische Spross der Pflanze, eine begrenzte Lebenszeit. Während es vorn wächst, stirbt es hinten ab, was dann wie abgebissen aussieht.

 

Der Blütenstand des Teufelsabbiss enthält zahlreiche intensiv blaue Einzelblüten. Er hat einen Durchmesser von etwa 2 Zentimeter und ist von halbkugeliger Form. Haben sich die Blüten noch nicht geöffnet, muten die dicht an dicht sitzenden rundlichen Knospen wie eine flache, jedoch blaue Himbeere an. Die Blütenköpfchen sitzen einzeln am Ende des über ½ Meter hoch werdenden Stängels und dessen Verzweigungen. Der Stängel trägt meist nur kleine, lanzettliche Blättchen, während die Grundblätter größer und vor allem breiter sind.

 

Der Teufelsabbiss blüht im Zeitraum Juli bis September und wächst auf feuchtem Lehm- oder Tonboden. Man findet ihn aber in Flachmooren und Sumpfwiesen. Bei starker Düngung geht der Teufelsabbiss zurück, weil er nicht mit den Wirtschaftsgräsern konkurrieren kann. Um Winsen herum gibt es nur wenige Standorte. Ich kenne gar nur ein Vorkommen, auf das man mich vor einigen Jahren hinwies. Dieses befindet sich glücklicherweise in einem Naturschutzgebiet.

 

 

(Text und Bilder: Dietrich Westphal, Text: Sept. 2015, Bilder: Aug. 2015)

August 2015

Hasen-Klee (Trifolium arvense)    Familie: Schmetterlingsblütengewächse

Hasen-Klee (Trifolium arvense)  Luhdorf, August 2015
Hasen-Klee (Trifolium arvense) Luhdorf, August 2015

Der Hasen-Klee hat mich schon immer in Erstaunen versetzt: Das soll ein Schmetterlingsblütler sein? – Man muss schon sehr genau hinschauen, um das zu erkennen…

 

Zahlreiche winzige Blüten stehen in einem kurzen zylindrischen Köpfchen. Sie sind beim Aufblühen weißlich und später rosa. Jede Verzweigung des Stängels trägt so einen 1 – 2 Zentimeter langen Blütenstand. Die einzelnen Blüten sind unter den grauweiß behaarten Kelchblättern kaum zu sehen. Am Stängel der meist kaum über 10 cm hohen Pflanze sitzen „kleeartig“ dreiteilige Blätter, die aber viel schlanker sind als diejenigen vom bekannten Rot- oder Weißklee.

 

Der Hasen-Klee wächst bevorzugt auf eher trockenem sandigem oder kiesigem Untergrund, zum Beispiel an Wegrändern, Trockenrasenflächen oder Brachland. Dort bildet er kleinere Polster oder auch Bestände von mehreren Quadratmetern Größe. Bei uns ist die Pflanze auf entsprechenden Standorten ausgesprochen häufig.

 

Der Name „Hasen-Klee“ beschreibt nicht etwa die Ähnlichkeit des Blütenstandes mit einer Hasenpfote, sondern drückt aus, dass die Pflanze für Wildtiere (und Hasen im Besonderen) als Futter geeignet ist, nicht aber für das Nutzvieh, das die harten und bitteren Stängel verschmäht. Wegen der enthaltenen Gerbstoffe galt der Hasen-Klee früher als Heilpflanze.


(Text und Bilder: Dietrich Westphal, August 2015)


Juli 2015

Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Familie: Johanniskrautgewächse

Echtes Johanniskraut, Winsen, 6. Juli 2015
Echtes Johanniskraut, Winsen, 6. Juli 2015
Echtes Johanniskraut, Blütenrispe. Winsen, 6. Juli 2015
Echtes Johanniskraut, Blütenrispe. Winsen, 6. Juli 2015
Echtes Johanniskraut, Bestand. Winsen, 6. Juli 2015
Echtes Johanniskraut, Bestand. Winsen, 6. Juli 2015

Der Name besagt, dass diese Pflanze um den Johannistag, dem 24. Juni, zu blühen beginnt. Dann öffnen sich nach und nach zahlreiche Blüten in einer Rispe am Ende des bis etwa dreiviertel Meter hohen, locker belaubten Stängels. Die einzelnen Blüten mit fünf goldgelben Blütenblättern haben einen Durchmesser von ca. 2 bis 2,5 Zentimetern. Die Staubblätter sind sehr zahlreich (50 oder mehr). Die schmalen Blätter sind gegenständig, das heißt, immer 2 Blätter stehen sich am Stängel gegenüber.

