Pflanze des Monats

Für jeden Monat hat unsere NABU-Gruppe eine Pflanze ausgewählt, die bekannter gemacht werden soll. Vor allem zur Winterszeit, wenn wachsende oder gar blühende Pflanzen eher selten sind, stellen wir aber auch mal einen Pilz vor.

 

Es handelt sich meist um Pflanzen (oder Pilze), die überall zu finden sind und oft auch im Garten der Natur wachsen. Der "Garten der Natur" befindet sich in Winsen auf dem ehemaligen Gartenschau-Gelände und wird von uns angelegt und weiterentwickelt als gärtnerische Anlage mit natürlichen und naturnahen Elementen. 


August 2018

Kohl-Distel (Cirsium oleraceum) Familie: Korbblütengewächse

 

Kohl-Distel  25. Juli 2018, Winsen (Luhe)
Kohl-Distel 25. Juli 2018, Winsen (Luhe)

Die Kohl-Distel oder Kohl-Kratzdistel ist ein Sonderling in der Gattung Cirsium. Die meisten anderen Arten haben rote Blütenstände und am harten Laub kräftige Stacheln. Die Kohl-Distel dagegen hat gelbliche Blüten und große weiche Blätter mit biegsamen Stacheln. Dabei ist die Kohl-Distel durchaus eine stattliche Pflanze, die mannshoch werden kann und deren Stängel bis oben hin locker mit zum Teil großen lappigen und fiederspaltigen Blättern besetzt ist. An der Spitze des Stängels drängen sich einige ungeteilte, gelbgrün gefärbte Blätter zusammen und bilden eine Hülle für bis zu sechs ca. 2,5 cm breite Blütenköpfchen, die hier knäuelig zusammenstehen. Die Blütezeit ist lang, sie reicht von Juni bis Oktober.

 

Die Kohl-Distel ist eine Staude, die bevorzugt auf feuchtem, stickstoffsalzreichem Boden wächst. Sie kommt demgemäß auf Sumpfwiesen, an Gräben, Ufern und sonstigen Feuchtbereichen vor. Sie ist bei uns nicht selten. Innerhalb des Stadtgebietes von Winsen findet man sie beispielsweise am Ufer der Luhe und in der „Flutmulde“ zwischen der Luhe und Eppens Allee.

 

Kohl-Distel, Blütenstände in einer Hülle von Blättern.  25. Juli 2018, Winsen (Luhe)
Kohl-Distel, Blütenstände in einer Hülle von Blättern. 25. Juli 2018, Winsen (Luhe)

Anders als der Name vermuten lässt, liefert die Kohl-Distel kein gutes Viehfutter. Die Pflanze zerbröselt beim Trocknen komplett. In Osteuropa wird sie aber stellenweise als Gemüsepflanze genutzt und in Japan zu diesem Zweck sogar angebaut.

 

Kohl-Distel mit Erdhummel. Kohldisteln sind sehr wertvolle Bienenweiden. 25. Juli 2018,  Winsen (Luhe)
Kohl-Distel mit Erdhummel. Kohldisteln sind sehr wertvolle Bienenweiden. 25. Juli 2018, Winsen (Luhe)

Text und Bilder: Dietrich Westphal, August 2018

Juli 2018

Dornige Hauhechel (Ononis spinosa) Familie: Schmetterlingsblütengewächse

 

Dornige Hauhechel, Alter Elbdeich bei Laßrönne, 13. Juli 2013
Dornige Hauhechel, Alter Elbdeich bei Laßrönne, 13. Juli 2013

Als ich die Dornige Hauhechel das erste Mal sah, dachte ich eine besondere Art von Ginster, die da bei hochsommerlicher Temperatur am trockenen Standort wächst. Aber Ginsterblüten –außer natürlich aus dem Gartencenter- sind gelb und nicht, wie bei dieser Pflanze, rosarot.

 

Die unteren Abschnitte der Stängel der Dornigen Hauhechel verholzen. Die Pflanze ähnelt deshalb einem kleinen, etwa einen halben Meter hohen Strauch. Wenn aber gegen Ende des Sommers die oberirdischen Teile gänzlich absterben und die Pflanze im Frühling neu aus dem Boden wächst, erkennt man die Staudennatur der Hauhechel. Zumindest der untere Teil des Stängels ist mit langen und spitzen Dornen besetzt. Die Blätter sind drei-teilig und länglich oval mit gezähntem Rand. Der obere Teil des Stängels trägt an sogenannten Kurztrieben jeweils ein bis drei durchaus attraktive, etwa 2 Zentimeter lange Schmetterlingsblüten.

