Pflanze des Monats

Für jeden Monat hat unsere NABU-Gruppe eine Pflanze ausgewählt, die bekannter gemacht werden soll. Vor allem zur Winterszeit, wenn wachsende oder gar blühende Pflanzen eher selten sind, stellen wir aber auch mal einen Pilz vor.

 

Es handelt sich meist um Pflanzen (oder Pilze), die überall zu finden sind und oft auch im Garten der Natur wachsen. Der "Garten der Natur" befindet sich in Winsen auf dem ehemaligen Gartenschau-Gelände und wird von uns angelegt und weiterentwickelt als gärtnerische Anlage mit natürlichen und naturnahen Elementen. 


April 2019

Wunder-Lauch (Allium paradoxum)

 

Familie: Lauchgewächse

 

Wunder-Lauch, Winsen (Luhe), Schlosspark, 25.04.2010
Wunder-Lauch, Winsen (Luhe), Schlosspark, 25.04.2010
Wunder-Lauch, Blüte und Brutzwiebeln. Winsen (Luhe), Schlosspark, 25.04.2010
Wunder-Lauch, Blüte und Brutzwiebeln. Winsen (Luhe), Schlosspark, 25.04.2010

Die Blätter des Wunder-Lauchs, die schon ab März wachsen, könnte man mit einem breitblättrigen Gras verwechseln. Der intensive Knoblauchduft der Pflanze zeigt aber, dass es sich hier um ein Lauchgewächs handelt. Wenn dann im April bis in den Mai hinein die Blüten erscheinen, ist eine Verwechslung kaum noch möglich.

 

Wie für diese Pflanzenfamilie typisch, überdauert der Wunder-Lauch den Winter als Zwiebel im Boden. Diese hat einen Durchmesser von ca. 1 Zentimeter. Daraus wächst im Frühling meist nur ein grundständiges Laubblatt von ca. 20 Zentimeter Länge und 1 bis 2 Zentimeter Breite. Manchmal wachsen auch zwei bis drei der frischgrünen, etwas glänzenden Blätter aus einer Zwiebel. Später wachsen die dreikantigen, bis zu 30 Zentimeter langen und blattlosen Blütenstängel empor, an deren Enden sich meist nur ein bis zwei, manchmal aber auch fünf oder mehr Blüten entwickeln. Die weißen Blüten mit ihren sechs Blütenblättern haben mehrere Zentimeter lange Stiele und hängen glockenartig über. Außerdem sind an den Enden der Stängel bis zu zwanzig kleine hellgrüne Brutzwiebeln vorhanden, die der vegetativen Vermehrung dienen.

 

Der Wunder-Lauch ist bei uns nicht sonderlich häufig, wächst aber an seinen Standorten meist rasenartig in größeren Beständen. Man findet ihn in Winsen zum Beispiel an der Luhe im Schlosspark. Er braucht einen nährstoffreichen Boden, der im Sommer trocken und warm sein sollte, gern halbschattig unter Bäumen. Der Wunder-Lauch stammt ursprünglich aus dem Mittleren Osten (Iran, Kaukasus).

 

Mit dem Bärlauch hat der Wunder-Lauch (oder Seltsamer Lauch, wie er auch genannt wird) gemeinsam, dass er essbar ist und genau wie dieser verwendet werden kann.

 

 

 

(Text und Bilder: Dietrich Westphal, April 2019)

 

 

März 2019

Garten-Schaumkraut (Cardamine hirsuta)

 

Familie: Kreuzblütengewächse

 

Garten-Schaumkraut zwischen den Steinen. 4. März 2019, Winsen
Garten-Schaumkraut zwischen den Steinen. 4. März 2019, Winsen

Schon seit Mitte Februar müht sich ein Pflänzchen durch eine Ritze zwischen den Pflastersteinen vor unserer Haustür. Sogar ein kleiner Blütenstand auf einem noch sehr kurzen Stängel ist zu sehen. Ich möchte wissen, was das für ein wetterhartes Gewächs ist, zücke mein Bestimmungsbuch und lande beim Garten-Schaumkraut.

