Pflanze des Monats

Für jeden Monat hat unsere NABU-Gruppe eine Pflanze ausgewählt, die bekannter gemacht werden soll. Vor allem zur Winterszeit, wenn wachsende oder gar blühende Pflanzen eher selten sind, stellen wir aber auch mal einen Pilz vor.

 

Es handelt sich meist um Pflanzen (oder Pilze), die überall zu finden sind und oft auch im Garten der Natur wachsen. Der "Garten der Natur" befindet sich in Winsen auf dem ehemaligen Gartenschau-Gelände und wird von uns angelegt und weiterentwickelt als gärtnerische Anlage mit natürlichen und naturnahen Elementen. 


September 2021

 

Kanadische Goldrute (Solidago canadensis)

 

Familie: Korbblütengewächse, Asteraceae

 

Wir kriegen sie ja doch nicht wieder weg, also können wir sie bald mal als heimische Pflanze ansehen. Die Rede ist von der Kanadischen Goldrute, einer Pflanze aus Nordamerika, die nicht mehr ganz so neu in unserer Flora ist und in zusagenden Lebensräumen ziemlich dominant sein kann. Tatsächlich kennt man sie in Europa bereits seit Mitte des 17. Jahrhunderts.

 

Kanadische Goldrute, kleiner Bestand im Privatgarten. 3. September 2021, Winsen
Kanadische Goldrute, kleiner Bestand im Privatgarten. 3. September 2021, Winsen

 

Die Kanadische Goldrute ist eine ausdauernde krautige Pflanze, also eine Staude. Sie wird von 50 Zentimeter bis über 2 Meter hoch und wächst meist straff aufrecht. Der Stängel ist mit feinen Härchen besetzt und trägt fast auf ganzer Länge länglich-lanzettliche Blätter, die zur Spitze hin einen gesägten Rand haben. Am Ende des Stängels befindet sich ein verzweigter Blütenstand, dessen Äste dicht mit gelben Blütenkörbchen von kaum 5 Millimeter Durchmesser besetzt sind. Die Körbchen wiederum setzen sich aus einzelnen Blüten zusammen, wobei die Röhrenblüten in der Mitte von Zungenblüten am Rand umgeben sind.

 

Kanadische Goldrute, Teil des Blütenstandes. Die breiten Blätter sind von einer Zaunwinde. 3. September 2021, Winsen
Kanadische Goldrute, Teil des Blütenstandes. Die breiten Blätter sind von einer Zaunwinde. 3. September 2021, Winsen

 

Die Kanadische Goldrute ist eine Ruderalpflanze, die bevorzugt auf Schutt, Gewässerrändern, brach liegenden Äckern und Auwäldern zu finden ist. Dort wächst sie häufig in großer Zahl, mit der Tendenz, sich weiter auszubreiten. Die Pflanze bildet viele unterirdische Ausläufer und kann pro Stängel bis zu 19.000 Samen erzeugen. Das kann zur Verdrängung heimischer Pflanzen und Tiere führen. Andererseits ist die Goldrute für Blüten besuchende Insekten höchst wertvoll, weil sie Nektar und Pollen zu einer Zeit im Jahr spendet, in der nicht mehr viele andere Pflanzen blühen.

 

Kanadische Goldrute mit "Besuch". Hier eine Schwebfliege der Gattung Eristalis. 3. September 2021, Winsen
Kanadische Goldrute mit "Besuch". Hier eine Schwebfliege der Gattung Eristalis. 3. September 2021, Winsen

 

Die Kanadische Goldrute kommt in Europa auf zusagenden Standorten überall vor. Selbst im Gebirge trifft man sie bis in Höhen von ca. 1.200 Metern an.

 

 (Text und Bilder: Dietrich Westphal, September 2021)

 

 

August 2021

 

Pastinak (Pastinaca sativa)

 

Familie: Doldenblütengewächse, Apiaceae

 

Der Pastinak, auch die Pastinake genannt, ist allgemein als schmackhaftes Wurzelgemüse bekannt. Hier geht es um dessen Wildform, den Wiesen-Pastinak, der auch bei uns stellenweise anzutreffen ist.