 

Dornige Hauhechel, Blüte mit dunklen Streifen auf der Fahne. Alter Elbdeich bei Drage, 13. Juli 2013
Dornige Hauhechel, Blüte mit dunklen Streifen auf der Fahne. Alter Elbdeich bei Drage, 13. Juli 2013

Die Dornige Hauhechel bevorzugt trockenen und nährstoffarmen Boden, der kalkhaltig sein sollte. In der Bestimmungsliteratur findet man die Aussage, dass die Art im Tiefland fehlt. Das stimmt aber wohl nicht ganz; mir sind Vorkommen im Raum Winsen durchaus bekannt. Allerdings findet die Pflanze bei uns nur an wenigen Orten. Überwiegend sind dies funktionslose Deiche, die keiner intensiven Pflege mehr unterliegen, z.B. Drennhäuser Hinterdeich und Alter Elbdeich bei Drage.

 

Die Blütezeit der Dornigen Hauhechel fällt in die Monate Juni bis August.

 

Der Name Hauhechel rührt vom Vergleich mit einem „Stachelwerkzeug“, dem Heckel oder Hechsel her, wie man es zum Durchziehen von Fachs verwendet hat.

 

Text und Bilder: Dietrich Westphal (Juli 2018)

 

 

Juni 2018

Wiesen-Platterbse (Lathyrus pratensis) Familie: Schmetterlingsblütengewächse

 

Wiesen-Platterbse, NSG Ilmenau-Luhe-Niederung. 1. Juni 2018
Wiesen-Platterbse, NSG Ilmenau-Luhe-Niederung. 1. Juni 2018
Wiesen-Platterbse, Blütentraube. NSG Ilmenau-Luhe-Niederung, 1. Juni 2018
Wiesen-Platterbse, Blütentraube. NSG Ilmenau-Luhe-Niederung, 1. Juni 2018

Die sommerliche Hitze im zurückliegenden Mai hat dazu geführt, dass sich die Anzahl blühender Pflanzen in engem Rahmen hält. Da fiel die Entscheidung nicht schwer, die vielerorts wachsende Wiesen-Platterbse zur Pflanze des Monats zu machen.

 

Bei der momentanen Blüten-Armut sind die gelben Trauben der Wiesenplatterbse, die aus bis zu zwölf Einzelblüten bestehen, im ansonsten einfarbig grünen Gras schon auffallend. Die Blüten haben die für diese Pflanzenfamilie typische Form und bestehen aus einem oberen, vergrößerten Blütenblatt, der „Fahne“, den beiden seitlichen „Flügeln“ und zwei unteren, zum „Schiffchen“ verwachsenen Blütenblättern. Die Frucht ist eine Hülse, ähnlich der unserer Küchen-Erbse, nur kleiner. Der Stängel ist vierkantig und bis über einen dreiviertel Meter lang. Er trägt Blätter, die aus einem Paar länglich-ovaler, spitz auslaufender Fiedern und einer Ranke bestehen. Mit Hilfe dieser Ranken wächst die Pflanze an Halmen und Stängeln anderer Pflanzen empor.

 

Wiesen-Platterbse mit Wildbiene. NSG Ilmenau-Luhe-Niederung, 1. Juni 2018
Wiesen-Platterbse mit Wildbiene. NSG Ilmenau-Luhe-Niederung, 1. Juni 2018

Die Wiesen-Platterbse braucht nährstoffreichen, möglichst mit Humus angereicherten Lehm- oder Tonboden. Man findet sie auch in Nasswiesen, Flachmooren und an Waldrändern. Sie ist ausgesprochen häufig und derzeit in Niedersachsen nicht gefährdet. Die Blütezeit fällt normalerweise in den Zeitraum Juni/Juli, hat aber dieses Jahr witterungsbedingt etwas früher begonnen.

 

Platterbsen werden gern von Insekten aufgesucht. Sie sind, wie viele Schmetterlingsblütler, eine gute Bienenweide. Auf einem der Bilder erkennt man eine Wildbiene beim Einsammeln von Nektar und Pollen.