 

Das Echte Johanniskraut wächst auf eher trockenen Böden und erträgt auch Nährstoffarmut. Typische Standorte sind Trockenrasen, Heiden, Raine und Wegränder sowie Bahndämme. Hier blüht das Hartheu, wie die Pflanze auch genannt wird, wenn andere Gewächse ihr Wachstum wegen hochsommerlicher Hitze bereits eingestellt haben.

 

Das Echte Johanniskraut ist eine alte Arzneipflanze, die u.a. bei depressiven Verstimmungen und nervöser Unruhe eingesetzt wird. Die entsprechenden Präparate sollen im Allgemeinen gut verträglich sein. Die Selbstanwendung des Krautes ist allerdings mit Risiken behaftet, da die gesamte Pflanze leicht giftig ist. Der enthaltene rote Farbstoff Hypericin wirkt photosensibilisierend und kann zusammen mit Sonnenlicht Hautverbrennungen verursachen.

 

(Text und Bilder: Dietrich Westphal, Juli 2015)

 

Juni 2015

Faden-Klee (Trifolium dubium)    Familie: Schmetterlingsblütengewächse

Faden-Klee (Trifolium dubium), Winsen, 4. Juni 2015
Faden-Klee (Trifolium dubium), Winsen, 4. Juni 2015
Faden-Klee (Trifolium dubium), Winsen, 4. Juni 2015
Faden-Klee (Trifolium dubium), Winsen, 4. Juni 2015

Außer dem Rot-Klee und dem Weiß-Klee kommen bei uns noch etliche andere, weniger bekannte Klee-Arten vor. Dazu zählt der Faden-Klee (oder auch Kleiner Klee).

 

Wenn auch die dreiteiligen, für einen Klee typischen Blätter kaum einen Zentimeter lang werden, kann die ganze Pflanze durchaus eine Länge von über 20 cm erreichen. Da die Stängel jedoch meist dem Boden anliegen, ist der Faden-Klee in keiner Weise auffallend und wird leicht übersehen. Auch die kleinen Blütenköpfchen von nicht einmal einem Zentimeter Durchmesser sind eher unauffällig. Hier drängen sich 10 bis über 20 winzige gelbe Blüten zusammen, in denen nach der Blüte eine nur zwei bis drei Millimeter lange Hülse mit den Samen heranwächst.

 

Die Blütezeit des Faden-Klees erstreckt sich vom Mai bis zum Spätsommer. Er ist hinsichtlich des Bodens auf dem er wächst wenig anspruchsvoll und ist deshalb bei uns überall häufig. Meist findet man ihn an Straßen- und Wegrändern, auf Bahndämmen, in nicht allzu intensiv gepflegten Rasenflächen oder auch im Randbereich von Äckern.

 

(Text und Bilder: Dietrich Westphal, Juni 2015)

Mai 2015

Stängelumfassende Taubnessel (Lamium amplexicaule)    Familie: Lippenblütler

Stängelumfassende Taubnessel, Winsen, ehem. Gartenschaugelände 1.5.2015
Stängelumfassende Taubnessel, Winsen, ehem. Gartenschaugelände 1.5.2015
Stängelumfassende Taubnessel, Detail 1.5.2015
Stängelumfassende Taubnessel, Detail 1.5.2015

Eine fast vergessene, oft übersehene Pflanze ist die Stängelumfassende Taubnessel. Sie ist allerdings viel seltener als ihre Verwandten, die bekannten Roten und Weißen Taubnesseln.

 

Meist wird die Stängelumfassende Taubnessel etwa 10 bis 15 cm hoch, selten bis 30 cm. Oft sind zumindest Teile des Stängels nicht aufrecht, sondern liegen dem Boden an. Am Stängel sitzen sich die Blätter paarweise gegenüber, so dass es aussieht, als handele es sich nur um ein Blatt, durch das der Stängel in der Mitte hindurch führt (Name!). Am oberen Ende des Stängels sitzen die Quirle dicht beieinander und tragen in den Blattachseln 6 bis 16 Blüten. Diese sind etwa 1,5 cm lang und intensiv rosa bis violett gefärbt.

 

Die Stängelumfassende Taubnessel blüht von März bis in den Sommer hinein. Sie bevorzugt nährstoffreichen, lockeren Boden und besiedelt Äcker, Gärten und Ödland. Sie fehlt in weiten Teilen des Tieflandes westlich der Elbe und kommt auch sonst nur zerstreut vor. In Winsen wächst sie unter anderem in den Luhegärten zwischen den dort prächtig blühenden Tulpen.

