Pflanze des Monats

Für jeden Monat hat unsere NABU-Gruppe eine Pflanze ausgewählt, die bekannter gemacht werden soll. Vor allem zur Winterszeit, wenn wachsende oder gar blühende Pflanzen eher selten sind, stellen wir aber auch mal einen Pilz vor.

 

Es handelt sich meist um Pflanzen (oder Pilze), die überall zu finden sind und oft auch im Garten der Natur wachsen. Der "Garten der Natur" befindet sich in Winsen auf dem ehemaligen Gartenschau-Gelände und wird von uns angelegt und weiterentwickelt als gärtnerische Anlage mit natürlichen und naturnahen Elementen. 


Februar 2020

Gemeines Kissenmoos (Grimmia pulvinata)

 

Gruppe: Laubmoose, Familie: Grimms Moose (Grimmiaceae)

 

 

 

Während man sich darüber streiten kann, ob die Pflanze des Monats vom Januar, die Zarte Schwielenflechte, überhaupt zu den Pflanzen zählt, gibt es da bei der des Februar kein Vertun. Zwar wächst das Gemeine Kissenmoos, ebenso wie viele Flechten, auf festem Untergrund, aber es ist in Stängel, Blätter und Fortpflanzungsorgane differenziert und es enthält in seinen Zellen das Blattgrün, das es zur eigenständigen Photosynthese benötigt.

 

Polster des Gemeinen Kissenmooses am Fuß einer Eiche (mitte). Winsen, 4.2.2020
Polster des Gemeinen Kissenmooses am Fuß einer Eiche (mitte). Winsen, 4.2.2020

Das Gemeine Kissenmoos bildet kleine, meist nur wenige Zentimeter durchmessende, kompakte Polster, die blaugrün bis schwärzlich-grün gefärbt sind und grau schimmern. Die dicht gedrängt aufrecht stehenden Stängel sind gabelig verzweigt und ein bis zwei Zentimeter hoch. Sie sind spiralförmig mit etwa drei Millimeter langen Blättern besetzt, die an ihren Spitzen jeweils ein farbloses Haar tragen, die drei Viertel der Länge der Blätter erreichen können. Diese „Glashaare“ sind die Ursache des grauen Schimmers der Polster. Fast immer sind auf diesem Moos Sporenträger zu finden. Sie bestehen aus im unreifen Zustand gekrümmten Stielen und grünen kugeligen Kapseln. Bei der Reife richten sich die Stiele auf und ragen dann über das Moospolster hinaus.

 

Abgelöstes Polster des Gemeinen Kissenmooses mit unreifen Sporenträgern. Winsen, 4.2.2020
Abgelöstes Polster des Gemeinen Kissenmooses mit unreifen Sporenträgern. Winsen, 4.2.2020
Sporenträger des Gemeinen Kissenmooses mit geschnäbelter Kappe. Winsen, 4.2.2020
Sporenträger des Gemeinen Kissenmooses mit geschnäbelter Kappe. Winsen, 4.2.2020

Das Gemeine Kissenmoos gedeiht an natürlichem Fels, an Mauern und auch an Beton. Man findet es meist an besonnten, aber periodisch feuchten Stellen. Es erträgt Austrocknen bis hin zur fast völligen Wasserlosigkeit. Gelegentlich wächst es auch auf Rinde am Fuß von Bäumen. Das Gemeine Kissenmoos ist weit verbreitet und bei uns häufig. Nur in Gegenden mit starker Luftverschmutzung ist es seltener oder fehlt ganz.

 

Die erwähnten „Glashaare“ dienen unter anderem als Kondensationspunkte für Tauwasser, das für die Moospolster lebenswichtig ist. Außerdem zerstreuen sie das einfallende Licht. Das empfindliche Blattgrün wird dadurch vor zu starker Sonnenstrahlung geschützt.

 

 

 

(Text und Bilder: Dietrich Westphal, Februar 2020)

 

Januar 2020

Zarte Schwielenflechte (Physcia tenella)

 

Gruppe: Blattflechten, Familie: Physciaceae

Wenn im Winter Blütenpflanzen rar sind, fällt der Blick schon eher einmal auf Lebewesen, wie die Flechten, die auch im Winter ihr –meist unendlich langsames- Wachstum nicht einstellen. Flechten bestehen bekanntermaßen aus einem Pilz-Partner und einem Pflanzen-Partner, meist einer Grünalgen-Art, die untrennbar in Symbiose miteinander verbunden sind. Viele Flechten sind einerseits imstande, extremste Lebensräume hinsichtlich Feuchtigkeit und Temperatur zu besiedeln, andererseits reagieren manche Arten empfindlich auf Luftschadstoffe, wie z.B. Schwefeldioxid, und haben deshalb in belasteten Gebieten erheblich an Vielfalt eingebüßt.

 

Zarte Schwielenflechte an Eichenrinde, zusammen mit Moosen und einer weiteren Flechtenart (Bildmitte, oben). Winsen, 4. Januar 2020
Zarte Schwielenflechte an Eichenrinde, zusammen mit Moosen und einer weiteren Flechtenart (Bildmitte, oben). Winsen, 4. Januar 2020

Die Zarte Schwielenflechte wächst auf der Rinde von Bäumen. Dort bildet sie wenige Zentimeter große, oft rosettenförmige Lager, die ggf. zu größeren Flächen zusammenwachsen. Die einzelnen Läppchen dieser kleinen Flechte sind weißgrau, vielfach mit grünlichem Schimmer, und 0,5 bis 1 Millimeter breit. Schaut man sich die Flechte mit der Lupe an, fallen neben bis 2 Millimeter langen Wimpern an den Rändern der Läppchen besonders winzige rundliche Gebilde auf, die in großer Zahl an lippenartig aufgebogenen Enden mancher Läppchen zu finden sind. Es handelt sich hier um „Soredien“, die der Fortpflanzung dienen, indem sie sich von der Mutterpflanze ablösen und eine neue Flechte bilden können.

 

Zarte Schwielenflechte ca. 1,5 cm breit, mit "Wimpern" an den Rändern sowie Ansammlungen von Soredien (Sorale). Winsen, 3. Januar 2020
Zarte Schwielenflechte ca. 1,5 cm breit, mit "Wimpern" an den Rändern sowie Ansammlungen von Soredien (Sorale). Winsen, 3. Januar 2020

Die Zarte Schwielenflechte zählt nicht zu den in Hinblick auf Luftschadstoffe empfindlichen Arten und so fand ich sie auf Anhieb auf der rissigen Borke der großen Eichen im Winsener Schlosspark. Sie ist weit verbreitet und wegen ihrer Robustheit selbst in Großstädten häufig zu finden.

 

(Text und Bilder: Dietrich Westphal, Januar 2020)