Pflanze des Monats

Für jeden Monat hat unsere NABU-Gruppe eine Pflanze ausgewählt, die bekannter gemacht werden soll. Vor allem zur Winterszeit, wenn wachsende oder gar blühende Pflanzen eher selten sind, stellen wir aber auch mal einen Pilz vor.

 

Es handelt sich meist um Pflanzen (oder Pilze), die überall zu finden sind und oft auch im Garten der Natur wachsen. Der "Garten der Natur" befindet sich in Winsen auf dem ehemaligen Gartenschau-Gelände und wird von uns angelegt und weiterentwickelt als gärtnerische Anlage mit natürlichen und naturnahen Elementen. 


April 2018

Gewöhnliche Pestwurz (Petasites hybridus) Familie: Korbblütengewächse

 

Gewöhnliche Pestwurz, Winsen, April 2009
Gewöhnliche Pestwurz, Winsen, April 2009

An der Südwest-Ecke des Winsener Schlosses, direkt am Schlossteich, gab es früher einen kleinen Bestand einer merkwürdigen Pflanze, die ich schon als Kind bestaunt habe. Rötliche Stiele erhoben sich dort am Ufer, deren obere Teile dicht mit Blüten besetzt waren. Grüne Pflanzenteile fehlten vollständig.

 

Später habe ich erfahren, dass es sich um die Pestwurz handelt, eine Staude, bei der schon ab März (im Jahr 2018 wegen des späten Winters wohl nicht vor April) zunächst die bis ca. 40 Zentimeter hohen Blütenstände erscheinen, während die Grundblätter erst später im Jahr wachsen. Da die Pestwurz (funktionell) zweihäusig ist, enthält der ganze Blütenstand meist einige Dutzend entweder nur weibliche oder nur männliche Blütenkörbchen. Diese sind von rötlich-weißlicher Farbe und passen damit zu den rötlich überlaufenen schmalen Stängelblättern. Während der Samenreife wachsen die weiblichen Blütenstände auf eine Länge von teilweise über einem Meter. Die Grundblätter erscheinen erst gegen Ende der Blütezeit. Auf langen Stielen sitzt jeweils ein einzelnes (grünes) Blatt, das aber einen Durchmesser von über 60 Zentimetern erreichen kann.

 

Die Gewöhnliche Pestwurz, auch Rote Pestwurz genannt, ist bei uns nicht häufig, fällt aber auf, weil sie da wo sie vorkommt, größere Bestände bilden kann. Sie wächst auf feuchtem Untergrund, zum Beispiel an Ufern von Bächen, auf Sandbänken oder auf Nassstellen in lichten Wäldern. Entlang der Luhe im Bereich der Stadt Winsen wurde die Pestwurz zur Landesgartenschau im Jahr 2006 angepflanzt und hat sich dort bis heute gehalten.

 

Der Name deutet darauf hin, dass man früher versucht hat, mit der Pflanze die Pest zu heilen. Aus speziellen Zuchtformen werden heute u.a. schleimlösende Medikamente hergestellt.

 

Text und Bilder: Dietrich Westphal (April 2018)

 

März 2018

Schwarzdorn, Schlehe (Prunus spinosa) Familie: Rosengewächse

 

Schwarzdorn, Winsen, März 2014. Die Dornen tragen die meisten Blüten
Schwarzdorn, Winsen, März 2014. Die Dornen tragen die meisten Blüten

Der Schwarzdorn ist für den Naturhaushalt eines der wertvollsten heimischen Gehölze. Unmengen verschiedener Insekten leben von dieser Pflanze, unter anderem von dem Nektar, den die Blüten reichlich absondern, allein einige Dutzend Schmetterlingsarten. Davon ernähren sich wiederum viele Vögel, die überdies im dichten Geäst des Strauches geschützte Brutplätze finden. Die Früchte, die Schlehen, kommen auch uns Menschen zu Gute, denn aus ihnen gewinnt man Marmelade und Likör – allerdings erst, nachdem die Früchte im Herbst ersten Frost abbekommen haben. Vorher sind sie derart sauer, dass es einem nach dem Hineinbeißen die Löcher in den Strümpfen zusammenzieht.

 

Der Schwarzdorn ist ein sparriger, dicht verzweigter Strauch, der meist nur 2 bis 3 Meter, selten bis 6 Meter hoch wird. Er hat den Namen von seiner schwärzlichen Rinde. Die Zweige sind reichlich mit langen und spitzen Dornen besetzt, die den Strauch geradezu undurchdringlich machen. Der Strauch treibt unterirdische Ausläufer, so dass er im Lauf der Zeit immer umfangreicher wird. Die Blüten öffnen sich bei uns meist schon im März vor dem Erscheinen der Blätter. Ihr Durchmesser beträgt nur 10-15 Millimeter, aber sie erscheinen in solcher Menge, besonders an den Dornen, dass der ganze Busch weiß eingehüllt wird. Die ovalen Laubblätter bilden sich im April oder Mai und sind mit 2 bis 5 Zentimeter Länge recht klein. Die im Herbst reifenden Früchte sind rund und haben einen Durchmesser von 10 bis 15 Millimetern. Sie sind blauschwarz und weißlich bereift.

 

Schwarzdorn, Winsen, März 1997. Einzelne Blüten
Schwarzdorn, Winsen, März 1997. Einzelne Blüten
Schwarzdorn, Laßrönne, September 1992. Früchte wie Miniatur-Pflaumen
Schwarzdorn, Laßrönne, September 1992. Früchte wie Miniatur-Pflaumen

Man findet den Schwarzdorn bei uns meist in der offenen, der Sonne ausgesetzten Feldflur. Häufig bildet er wegbegleitend im Wechsel mit anderen Sträuchern mehr oder minder lange Hecken. Auch auf Ackerrainen, wo diese noch nicht beseitigt worden sind, gedeiht er. Die Art kommt in weiten Teilen ganz Europas vor.