 

Garten-Schaumkraut, Blütenstand. 4. März 2019, Winsen
Garten-Schaumkraut, Blütenstand. 4. März 2019, Winsen

Die Zugehörigkeit zur Familie der Kreuzblütengewächse lässt sich an den Blütenblättern abzählen: Vier Stück davon, je zwei kreuzförmig gegenüber. Zugegeben, an den derzeit nur teilweise offenen Blüten ist das noch nicht so gut zu erkennen. Die Zahl der weißen Blüten in der Traube am Ende der Stängel ist nicht sehr hoch. Der Stängel, jetzt nur wenige Zentimeter hoch, wird sich im Lauf des Frühlings noch deutlich strecken und kann durchaus 25 Zentimeter lang werden. Meist wachsen auch weitere Stängel mit Blütenständen. Unterhalb der Blüten sitzen meist nur zwei Blätter an den Stängeln. Üppiger ist da schon die Blattrosette am Grund, aus der die Stängel hervor kommen. Alle Blätter sind in ein bis vier Paar einzelne Fiedern geteilt und besitzen endständig ein größeres Blättchen (unpaarig gefiedert). Da auf Teilen der Blätter Haare vorhanden sind (siehe Foto), wird die Pflanze auch „Behaartes Schaumkraut“ genannt.

 

Garten-Schaumkraut, 4. März 2019, Winsen. Beachte: Haare auf den Blättern!
Garten-Schaumkraut, 4. März 2019, Winsen. Beachte: Haare auf den Blättern!
Nachtrag: nach ein paar Tagen strecken sich die Stängel.  20. März 2019
Nachtrag: nach ein paar Tagen strecken sich die Stängel. 20. März 2019

Das Garten-Schaumkraut, ehedem eine seltene Art, hat sich im Mitteleuropa seit den siebziger Jahren geradezu explosionsartig verbreitet. Heute ist es bei uns überall häufig und kommt darüber hinaus durch Verschleppung fast weltweit vor. Die Pflanze ist typisch für Standorte wie Gärten, Parkanlagen, Ruderalstellen und Wegraine.

 

 (Text und Bilder: Dietrich Westphal, März 2019)

 

Februar 2019

Elfen-Krokus (Crocus tommasinianus)

 

Familie: Schwertliliengewächse

 

Krokus ist nicht gleich Krokus. Wer hätte gedacht, dass die Gattung weltweit über 200 Arten umfasst? Dem versierten Gärtner wird aufgefallen sein, dass einige Krokusse bereits im Februar blühen, wenn das Wetter es zulässt, und andere erst im Zeitraum März-April. Natürlich spielt der Standort – mehr oder weniger sonnig – eine Rolle, aber auch die Zugehörigkeit zu verschiedenen Arten.

 

 

Elfen-Krokusse kämpfen sich durch den Schnee. Winsen, 29. März 2018
Elfen-Krokusse kämpfen sich durch den Schnee. Winsen, 29. März 2018
Elfen-Krokus kurz vorm Aufblühen. Winsen, 10. Februar 2008
Elfen-Krokus kurz vorm Aufblühen. Winsen, 10. Februar 2008

Der Elfen-Krokus ist eine ausdauernde Pflanze, die als Knolle (keine Zwiebel) im Erdboden überwintert. Blätter und Blüten werden sehr früh im Jahr, bereits ab dem ausgehenden Winter, neu gebildet und sterben im Verlauf des Sommerhalbjahres wieder ab. Diese Krokus-Art wird bis über 15 Zentimeter groß, bleibt meist jedoch deutlich kleiner. Die grundständigen Laubblätter, häufig 6 pro Pflanze, sind parallelnervig und schmal. Typisch für die Gattung Crocus ist der weiße Mittelstreifen. Die Blätter erscheinen gleichzeitig mit den Blüten. Letztere sind zwittrig und im unteren Teil zu einer langen, ca. 3 Millimeter durchmessenden Röhre verwachsen. Die 6 in zwei Kreisen zu je 3 angeordneten Blütenblätter sind gleichgestaltig, oberhalb der Röhre bis über 4 Zentimeter lang und beim Elfen-Krokus meist einfarbig blassviolett bis lila. Die Befruchtung erfolgt durch Insekten, insbesondere Hummeln. Nach der Befruchtung schiebt sich eine dreifächrige Kapsel mit einer Vielzahl von Samen aus dem Boden.

