Pflanze des Monats

Für jeden Monat hat unsere NABU Gruppe eine Pflanze ausgewählt, die bekannter gemacht werden soll. Vor allem zur Winterszeit, wenn wachsende oder gar blühende Pflanzen selten sind, stellen wir aber auch mal einen Pilz vor.

 

 Es handelt sich meist um Pflanzen (oder Pilze), die überall zu finden sind und oft auch im Garten der Natur wachsen. Der "Garten der Natur" befindet sich in Winsen auf dem ehemaligen Gartenschaugelände und wird von uns angelegt und weiterentwickelt als gärtnerische Anlage mit natürlichen und naturnahen Elementen.

 

 

Pflanze des Monats Mai 2022

 

Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys)

 

Familie Wegerichgewächse

 

Der Gamander-Ehrenpreis, eine von so etwa zwanzig heimischen Ehrenpreis-Arten, ist zum Glück noch häufig anzutreffen. Er wächst meist in kleineren, aber dichten Beständen, die sich zur Blütezeit, von April bis Juni, als schöne blaue Flecken präsentieren.

 

Gamander-Ehrenpreis, Rottorf, 9. Mai 2022
Gamander-Ehrenpreis, Rottorf, 9. Mai 2022

 

Der Gamander-Ehrenpreis hat meist einen aufrechten Stängel und wird bis 30 Zentimeter hoch. Meist ist die Pflanze aber nur um 10 Zentimeter groß und wächst im Bestand eher polsterartig. Die Blätter sind länglich-eiförmig und meist behaart. Sie sind gegenständig, d.h., je zwei Blätter sitzen sich am Stängel gegenüber. Die Blüten sind zu 10 bis 30 in Trauben angeordnet, die den obersten Blattpaaren entspringen. Sie sind ungefähr 1 Zentimeter breit und bestehen aus vier „Zipfeln“. Deren Farbe ist blau mit dunklerer „Aderung“.

 

Gamander-Ehrenpreis mit hellblauen Blüten. Rottorf, 9. Mai 2022
Gamander-Ehrenpreis mit hellblauen Blüten. Rottorf, 9. Mai 2022

 

Der Gamander-Ehrenpreis bevorzugt nährstoffreichen Boden, gern mit Humus und Lehm. Er wächst unter anderem in Gebüschen, auf Wiesen und in Wäldern. Die Pflanze ist in weiten Teilen Europas und Asiens zu finden und kommt als „Neophyt“ auch auf dem amerikanischen Kontinent vor.

 

Die Blüten der Pflanzen auf den Bildern sind etwas heller blau als gewöhnlich. Solche Farb-Abweichungen kommen beim Gamander-Ehrenpreis durchaus vor.

 

 (Text und Bilder: Dietrich Westphal, Mai 2022)

 

 

 

Pflanze des Monats April 2022

 

 

Gelbes Windröschen (Anemone ranunculoides)

 

Familie Hahnenfußgewächse

 

Das weiß blühende Busch-Windröschen ist eine allgemein bekannte Pflanze frischer bis feuchter Orte (s. auch „Pflanze des Monats April 2016). Viel seltener als dieses ist das Gelbe Windröschen.

 

 

Gelbes Windröschen in Knospe. Beachte: Zwei Knospen beim hinteren Exemplar, wie es bei dieser Art häufig vorkommt. Winsen, 5. April 2022
Gelbes Windröschen in Knospe. Beachte: Zwei Knospen beim hinteren Exemplar, wie es bei dieser Art häufig vorkommt. Winsen, 5. April 2022

 

Die Pflanze hat einen bis 30 Zentimeter langen, aufrechten Stängel. An diesem sitzen in einem Quirl drei kurz- bis ungestielte Blätter, die jeweils wieder in drei Teile eingeschnitten sind und einen gezähnten Rand besitzen. Oberhalb der Blätter sind ein bis drei Blütenstängel vorhanden mit jeweils einer endständigen gelben Blüte von ca. 2 bis 2,5 Zentimeter Durchmesser. Die Blüten bestehen aus fünf Blütenblättern (manchmal auch 6 oder 7) sowie zahlreichen Staubblättern.