 

 

(Text und Bilder: Dietrich Westphal, Mai 2015)

April 2015

Frühlings-Hungerblümchen (Erophila verna)    Familie: Kreuzblütler

Hungerblümchen, 05.04.15, Winsen
Hungerblümchen, 05.04.15, Winsen
Hungerblümchen, 05.04.15, Winsen. Zigarettenfilter als Größenvergleich
Hungerblümchen, 05.04.15, Winsen. Zigarettenfilter als Größenvergleich
Hungerblümchen, 05.04.15, Winsen. Blüten mit 4 tief gespaltenen Blütenblättern
Hungerblümchen, 05.04.15, Winsen. Blüten mit 4 tief gespaltenen Blütenblättern

Das Hungerblümchen ist winzig. Es besteht lediglich aus einer grundständigen Rosette ganzrandiger Blätter, die kaum einen Zentimeter Länge erreichen, einem nur wenige Zentimeter hohen, haardünnen Stängel, der aus der Mitte der Rosette heraus wächst und keine Blätter trägt sowie mehreren weißen Blüten von ungefähr einem halben Zentimeter Durchmesser, die oben an den Verzweigungen des Stängels sitzen. Jede Blüte trägt vier Blütenblätter, die sich kreuzförmig gegenüber stehen und tief gespalten sind, so dass der Eindruck entsteht, es handele sich um acht schmale Blütenblätter. Die einzelne Pflanze ist zwar ausgesprochen unscheinbar, aber meist wächst das Hungerblümchen in größeren, doch recht auffälligen Beständen. Die Blütezeit fällt, je nach Witterung, in den Zeitraum von Ende Februar bis Anfang Mai.

 

Das Hungerblümchen wächst auf offenem, nährstoffarmem sandigem oder steinigem Boden, auch solche Standorte, die durch menschlichen Einfluss vegetationsarm sind. So findet man es entlang von Wegen, in lückigen Sandrasen oder auch auf den Kiesschüttungen von Flachdächern. Die Exemplare auf den Fotos habe ich in einem der Pflanzbeete an der Großen Gänseweide in Winsen entdeckt, die abgesehen von der dort wachsenden Eiche weitgehend vegetationsfrei gehalten werden.

 

(Text und Bilder: Dietrich Westphal, April 2015)



März 2015

Winterling (Eranthis hyemalis)    Familie: Hahnenfußgewächse

Winterling, Winsen (Luhe), März 2015
Winterling, Winsen (Luhe), März 2015

Man sollte annehmen, dass der Winterling, dessen Heimat das Mittelmeergebiet ist, auf entsprechende Wärme angewiesen ist. Im Gegenteil – die Pflanze macht ihrem Namen alle Ehre und ist gegenüber niedrigen Temperaturen sehr robust. Sie wächst und blüht im Februar und im März und wird deshalb in den Gärten als (Vor-) Frühlingsbote häufig angepflanzt.

 

Die ganze Pflanze besteht zur Blütezeit aus einem 5 bis 15 cm hohen Stängel, der endständig eine einzige gelbe Blüte mit ca. 2 bis 3 cm Durchmesser trägt. Die Blüte hat meist 6 Blütenblätter und eine Vielzahl von Staubblättern. Knapp unterhalb der Blüte sitzen drei waagerecht abstehende, dunkelgrüne Laubblätter. Erst nach der Blütezeit wächst meist nur ein lang gestieltes, handförmig geteiltes Grundblatt.

 

Der Winterling braucht nährstoffreichen, lockeren Lehmboden und wächst eher im Halbschatten als in der vollen Sonne. Er ist fast ausschließlich in Gärten anzutreffen, Wildbestände sind in Deutschland selten.

 

(Text und Bild: Dietrich Westphal, März 2015)

Februar 2015

Weiß-Tanne (Abies alba)    Familie: Kieferngewächse

Zweig einer Weißtanne mit frischem Austrieb    Winsen, Juni 1993

Für viele Mitbürger ist jeder Nadelbaum einfach eine Tanne und zu Weihnachten ein Tannenbaum. Dass es sich dabei erst seit wenigen Jahren tatsächlich um eine Tanne handelt, liegt daran, dass derzeit Nordmannstannen in Mode sind. Vorher und zum Teil auch noch heute dienten und dienen gewöhnliche Fichten und Stech-Fichten, auch „Blautannen“ genannt, als Weihnachtsbaum. Selbst der „Tannenzapfen“, den wir am Waldboden finden, ist keiner, sondern ein Fichten- oder Kiefernzapfen. Letztere fallen nämlich als Ganzes vom Baum, Tannenzapfen nicht.