 

Voll aufgeblüht in der Frühlingssonne. Winsen, 12. März 2011
Voll aufgeblüht in der Frühlingssonne. Winsen, 12. März 2011

Das natürliche Verbreitungsgebiet des Elfen-Krokus liegt in Südosteuropa. Dort wächst er z.B. in Laubwäldern, meist auf kalkhaltigen Böden. Spätestens seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist die Art in Kultur und seitdem wohl auch in Mitteleuropa als Zierpflanze verbreitet.

 

(Text und Bilder: Dietrich Westphal, Februar 2019)

 

 

Januar 2019

Mäuseschwänzchen – Später Zapfenrübling (Baeospora myosura)

 Familie: Schwindlingsverwandte

 

Einigermaßen erstaunt bin ich, als ich beim Laub harken auf einem halb im Boden steckenden Kiefernzapfen eine ganze Kolonie winzig kleiner Pilze entdecke. Ich bücke mich also, um mir das genauer anzusehen. Dabei fällt mein Blick auf weitere Zapfen, die von Nachbars Kiefer stammen und wohl schon längere Zeit auf unserem Rasen liegen. Ein Großteil davon trägt auch so einen Bewuchs, jeweils eine kleine Welt für sich.

 

Mäuseschwänzchen auf Kiefernzapfen, Winsen, 23. Dezember 2018
Mäuseschwänzchen auf Kiefernzapfen, Winsen, 23. Dezember 2018

Die Bestimmung ergibt, dass es sich um das „Mäuseschwänzchen“ handelt, auch bekannt als „Später Zapfenrübling“. Der Pilz wächst ab Herbst bis in den Winter in kleinen Kolonien, seltener auch einzeln. Die weißlichen Stiele sind 1 bis 2 Millimeter dick und wenige Zentimeter lang. Der hellbraune Hut ist zunächst halbkugelig, später flach ausgebreitet und hat einen Durchmesser von 5 bis 20 Millimetern. Die Lamellen auf der Unterseite des Hutes sind zunächst weiß, später gelblich und stehen recht dicht.

 

Die kleinen Pilze wachsen ausschließlich auf verrottenden Zapfen, meist von Fichten, aber wie in diesem Fall, auch von Kiefern. Seltener findet man sie auf Zapfen von Douglasien oder Lärchen. Er ist in den Nadelwäldern weiter Teile Europas, Asiens und Amerikas verbreitet und meist auch häufig. Durch die Beliebtheit von Nadelbäumen als Ziergehölz hat der Pilz auch Einzug in viele Gärten gehalten.

 

Mäuseschwänzchen, junge Pilze auf Kiefernzapfen, Winsen, 23. Dezember 2018
Mäuseschwänzchen, junge Pilze auf Kiefernzapfen, Winsen, 23. Dezember 2018
Mäuseschwänzchen-Kolonie auf Kiefernzapfen, Winsen, 27. Dezember 2018
Mäuseschwänzchen-Kolonie auf Kiefernzapfen, Winsen, 27. Dezember 2018

Das Mäuseschwänzchen ist nicht giftig und gilt bis auf den zähen Stiel sogar als essbar. Sonderlich ergiebig ist es allerdings nicht. Es gibt eine Reihe weiterer „Zapfenpilze“. Diese bilden ihre Fruchtkörper aber meist erst im Frühling.

 

(Text und Bilder: Dietrich Westphal, Januar 2019)