 

Text und Bilder: Dietrich Westphal (Februar 2018)

 

 

 

Februar 2018

Tabakbrauner Borstenscheibling (Pseudochaete tabacina)

Familie: Borstenscheiblingsverwandte

 

Tabakbrauner Borstenscheibling, Naturschutzgebiet Untere Seeveniederung, 1. Februar 2018
Tabakbrauner Borstenscheibling, Naturschutzgebiet Untere Seeveniederung, 1. Februar 2018

Neulich mussten im Rahmen einer Naturschutzaktion einige Arbeiten im Naturschutzgebiet „Untere Seeveniederung“ durchgeführt werden. Dabei fiel mir der abgestorbene Zweig einer Weide auf, im Wasser eines Grabens stehend, kaum fingerdick, aber über und über mit kleinen, konsolenförmigen Pilzen bedeckt.

 

Tabakbrauner Borstenscheibling, NSG Untere Seeveniederung, 1. Februar 2018. Helle Ränder!
Tabakbrauner Borstenscheibling, NSG Untere Seeveniederung, 1. Februar 2018. Helle Ränder!

Ich nahm eine Probe davon mit nach Haus, aber es dauerte einige Zeit und den Einsatz des Mikroskops, um festzustellen, dass es sich um den „Tabakbraunen Borstenscheibling“ handelt, der hier Totholz zersetzt. Dieser Pilz überzieht das Holz und bildet einseitig dünne Fruchtkörper von lederig-zäher Konsistenz, die hier wie Dachziegel übereinander wachsen. Die Oberseite ist hell- bis dunkelbraun mit schmalem, aber auffallendem gelben Außenrand (Zuwachszone). Die Fruchtschicht auf der Unterseite ist meist heller braun als die Oberseite und mit braunschwarzen Borsten (Name!) besetzt, die allerdings erst mit der Lupe erkennbar sind.

 

Tabakbrauner Borstenscheibling, NSG Untere Seeveniederung, 1. Februar 2018, Unterseite
Tabakbrauner Borstenscheibling, NSG Untere Seeveniederung, 1. Februar 2018, Unterseite

Der Tabakbraune Borstenscheibling wächst ganzjährig auf Ästen von Laubbäumen und ist ein Weißfäule-Erzeuger. Man findet ihn besonders häufig in Moor- und Bruchwäldern sowie Weidengebüschen an Ufern und anderen feuchten Plätzen. Der Pilz ist über mehrere Kontinente verbreitet und bei uns ziemlich häufig. Als Speisepilz taugt er nicht und gilt als ungenießbar.

 

(Text und Bilder: Dietrich Westphal, Februar 2018)

 

Januar 2018

Gewöhnliche Lepraflechte (Lepraria incana)

Gewöhnliche Lepraflechte, Durchmesser ca. 10 cm, 3. Januar 2018, Winsen (c) Dietrich Westphal
Gewöhnliche Lepraflechte, Durchmesser ca. 10 cm, 3. Januar 2018, Winsen (c) Dietrich Westphal
Die Qualität der Aufnahme lässt zwar zu wünschen übrig, aber bei starker Vergrößerung sind die "Sorale" auf der Oberfläche der Lepraflechte zu erkennen, die der vegetativen Fortpflanzung dienen. 3. Januar 2018, Winsen (c) Dietrich Westphal
Die Qualität der Aufnahme lässt zwar zu wünschen übrig, aber bei starker Vergrößerung sind die "Sorale" auf der Oberfläche der Lepraflechte zu erkennen, die der vegetativen Fortpflanzung dienen. 3. Januar 2018, Winsen (c) Dietrich Westphal

Für diese „Pflanze“ des Monats musste ich mich nur ein paar Schritte aus dem Haus bewegen. Es handelt sich dabei um eines dieser symbiotisch aus einem Pilz und einer Algen-Art bestehenden Lebewesen. Viele Flechten sind zwar gegen verschmutzte Luft empfindlich, ansonsten aber äußerst zäh. Ob Sommer, ob Winter, ob trocken oder nass – Flechten findet man immer.

 

Flechten sind alles andere als einfach zu bestimmen. Ich bin mir –als interessierter Laie- zwar einigermaßen sicher, dass es sich bei der hier vorgestellten Art um ein Mitglied der Gattung Lepraria handelt, aber bei der Art hört die Sicherheit auf und ich habe mich für incana entschieden, weil diese Art überall sehr häufig vorkommen soll.

 

Die Gewöhnliche Lepraflechte ist eine Krustenflechte, deren Lager oft unregelmäßige Form haben und die mehrere Quadratdezimeter groß werden können. Die mehlig-körnige Oberfläche ist von grau- bis blaugrünlicher oder auch weißlicher Farbe. Die einzelnen Körnchen sind etwa ein Zehntel Millimeter groß. Es handelt sich dabei um Soredien, Gebilde aus Algen und Pilzfasern, die sich von der Flechte lösen und der vegetativen Vermehrung dienen.

 

Lepraria incana wächst vorzugsweise auf Baumrinde, aber gelegentlich auch auf Steinen und, wie im vorliegenden Fall, auf Beton-Mauern. In milden bis gemäßigten Lagen ist sie sehr häufig. Gegen Luftverunreinigungen ist sie kaum empfindlich.

 

Viele Flechten erreichen trotz ihrer eher geringen Größe ein Alter, das in Jahrzehnten, wenn nicht sogar in Jahrhunderten gezählt wird.

 

(Text und Bilder: Dietrich Westphal, Januar 2018)