 

Unsere heimische Weiß-Tanne hat keine große Karriere als Weihnachtsbaum gemacht. Dabei wächst sie –unter optimalen Bedingungen- sehr gut und soll bis über 50 Meter Höhe erreichen können. Kein anderer heimischer Baum wird so hoch. Die Krone ist auch bei großen Tannen kegelförmig aufgebaut, mit einem durchgehenden Stamm, von dem in regelmäßigen Abständen Astquirle abzweigen. Die Nadeln sind etwa 2 Zentimeter lang und stehen an den Zweigen zweizeilig nach links und rechts. Auf der Unterseite tragen sie zwei weiße Längsstreifen.

Im späten Frühling bildet die Tanne männliche und weibliche Blüten. Die männlichen sind gelblich und wachsen in großer Zahl schräg aufwärts. Die weiblichen Blüten sind hellgrün und „stehen“ aufrecht auf den Zweigen. Während die männlichen Blüten bald abfallen, wachsen die weiblichen zu 10 bis 15 cm langen aufrechten Zapfen heran, die bis zum Herbst reifen. Die Zapfen fallen dann nicht als Ganzes ab, sondern die Schuppen lösen sich einzeln und geben den Samen frei. Schließlich verbleibt nur die Spindel des Zapfens am Baum.

 

Im Norddeutschen Tiefland ist die Weiß-Tanne nicht heimisch, wird aber gelegentlich als Forstbaum oder Ziergehölz angepflanzt. In mittleren Höhenlagen von 400 bis 1.000 Metern ist sie aber vor allem auf tiefgründigen Böden nicht selten.

 

 

                                      (Text und Bilder: Dietrich Westphal, Dezember 2014)

Januar 2015

Austernseitling (Pleurotus ostreatus)    Familie: Seitlingsverwandte

Ein Büschel Austernpilze an einer Rosskastanie 14.01.2015
Ein Büschel Austernpilze an einer Rosskastanie 14.01.2015
Austernseitlinge am Stamm einer Rosskastanie  14.01.2015
Austernseitlinge am Stamm einer Rosskastanie 14.01.2015

Der Mangel an im Winter aktiven Blütenpflanzen oder Farnen hat mich im Januar wieder auf einen Pilz zurückgreifen lassen, den Austernseitling. Das ist zwar, streng genommen, keine Pflanze, aber immerhin fällt seine Hauptwachstumszeit in den Winter.

 

Austernseitlinge wachsen fast nie einzeln, sondern in mehr oder minder großen Büscheln. Der Stiel des Pilzes setzt dabei nicht in der Hutmitte an, wie zum Beispiel beim Steinpilz oder beim Champignon, sondern er ist randständig. Daher auch der Name „Seitling“. Der Hut ist meist grau oder bräunlich gefärbt, muschel- oder zungenförmig und bis ca. 15 cm breit. Die bis auf den Stiel herab laufenden Lamellen sind hell bis weißlich.

 

Der überwiegende Teil unserer Mitbürger dürfte diesen Pilz ausschließlich vom Gemüsehandel kennen. Als schmackhafter Speisepilz wird er in großen Mengen gezüchtet und auf den Markt gebracht. Er wächst aber auch wild, meist auf Stämmen und Ästen von verschiedenen Laubbäumen. Oft sind diese Wirtsbäume durch Krankheiten oder Mangelerscheinungen vorgeschädigt. Das Mycel des Austernseitlings beschleunigt die Holzzerstörung durch eine intensive so genannte Weißfäule, bei der die Holzfasern, das Lignin, abgebaut werden. Erscheinen die Pilze am befallenen Stamm, ist die Fäule im Inneren so weit fortgeschritten, dass der Baum meist nicht mehr zu retten ist und gefällt werden sollte.

 

Der Austernpilz ist fast überall auf der Welt zu finden. Allein in Mitteleuropa gibt es mehrere „Stämme“, die alle, um zur Reife zu kommen, tiefe Temperaturen benötigen, auch Frostperioden überleben und selbst bei Minusgraden noch Sporen bilden können.

 

                                                                 (Text und Bilder: Dietrich Westphal, Januar 2015)