 

Text und Bilder: Dietrich Westphal (Juni 2018)

 

 

 

Mai 2018

Gewöhnlicher Feldsalat (Valerianella locusta) Familie: Baldriangewächse

 

Gewöhnlicher Feldsalat, Stöckter Deich, 5. Mai 2018
Gewöhnlicher Feldsalat, Stöckter Deich, 5. Mai 2018

Neben seinen gleichzeitig blühenden „Nachbarn“, den großen sattgelben Butterblumen, den Wilden Stiefmütterchen in lila und gelb und den leuchtend weißen Sterne des Acker-Hornkrauts, wirken die Blütenstände des Gewöhnlichen Feldsalates recht bescheiden. Die weißen bis blassblauen fünfzipfeligen Blüten stehen zwar oft zu einigen Dutzend doldenartig zusammen, aber jede Blüte ist nur einen bis maximal zwei Millimeter groß. Immerhin findet man an der stark gabelig verzweigten Pflanze meist eine große Zahl von Blütenständen. Die Blätter sitzen an den Stängeln gegenständig. Sie sind hellgrün und recht schmal. Der Feldsalat blüht im Zeitraum April-Mai und wird kaum höher als 25 Zentimeter.

 

Gewöhnlicher Feldsalat, Blütenstände. Stöckter Deich, 5. Mai 2018
Gewöhnlicher Feldsalat, Blütenstände. Stöckter Deich, 5. Mai 2018

Der Gewöhnliche Feldsalat bevorzugt Böden mit Anteilen von Lehm. Man findet ihn auf Äckern und Lücken in mageren Wiesen. Auch Deiche, die aus mehr oder weniger „bindigem“ Boden bestehen, werden besiedelt. Die Fotos wurden am Stöckter Deich nördlich von Winsen aufgenommen. Der Gewöhnliche Feldsalat ist nicht sonderlich häufig, seine Vorkommen werden in der Literatur als „zerstreut“ bezeichnet. Die Art ist in der Vorwarnliste der Roten Liste der Blütenpflanzen Niedersachsens verzeichnet.

 

Schon seit der Jungsteinzeit wird der Feldsalat als Salatpflanze angebaut. Kulturformen haben oft breitere und satt dunkelgrüne Blätter.

 

 Text und Bilder: Dietrich Westphal (Mai 2018)

 

April 2018

Gewöhnliche Pestwurz (Petasites hybridus) Familie: Korbblütengewächse

 

Gewöhnliche Pestwurz, Winsen, April 2009
Gewöhnliche Pestwurz, Winsen, April 2009

An der Südwest-Ecke des Winsener Schlosses, direkt am Schlossteich, gab es früher einen kleinen Bestand einer merkwürdigen Pflanze, die ich schon als Kind bestaunt habe. Rötliche Stiele erhoben sich dort am Ufer, deren obere Teile dicht mit Blüten besetzt waren. Grüne Pflanzenteile fehlten vollständig.

 

Später habe ich erfahren, dass es sich um die Pestwurz handelt, eine Staude, bei der schon ab März (im Jahr 2018 wegen des späten Winters wohl nicht vor April) zunächst die bis ca. 40 Zentimeter hohen Blütenstände erscheinen, während die Grundblätter erst später im Jahr wachsen. Da die Pestwurz (funktionell) zweihäusig ist, enthält der ganze Blütenstand meist einige Dutzend entweder nur weibliche oder nur männliche Blütenkörbchen. Diese sind von rötlich-weißlicher Farbe und passen damit zu den rötlich überlaufenen schmalen Stängelblättern. Während der Samenreife wachsen die weiblichen Blütenstände auf eine Länge von teilweise über einem Meter. Die Grundblätter erscheinen erst gegen Ende der Blütezeit. Auf langen Stielen sitzt jeweils ein einzelnes (grünes) Blatt, das aber einen Durchmesser von über 60 Zentimetern erreichen kann.

 

Die Gewöhnliche Pestwurz, auch Rote Pestwurz genannt, ist bei uns nicht häufig, fällt aber auf, weil sie da wo sie vorkommt, größere Bestände bilden kann. Sie wächst auf feuchtem Untergrund, zum Beispiel an Ufern von Bächen, auf Sandbänken oder auf Nassstellen in lichten Wäldern. Entlang der Luhe im Bereich der Stadt Winsen wurde die Pestwurz zur Landesgartenschau im Jahr 2006 angepflanzt und hat sich dort bis heute gehalten.