 

Pastinak und andere Wildpflanzen am Wegrand. 25. Juli 2020, bei Evendorf
Pastinak und andere Wildpflanzen am Wegrand. 25. Juli 2020, bei Evendorf

 

Der Pastinak ist ein zweijähriges Kraut, das eine Wuchshöhe von über einen Meter, ja manchmal sogar über zwei Meter erreichen kann. Der gefurchte Stängel ist aufrecht und im Bereich der Blütenstände meist reich verzweigt. Die Blätter sind gefiedert. Die Blütenstände am Ende der Stängel und der Verzweigungen sind doppelte Dolden, das heißt, am Ende jedes der bis zu 20 Strahlen der Hauptdolde sitzt ein „Döldchen“, auf deren Strahlen die nur etwa zwei Millimeter durchmessenden Blüten sitzen. Es sind fünf gelbe, nach unten gerollte Blütenblätter vorhanden. Die Wurzel ist verdickt (besonders bei der Kulturform) und duftet intensiv nach Möhren.

 

Pastinak, Dolde mit Döldchen. 14. August 2017, Winsen
Pastinak, Dolde mit Döldchen. 14. August 2017, Winsen
Pastinak, Döldchen mit grünen Früchten. 14. August 2017, Winsen
Pastinak, Döldchen mit grünen Früchten. 14. August 2017, Winsen

 

Der Pastinak bevorzugt nährstoffreichen Lehm- oder Tonboden, der aber locker sein sollte. Bei uns findet man ihn meist an Straßenrändern, auf Böschungen, aber auch auf Wiesen und an Ackerrändern. Die Pflanze ist in Europa weit verbreitet, wächst aber bei uns nur stellenweise häufiger (Ein Fundort bei Winsen liegt am Straßenrand auf dem Hausdeich gegenüber dem ehemaligen Furnierwerk). In der „Flora des Landkreises Harburg“ wird die Pastinake als „selten“ geführt. In Niedersachsen gilt sie gemäß Roter Liste aber nicht als gefährdet.

 

Am Geschmack des Gemüse-Pastinak scheiden sich anscheinend die Geister. Mal wird der Wohlgeschmack, nach Sellerie und Fenchel, gepriesen, mal wird der Geschmack als „penetrant möhrenartig“ bezeichnet.

 

(Text und Bilder: Dietrich Westphal, August 2021)

 

Juli 2021

 

Gewöhnliche Ochsenzunge (Anchusa officinalis)

 

Familie: Raublattgewächse, Boraginaceae

 

Die Gewöhnliche Ochsenzunge, auch nur „Ochsenzunge“ oder Gemeine Ochsenzunge genannt, zählt zu den typischen Ackerwildkräutern, denen man wegen des Einsatzes von Herbiziden in der Landwirtschaft und bei der „Pflege“ von Straßenrändern und Wegen immer seltener begegnet.

 

Gewöhnliche Ochsenzunge, Teil des Blütenstandes und obere Stängeblätter. Fahrenholz, 2. Juli 2021
Gewöhnliche Ochsenzunge, Teil des Blütenstandes und obere Stängeblätter. Fahrenholz, 2. Juli 2021

 Die Gewöhnliche Ochsenzunge wächst als zweijähriges Kraut oder als mehrjährige Staude. Sie erreicht eine Höhe von über einem halben Meter. Der meist nur im Bereich des Blütenstandes verzweigte Stängel ist häufig bläulich-grün und behaart. Die um die 10 Zentimeter langen und etwa 2 Zentimeter breiten Blätter sind im unteren Teil des Stängels mit Blattstielen versehen und oben sitzend. Sie sind mit ihrer „Zungenform“ der Namengeber für die Pflanze. Der wie eine Rispe verzweigte Blütenstand enthält viele, oft dutzende von Einzelblüten. Diese sind zwittrig, knapp einen Zentimeter breit und bestehen aus jeweils fünf Kelch- und Kronblättern, die am Grund zu einer Kronröhre verwachsen sind. Die Blütenfarbe frischer Blüten ist zunächst rot und verfärbt sich dann zu einem satten blauviolett.