 

Gelbes Windröschen, Winsen, 5. April 2022
Gelbes Windröschen, Winsen, 5. April 2022
Gelbes Windröschen, Teil eines Bestandes von über hundert Pflanzen. Winsen, 5. April 2022
Gelbes Windröschen, Teil eines Bestandes von über hundert Pflanzen. Winsen, 5. April 2022

 

Das Gelbe Windröschen braucht nährstoffreichen und feuchten Boden, bevorzugt auf Lehm oder Ton. Bei uns findet man die Pflanze meist in nassen Waldgebieten. Sie wächst aber auch an Ufern und (selten) in feuchten Wiesen. Sie ist eine typische Frühjahrspflanze, die in der Zeit von März bis Mai blüht, bevor sich das Laub der Bäume entfaltet. In Deutschland ist die Art weit verbreitet, aber nicht überall häufig. Zudem fehlt sie in großen Teilen der Norddeutschen Tiefebene ganz. Niedersachsenweit gilt das Gelbe Windröschen als „nicht gefährdet“. In der Region „Tiefland“ jedoch wird sie in der Roten Liste als „gefährdet“ geführt.

 

Wie viele Hahnenfußgewächse ist auch das Gelbe Windröschen in allen Teilen giftig.

 

(Text und Bilder: Dietrich Westphal, April 2022)

 

 

Pflanze des Monats März 2022

 

Weicher Storchschnabel (Geranium molle)

 

Familie Storchschnabelgewächse

 

 Glaubt man der Bestimmungsliteratur, beginnt die Blütezeit des  Weichen Storchschnabels erst im Mai, aber die milden Winter der letzten Jahre bringen es mit sich, dass bereits im März erste Blätter dieser Pflanze an der Bodenoberfläche erscheinen. Bald folgen dann auch erste Blüten.

 

Weicher Storchschnabel, frühe Blätter am 25. März 2010. Winsen
Weicher Storchschnabel, frühe Blätter am 25. März 2010. Winsen

 

Der Weiche Storchschnabel ist einjährig und bildet niederliegende, bis 30 Zentimeter lange Stängel, die wechselständig mit 5- bis 9-teilig eingeschnittenen Blättern besetzt sind. Blätter und Stängel sind kurz und weich behaart. Die Blüten, meist zwei Stück, entspringen den Achseln der oberen Stängelblätter. Sie sind nur 1 bis 1,5 Zentimeter breit und haben fünf herzförmig eingeschnittene rosa Blütenblätter. Nach der Bestäubung der Blüte, meist durch Honig- und Wildbienen, bildet sich die charakteristische an einen Storchschnabel erinnernde Frucht.

 

Weicher Storchschnabel, Knospen und Blüten. 10. September 2017, Drage
Weicher Storchschnabel, Knospen und Blüten. 10. September 2017, Drage
Weicher Storchschnabel, namengebende Früchte. 5. Juli 2011, Winsen
Weicher Storchschnabel, namengebende Früchte. 5. Juli 2011, Winsen

 

Geranium molle bevorzugt lockeren und kalkarmen Sand- oder Lehmboden, gern mit Kies und Steinen. Man findet ihn auf Äckern, Magerrasen, Ödland, Weg- und Straßenrändern usw. Bei uns ist die Pflanze häufig, wird jedoch wohl aufgrund ihrer geringen Größe oft übersehen.

 

 Der Weiche Storchschnabel zählt zu den Pflanzen mit langer Blütezeit. Man findet blühende und fruchtende Pflanzen den ganzen Sommer hindurch und letzte Blüten noch im Oktober.

 

 (Text und Bilder: Dietrich Westphal, März 2022)

 

 

Pflanze des Monats Februar 2022

 

Krauser Adernzähling (Plicaturopsis crispa)

 

Der Krause Adernzähling ist eine Pilzart, die vornehmlich im Winter wächst und deshalb auch im Februar zu finden ist. Der einzelne Pilz ist zwar meist nur ein paar Zentimeter groß, aber da diese Art gesellig ist, kann man sie im winterlichen Wald meist leicht  entdecken.