 

Der Name deutet darauf hin, dass man früher versucht hat, mit der Pflanze die Pest zu heilen. Aus speziellen Zuchtformen werden heute u.a. schleimlösende Medikamente hergestellt.

 

Text und Bilder: Dietrich Westphal (April 2018)

 

März 2018

Schwarzdorn, Schlehe (Prunus spinosa) Familie: Rosengewächse

 

Schwarzdorn, Winsen, März 2014. Die Dornen tragen die meisten Blüten
Schwarzdorn, Winsen, März 2014. Die Dornen tragen die meisten Blüten

Der Schwarzdorn ist für den Naturhaushalt eines der wertvollsten heimischen Gehölze. Unmengen verschiedener Insekten leben von dieser Pflanze, unter anderem von dem Nektar, den die Blüten reichlich absondern, allein einige Dutzend Schmetterlingsarten. Davon ernähren sich wiederum viele Vögel, die überdies im dichten Geäst des Strauches geschützte Brutplätze finden. Die Früchte, die Schlehen, kommen auch uns Menschen zu Gute, denn aus ihnen gewinnt man Marmelade und Likör – allerdings erst, nachdem die Früchte im Herbst ersten Frost abbekommen haben. Vorher sind sie derart sauer, dass es einem nach dem Hineinbeißen die Löcher in den Strümpfen zusammenzieht.

 

Der Schwarzdorn ist ein sparriger, dicht verzweigter Strauch, der meist nur 2 bis 3 Meter, selten bis 6 Meter hoch wird. Er hat den Namen von seiner schwärzlichen Rinde. Die Zweige sind reichlich mit langen und spitzen Dornen besetzt, die den Strauch geradezu undurchdringlich machen. Der Strauch treibt unterirdische Ausläufer, so dass er im Lauf der Zeit immer umfangreicher wird. Die Blüten öffnen sich bei uns meist schon im März vor dem Erscheinen der Blätter. Ihr Durchmesser beträgt nur 10-15 Millimeter, aber sie erscheinen in solcher Menge, besonders an den Dornen, dass der ganze Busch weiß eingehüllt wird. Die ovalen Laubblätter bilden sich im April oder Mai und sind mit 2 bis 5 Zentimeter Länge recht klein. Die im Herbst reifenden Früchte sind rund und haben einen Durchmesser von 10 bis 15 Millimetern. Sie sind blauschwarz und weißlich bereift.

 

Schwarzdorn, Winsen, März 1997. Einzelne Blüten
Schwarzdorn, Winsen, März 1997. Einzelne Blüten
Schwarzdorn, Laßrönne, September 1992. Früchte wie Miniatur-Pflaumen
Schwarzdorn, Laßrönne, September 1992. Früchte wie Miniatur-Pflaumen

Man findet den Schwarzdorn bei uns meist in der offenen, der Sonne ausgesetzten Feldflur. Häufig bildet er wegbegleitend im Wechsel mit anderen Sträuchern mehr oder minder lange Hecken. Auch auf Ackerrainen, wo diese noch nicht beseitigt worden sind, gedeiht er. Die Art kommt in weiten Teilen ganz Europas vor.

 

Text und Bilder: Dietrich Westphal (Februar 2018)

 

 

 

Februar 2018

Tabakbrauner Borstenscheibling (Pseudochaete tabacina)

Familie: Borstenscheiblingsverwandte

 

Tabakbrauner Borstenscheibling, Naturschutzgebiet Untere Seeveniederung, 1. Februar 2018
Tabakbrauner Borstenscheibling, Naturschutzgebiet Untere Seeveniederung, 1. Februar 2018

Neulich mussten im Rahmen einer Naturschutzaktion einige Arbeiten im Naturschutzgebiet „Untere Seeveniederung“ durchgeführt werden. Dabei fiel mir der abgestorbene Zweig einer Weide auf, im Wasser eines Grabens stehend, kaum fingerdick, aber über und über mit kleinen, konsolenförmigen Pilzen bedeckt.

 

Tabakbrauner Borstenscheibling, NSG Untere Seeveniederung, 1. Februar 2018. Helle Ränder!
Tabakbrauner Borstenscheibling, NSG Untere Seeveniederung, 1. Februar 2018. Helle Ränder!