 

Gewöhnliche Ochsenzunge, Einzelblüten. Fahrenholz, 2. Juli 2021
Gewöhnliche Ochsenzunge, Einzelblüten. Fahrenholz, 2. Juli 2021

 

Die Gewöhnliche Ochsenzunge ist im östlichen Mitteleuropa weit verbreitet und kommt stellenweise auch in Westeuropa vor. Sie bevorzugt trockene Standorte, wie Weg- und Ackerränder, Dünen und Magerrasen. Bei uns gilt sie gemäß „Flora des Landkreises Harburg“ als sehr selten und so ist es kein Wunder, dass ich in der Umgebung von Winsen trotz intensiver Suche kein Exemplar für weitere Fotos finden konnte. In der Roten Liste für Niedersachsen wird sie als „gefährdet“ geführt.

 

Gewöhnliche Ochsenzunge mit Besuch durch eine Honigbiene. Fahrenholz, 2. Juli 2021
Gewöhnliche Ochsenzunge mit Besuch durch eine Honigbiene. Fahrenholz, 2. Juli 2021

 

Früher wurde die Ochsenzunge als Heilpflanze verwendet. Das ist nicht mehr der Fall, denn Teile der Pflanze sind giftig und krebserregend.

 

(Text und Bilder: Dietrich Westphal, Juli 2021)

 

 

Juni 2021

 

Pfeilkresse (Lepidium draba)

 

Familie: Kreuzblütengewächse, Brassicaceae

Die Pfeilkresse, auch Gewöhnliche Pfeilkresse oder Herzkresse genannt, ist eine Staude von 30 bis 60 Zentimeter Höhe. Sie hat eine kräftige Pfahlwurzel, die eine Reihe von Ausläufern (Rhizome) bildet. An den Rhizomen bilden sich Tochterpflanzen, so dass die Pfeilkresse meist in „Herden“ auftritt. Die einzelnen Stängel wachsen aufrecht und sind im Bereich des Blütenstandes verzweigt. Die Stängel sind wechselständig mit Blättern besetzt. Dabei sind die unteren Blätter bis zu 15 cm lang und 5 cm breit, während die oberen oft wesentlich kleiner sind. Allen gemeinsam ist das Fehlen eines Blattstiels. Vielmehr sitzen die Blattspreiten direkt am Stängel und umfassen ihn mit ihrem herz- oder pfeilförmigen Grund. Der Blütenstand bildet einen dichten, oben abgeflachten Schirm mit zahlreichen Einzelblüten. Diese haben die für Kreuzblütler typischen vier Blütenblätter und einen Durchmesser von kaum mehr als einen halben Zentimeter. Die Blütenfarbe ist weiß, so dass ein größerer Bestand der Pfeilkresse wie mit Schaum bedeckt wirkt.

 

Pfeilkresse. Helgoland (Oberland), Juni 2021
Pfeilkresse. Helgoland (Oberland), Juni 2021
Pfeilkresse, Blütenstand mit Knospen und offenen Blüten. Helgoland (Oberland), Juni 2021
Pfeilkresse, Blütenstand mit Knospen und offenen Blüten. Helgoland (Oberland), Juni 2021

 

Die Pfeilkresse stammt angeblich aus dem Mittelmeergebiet, wurde aber bereits vor Jahrhunderten auch in Deutschland gefunden. Sie ist eine typische Pflanze der Wegränder, Bahndämmen und Hafenanlagen und kommt bevorzugt in klimabegünstigten Bereich mit geringem jährlichem Niederschlag und humusarmem Boden vor. In der Norddeutschen Tiefebene gibt es nur verstreute Vorkommen, meist entlang der Flüsse. Aus dem Landkreis Harburg liegt eine Handvoll Meldungen vor, an der Elbe und am Bahndamm bei Winsen. In den Mittelgebirgen dagegen ist die Art stellenweise durchaus häufig. In Niedersachsen gilt die Pfeilkresse als nicht gefährdet.