Krauser Adernzähling an Birkenholz. Holm-Seppensen, 17. Dezember 2021
Krauser Adernzähling an Birkenholz. Holm-Seppensen, 17. Dezember 2021

 

Krause Adernzählinge, auch Buchenzählinge genannt, wachsen an totem Holz von Laubbäumen. Wie auf dem Foto zu erkennen, findet man sie auch auf geschlagenen, am Boden liegenden Stämmen. Die Pilze sind reihig und dachziegelartig übereinander angeordnet. Die gelbbraunen, am Rand gewellten Hüte sind bis zu drei Zentimeter breit und an der Anwachsstelle kurz gestielt. Die Farbe ist bis auf den weißen Rand hell bräunlich. Die Unterseite ist weiß und faltig strukturiert. Die Pilze sind von zäher Konsistenz, fast lederartig.

 

Krauser Adernzähling, Unterseite. Winsen, 21. Februar 2020
Krauser Adernzähling, Unterseite. Winsen, 21. Februar 2020

 

Man findet den Krausen Adernzähling an Totholz einer ganzen Reihe von Laubbäumen. Vorkommen an Nadelholz sind Ausnahmen. Am besten gedeiht der Pilz in Buchenwäldern. Er wächst aber durchaus auch an Totholz einzelner Bäume in der freien Landschaft.

 

Die Fruchtkörper des Krausen Adernzählings wachsen im Herbst und Winter. Sie bleiben auch im Sommerhalbjahr erhalten, sind dann jedoch steril.

 

(Text und Bilder: Dietrich Westphal, Februar 2022)

 

 

 

Pflanze des Monats Januar 2022

 

Eichenmoos (Evernia prunastri)

 

Familie: Parmeliaceae (Flechten)

 

 Flechten, diese Mischwesen aus Pilz und Alge, sind wahrhaft zäh. Sie überleben absolute Trockenheit, ertragen Hitze und extreme Kälte und einigen Arten wird selbst durch das Überrollen durch Fahrzeuge kein oder nur geringer Schaden zugefügt. Allerdings sind viele Arten empfindlich gegen Luftverschmutzung. Das betrifft besonders die Strauchflechten, eine der drei hauptsächlichen Erscheinungsformen heimischer Flechten. Außer diesen werden Krustenflechten und Laubflechten (=Blattflechten) unterschieden.

 

Eichenmoos am Stamm eines Ahornbaumes. Links eine weitere Strauchflechtenart. Bildbreite ca. 8 cm. Winsen, 1. Januar 2022
Eichenmoos am Stamm eines Ahornbaumes. Links eine weitere Strauchflechtenart. Bildbreite ca. 8 cm. Winsen, 1. Januar 2022

 

Strauchflechten sieht man heute aufgrund des hohen Ausstoßes von „Klimagasen“ selten. Eine Ausnahme ist das Eichenmoos (trotz des Namens eine Flechte), das zwar in wirklich stark belasteten Gebieten fehlt, aber doch noch vergleichsweise oft zu finden ist. Der „Körper“ der Flechte, man spricht hier von „Lager“, ist oberseits grau-grün und unterseits weißlich. Das an einer Stelle festgewachsene Lager erreicht eine Länge von bis zu 10 Zentimetern und besteht aus reich verzweigten Bändern von einem bis fünf Millimetern Breite. Unterseits sind die Bänder oftmals rinnig vertieft. An den Rändern bilden sich häufig mehlig-körnige Sorale, die der vegetativen Fortpflanzung der Flechte dienen.

 

Man findet das Eichenmoos verbreitet an Eichen, aber auch auf den Rinden anderer Baumarten. Die Exemplare auf den Fotos habe ich an Ahornbäumen in Winsen gefunden, die stellenweise von dieser und anderen Flechten dicht bewachsen sind. Die Art ist in Europa vom Mittelmeer bis in den Norden weit verbreitet und kommt bis zur polaren Baumgrenze vor. Durch lokal zunehmende Luftverschmutzung ist sie mancherorts verschwunden oder selten geworden und gilt bundesweit als gefährdete Art.

 

 Das Eichenmoos ist ein „Basis-Duftstoff“ der Parfümerie. Es wirkt jedoch (in seltenen Fällen) allergisch, was zu starker Einschränkung der Nutzung in der EU geführt hat. Der Verzicht darauf hat dem Vernehmen nach zur Verschlechterung der Rezeptur einiger Parfüm-Klassiker geführt.

 

(Text und Bilder: Dietrich Westphal, Januar 2022)