Ich nahm eine Probe davon mit nach Haus, aber es dauerte einige Zeit und den Einsatz des Mikroskops, um festzustellen, dass es sich um den „Tabakbraunen Borstenscheibling“ handelt, der hier Totholz zersetzt. Dieser Pilz überzieht das Holz und bildet einseitig dünne Fruchtkörper von lederig-zäher Konsistenz, die hier wie Dachziegel übereinander wachsen. Die Oberseite ist hell- bis dunkelbraun mit schmalem, aber auffallendem gelben Außenrand (Zuwachszone). Die Fruchtschicht auf der Unterseite ist meist heller braun als die Oberseite und mit braunschwarzen Borsten (Name!) besetzt, die allerdings erst mit der Lupe erkennbar sind.

 

Tabakbrauner Borstenscheibling, NSG Untere Seeveniederung, 1. Februar 2018, Unterseite
Tabakbrauner Borstenscheibling, NSG Untere Seeveniederung, 1. Februar 2018, Unterseite

Der Tabakbraune Borstenscheibling wächst ganzjährig auf Ästen von Laubbäumen und ist ein Weißfäule-Erzeuger. Man findet ihn besonders häufig in Moor- und Bruchwäldern sowie Weidengebüschen an Ufern und anderen feuchten Plätzen. Der Pilz ist über mehrere Kontinente verbreitet und bei uns ziemlich häufig. Als Speisepilz taugt er nicht und gilt als ungenießbar.

 

(Text und Bilder: Dietrich Westphal, Februar 2018)

 

Januar 2018

Gewöhnliche Lepraflechte (Lepraria incana)

Gewöhnliche Lepraflechte, Durchmesser ca. 10 cm, 3. Januar 2018, Winsen (c) Dietrich Westphal
Gewöhnliche Lepraflechte, Durchmesser ca. 10 cm, 3. Januar 2018, Winsen (c) Dietrich Westphal
Die Qualität der Aufnahme lässt zwar zu wünschen übrig, aber bei starker Vergrößerung sind die "Sorale" auf der Oberfläche der Lepraflechte zu erkennen, die der vegetativen Fortpflanzung dienen. 3. Januar 2018, Winsen (c) Dietrich Westphal
Die Qualität der Aufnahme lässt zwar zu wünschen übrig, aber bei starker Vergrößerung sind die "Sorale" auf der Oberfläche der Lepraflechte zu erkennen, die der vegetativen Fortpflanzung dienen. 3. Januar 2018, Winsen (c) Dietrich Westphal

Für diese „Pflanze“ des Monats musste ich mich nur ein paar Schritte aus dem Haus bewegen. Es handelt sich dabei um eines dieser symbiotisch aus einem Pilz und einer Algen-Art bestehenden Lebewesen. Viele Flechten sind zwar gegen verschmutzte Luft empfindlich, ansonsten aber äußerst zäh. Ob Sommer, ob Winter, ob trocken oder nass – Flechten findet man immer.

 

Flechten sind alles andere als einfach zu bestimmen. Ich bin mir –als interessierter Laie- zwar einigermaßen sicher, dass es sich bei der hier vorgestellten Art um ein Mitglied der Gattung Lepraria handelt, aber bei der Art hört die Sicherheit auf und ich habe mich für incana entschieden, weil diese Art überall sehr häufig vorkommen soll.

 

Die Gewöhnliche Lepraflechte ist eine Krustenflechte, deren Lager oft unregelmäßige Form haben und die mehrere Quadratdezimeter groß werden können. Die mehlig-körnige Oberfläche ist von grau- bis blaugrünlicher oder auch weißlicher Farbe. Die einzelnen Körnchen sind etwa ein Zehntel Millimeter groß. Es handelt sich dabei um Soredien, Gebilde aus Algen und Pilzfasern, die sich von der Flechte lösen und der vegetativen Vermehrung dienen.

 

Lepraria incana wächst vorzugsweise auf Baumrinde, aber gelegentlich auch auf Steinen und, wie im vorliegenden Fall, auf Beton-Mauern. In milden bis gemäßigten Lagen ist sie sehr häufig. Gegen Luftverunreinigungen ist sie kaum empfindlich.

 

Viele Flechten erreichen trotz ihrer eher geringen Größe ein Alter, das in Jahrzehnten, wenn nicht sogar in Jahrhunderten gezählt wird.

 

(Text und Bilder: Dietrich Westphal, Januar 2018)