Auf der Insel Helgoland, wo die hier verwendeten Fotos gemacht wurden, gibt es große Bestände der Pfeilkresse. Die abertausenden von Blüten verströmen dort im Mai und im Juni einen honigartigen Wohlgeruch.

(Text und Bilder: Dietrich Westphal, Juni 2021)

 

 

Mai 2021

 

Gewöhnlicher Reiherschnabel (Erodium cicutarium)

 

Familie: Storchschnabelgewächse, Geraniaceae

 

Der Name dieser Pflanze ist Programm. Dabei geht es nicht um Blüte oder Blatt, sondern um die Früchte, die zu spitzen und ziemlich langen Schnäbeln heranwachsen.

 

Gewöhnlicher Reiherschnabel, "Fruchtschnäbel". Bleckede, Mai 1993
Gewöhnlicher Reiherschnabel, "Fruchtschnäbel". Bleckede, Mai 1993

 

Der Gewöhnliche Reiherschnabel, auch Schierlings-Reiherschnabel genannt, ist ein einjähriges, manchmal zweijähriges Kraut, das zunächst eine flach am Boden ausgebreitete Blattrosette bildet und danach, je nach Standort, bis etwa 30 Zentimeter empor wächst. Pflanzen auf exponierten, trockenen Standorten erheben sich oft nur wenige Zentimeter über den Boden. Die Stängel sind behaart und die Blätter sind, wie die der Blattrosette, mehrfach fiederteilig. Zwei bis zehn Blüten bilden eine Dolde, die auf einem recht langen Blütenstängel sitzt. Die Blüten haben einen Durchmesser von etwa 15 Millimetern und besitzen fünf rosafarbene oder lila Blütenblätter. Die sich nach der Bestäubung entwickelnden „Fruchtschnäbel“ werden bis 40 Millimeter lang und sind während der Reife zurückgebogen wie ein Reiherhals.

 

Gewöhnlicher Reiherschnabel, Tangendorf, Mai 2015
Gewöhnlicher Reiherschnabel, Tangendorf, Mai 2015
Gewöhnlicher Reiherschnabel, einzelne Blüten. Tangendorf, Mai 2015
Gewöhnlicher Reiherschnabel, einzelne Blüten. Tangendorf, Mai 2015

 

Der Reiherschnabel ist eine Pionierpflanze, die trockenen Sandboden bevorzugt, aber auch auf steinigem Substrat oder lockerem Lehmboden wächst. Er ist typisch für Halbtrocken- und Magerrasen und wächst u.a. an Wegen, im Brachland und an Binnendünen. Selbst auf dem Schotter von Bahntrassen kommt er zurecht.

 

Der Gewöhnliche Reiherschnabel kommt bei uns auf geeigneten Flächen überall vor und ist weltweit verbreitet.

 

 (Text und Bilder: Dietrich Westphal, Mai 2021)

 

April 2021

 

Nacktstängeliger Bauernsenf (Teesdalia nudicaulis)

 

Familie: Kreuzblütengewächse, Brassicaceae

Wieder so ein ebenso weithin unbekanntes wie unscheinbares Gewächs, dieser Bauernsenf. Dabei wächst er bereits im zeitigen Frühling und müsste wegen des weitgehenden Fehlens anderer Vegetation trotz seiner geringen Größe eigentlich auffallen.

 

 

Bauernsenf, grundständige Blattrosette und „junger“ Blütenstand. 30. April 2020, Tangendorf
Bauernsenf, grundständige Blattrosette und „junger“ Blütenstand. 30. April 2020, Tangendorf

 

Vielleicht liegt es ja eben an der geringen Größe dieser Pflanzenart. Sie besteht aus einer grundständigen Rosette aus länglichen, buchtig eingeschnittenen Blättern und einem oder wenigen aufrechten Stängeln mit endständigen Blütenständen. Die weniger als einen halben Zentimeter durchmessenden weißen Blüten haben, familientypisch, vier Blütenblätter, von denen die äußeren etwas länger sind als die inneren. Sie stehen zunächst gedrängt und befinden sich doldenartig nahezu auf einer Höhe. Später, wenn die Samen reifen, strecken sich die Stängel, so dass die herzförmigen Schötchen untereinander angeordnet sind. Die Stängel erreichen eine Höhe von ca. 20 Zentimetern, bleiben aber oft viel kleiner. Blätter sind an den Stängeln nicht vorhanden (Name!).

 

Der Nacktstängelige Bauernsenf ist eine einjährige Pflanze, die nach der Samenreife abstirbt und sich während einer Vegetationsperiode aus den ausgestreuten Samen neu entwickelt.

 

Bauernsenf, blattlose Stängel mit Blüten und Schötchen. 13. Mai 2020, Tangendorf
Bauernsenf, blattlose Stängel mit Blüten und Schötchen. 13. Mai 2020, Tangendorf
Bauernsenf, Blick von oben auf die herzförmigen Schötchen. 13. Mai 2020, Tangendorf
Bauernsenf, Blick von oben auf die herzförmigen Schötchen. 13. Mai 2020, Tangendorf

 

Der Bauernsenf wächst auf sandigem und möglichst kalkfreiem und nährstoffarmem Boden. Man findet ihn in Norddeutschland gar nicht selten an Wegrändern, auf Dünen und Magerrasen und Heiden. Er kommt im westlichen und mittleren Europa verbreitet vor, wird aber nach Süden zu, wo zusagende Bodenverhältnisse oft fehlen, seltener. So gilt die Art in Österreich als stark gefährdet und in der Schweiz ist sie ausgestorben.

 

Der Name „Bauernsenf“ weist wahrscheinlich darauf hin, dass die Blätter früher als Salat oder wohl auch als Würze verwendet worden sind.

 

 (Text und Bilder: Dietrich Westphal, April 2021)

 

 

 

März 2021

 

Sal-Weide (Salix caprea)

 

Familie: Weidengewächse, Salicaceae

 

Als Kind habe ich gelernt, dass Weiden im Frühling möglichst nicht gerodet oder beschädigt werden sollen. Als Grund wurde genannt, dass die schon im März blühende Sal-Weide eine wichtige „Bienenweide“ ist, solange sich kaum Blüten von anderen Pflanzen geöffnet haben. So nett, wie sich die Zweige mit ein paar Kätzchen (den Blütenständen) dran in der Vase machen, es ist doch angebracht, sie im Freien zu lassen. Anders sieht das natürlich aus, wenn die Weidenzweige aus eigens zur Erzeugung von „Palmkätzchen“ angelegten Kulturen stammen.

 

Sal-Weide als Bäumchen mit kurzem Stamm. 15. März 1992, Wesermarsch
Sal-Weide als Bäumchen mit kurzem Stamm. 15. März 1992, Wesermarsch

 

Sal-Weiden wachsen meist als sparrig verzweigte bis 5 Meter hohe Büsche, die auch einen beachtlichen Durchmesser erreichen können. Gelegentlich entwickeln sie sich auch baumförmig mit einer Höhe von über 10 Metern. Die Blätter sind oval und 3 bis 10 Zentimeter lang. Sie sind oberseits stumpf grün gefärbt und unterseits graugrün und behaart. Sie erscheinen erst nach den Blüten und sind jetzt im März noch nicht vorhanden.

 

Sal-Weiden sind, wie andere Weiden auch, zweihäusig. Das heißt, ein Strauch oder Bäumchen ist insgesamt entweder männlich oder weiblich und trägt dann jeweils nur männliche oder weibliche Blütenstände. Diese „Kätzchen“ erscheinen in großer Zahl oft schon im März. Die männlichen sind durch Pollen und Staubbeutel gelblich gefärbt und die weiblichen mit den heraus ragenden Narben hell grünlich. Schon lange vor dem Aufblühen sind die Kätzchen dicht silbrig behaart. Die Befruchtung der Blüten wird von Insekten vorgenommen. Nach der Blüte trocknen die männlichen Kätzchen und fallen zu Boden, während in den weiblichen die Samen reifen. Diese werden im Juni aus ihren Kapseln entlassen. Sie sind flaumig behaart und können vom Wind weit verbreitet werden.

 

Sal-Weide, weibliche Kätzchen. 14. März 2020, Im Vie, Stelle
Sal-Weide, weibliche Kätzchen. 14. März 2020, Im Vie, Stelle
Sal-Weide, männliche Kätzchen. 17. März 2020, Eckermannpark, Winsen
Sal-Weide, männliche Kätzchen. 17. März 2020, Eckermannpark, Winsen

 

Sal-Weiden wachsen am besten auf nährstoffreichem Boden, der Lehm enthalten und frisch bis feucht sein sollte. Sie kommen aber auch auf anderen feuchten Bodentypen zurecht und stellen auch ansonsten wenige Ansprüche an den Standort. Oft findet man sie an Wegrändern und an Gewässern, aber auch auf alten Müllkippen, Kahlschlägen und in Kiesgruben. Sal-Weiden kommen in weiten Teilen Europas und auch Asiens vor.

 

Als Bestäuber der Sal-Weide wirken vor allem Insekten, wie Honigbienen, Wildbienen und Hummeln. Aber auch Tagfalter, wie Zitronenfalter, Tagpfauenauge und Kleiner Fuchs suchen die Blüten nach der Überwinterung als willkommene Nahrungsquelle auf. Hinzu kommen verschiedene früh fliegende und teils seltene Nachtfalter, wie die Kätzcheneulen. Überhaupt ist die Sal-Weide zusammen mit der Eiche die bedeutendste Pflanze für die heimische Schmetterlingsfauna, sowohl als Nahrung für die Raupen als auch als Nektarquelle für die Falter. Rund 100 Schmetterlingsarten sind auf die Sal-Weide angewiesen, darunter Seltenheiten wie Großer Fuchs, Schillerfalter und Trauermantel.

 

 (Text und Bilder: Dietrich Westphal, März 2021)

 

 

 

Februar 2021

 

Europäische Eibe (Taxus baccata)

 

Familie: Eibengewächse, Taxaceae

 

Oft schon im Februar blüht die Eibe. Bei dem momentan frostigen Wetter ist damit in diesem Jahr vorerst wohl nicht zu rechnen. Ich greife deshalb auf Fotos zurück, die ich in der Vergangenheit gemacht habe.

 

Europäische Eibe, älteres Exemplar. Winsen, Schlosspark. 30. September 2012
Europäische Eibe, älteres Exemplar. Winsen, Schlosspark. 30. September 2012

 

Eiben sind je nach Standort sehr vielgestaltig und wachsen ebenso als Baum wie als Busch. Gerade ältere Exemplare neigen zur Mehrstämmigkeit. Bei uns werden Eiben kaum einmal 15 Meter hoch oder gar höher. Bei schlechten Bedingungen, etwa auf Felsboden, erreichen Eiben oft nur wenige Dezimeter Höhe. Der Stamm hat eine rötlichbraune, glatte Borke, die sich bei älteren Exemplaren flächig ablöst. Die Nadeln der Eibe sind oben dunkel- und unten heller grün, etwa 2 bis 3 Zentimeter lang und biegsam. An den Leittrieben stehen sie rundum, während sie an den Seitenzweigen zweizeilig angeordnet sind. Sie bleiben 3 Jahre oder länger am Baum, bevor sie abgeworfen werden.