Jeden Monat wird eine Pflanze ausgewählt, die bekannter gemacht werden soll. Zur Winterszeit, wenn Blütenpflanzen rar sind, gibt es auch mal eine Flechte, ein Moos oder einen Pilz. Es handelt sich überwiegend um Pflanzen, die nicht unbedingt selten, aber dennoch wenig bekannt sind. Sie sollten im Bereich Winsen (Luhe) vorkommen.
Eichen-Wirrling (Daedalea quercina)
Familie: Baumschwammverwandte (Fomitopsidaceae)
Schon seit Jahren fallen mir die Fruchtkörper von Baumpilzen auf, die, oft hoch oben, an Faulstellen der Rot-Eichen in unserer Straße wachsen. Als vor ein paar Wochen einige der Bäume gefällt wurden, hatte ich die Gelegenheit, mir die Pilze aus der Nähe anzusehen. Passend zu den Wirts-Bäumen handelt es sich um Eichen-Wirrlinge.
Die Fruchtkörper wachsen, oft in Gruppen, konsolenförmig an den Wirtsbäumen und sind meist breit mit dem Baum verwachsen. Der einzelne Fruchtkörper wird bis über 20 Zentimeter lang, 10 Zentimeter breit und bis 5 Zentimeter dick. Die Oberseite ist wellig-flach und meist blassbraun gefärbt. Die Unterseite ist bei älteren Pilzen mit Labyrinth-artig gewundenen, stumpfen Rippen versehen und hell bräunlich bis weißlich gefärbt. Die Fruchtkörper sind mehrjährig und können das ganze Jahr über an den Wirtsbäumen gefunden werden.

Der Pilz befällt in Europa fast ausschließlich verschiedene Eichen-Arten, aber gewöhnlich kein lebendes Holz, sondern er wächst an abgestorbenen Ästen, Baumstümpfen und Stämmen oder an durch äußere Verletzungen geschwächten Bäumen. Dabei verursacht er eine Braunfäule im Kern des Gehölzes.
Der Eichen-Wirrling ist nahezu weltweit verbreitet. In Europa findet man ihn überall wo es Eichen gibt.
(Text und Bilder: Dietrich Westphal, Januar 2026)
Punkt-Scheibenflechte (Amandinea punctata)
Familie: Caliciaceae
Unter meinem Feuerholz sind auch ein paar etwa armdicke Knüppel aus Eichenholz. Bei näherem Hinsehen fällt mir auf, dass deren Rinde mit Flechten geradezu überwuchert ist. Es kommen Blattflechten vor und sogar einzelne Strauchflechten. Weitaus am häufigsten aber sind Krustenflechten, deren Lager komplett mit der Unterlage, hier der Rinde verwachsen sind.

Die häufigste dieser Krustenflechten auf den inspizierten Ästen ist die Punkt-Scheibenflechte (Amandinea punctata). Die Art bildet meist oval geformte, graue bis weißliche manchmal leicht grünliche Lager, die oft rissig sind und bis über 5 Zentimeter Durchmesser erreichen können. „Reife“ Lager haben eine Vielzahl schwarzer Fruchtkörper (Apothecien), in denen eine sehr große Zahl von Sporen heranreift. Die Fruchtkörper sind klein, nur bis zu einem halben Millimeter im Durchmesser.

Man findet die Punkt-Scheibenflechte weit verbreitet in Europa und überwiegend sehr häufig, meist an freistehenden Bäumen. An der rissigen Borke von Eichen ist sie eher nicht zu finden, wohl aber an jüngeren Zweigen mit noch glatter Rinde.

Wie alle Flechten besteht auch die Punkt-Scheibenflechte aus einem Pilz-Partner und einem Algen-Partner. Dies Symbiose befähigt sie zum Überleben an extremen Orten. Viele Arten können völlig austrocknen ohne Schaden zu nehmen, ertragen Hitze auf von südlicher Sonne bestrahltem Gestein und überleben auch sehr niedrige Temperaturen. Übrigens – Flechten wachsen lediglich AUF der Rinde und schaden den Bäumen nicht.
(Text und Bilder: Dietrich Westphal, Februar 2026)
Märzbecher (Leucojum vernum)
Familie: Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae)
Diese Pflanze hat eine ganze Reihe verschiedener Namen. Frühlingsknotenblume ist gebräuchlich, als Unterscheidung zur Sommerknotenblume. Die blüht aber auch im Frühling, nur etwas später. Mancherorts heißt sie auch Großes Schneeglöckchen.
Der Märzbecher (oder auch Märzenbecher) wächst zu Ende des Winters und im zeitigen Frühjahr aus einer in der Erde steckenden, etwa 2 Zentimeter durchmessenden Zwiebel. Aus dieser wachsen meist drei, vier oder fünf linealische Laubblätter, die eine Länge um 20 Zentimetern erreichen können. Die Blätter ähneln denen des Schneeglöckchens, sind aber deutlich breiter und glänzend dunkelgrün. Zur gleichen Zeit erscheint ein Blütenstängel, der eine hängende Blüte trägt. Ganz selten treten auch Stängel mit zwei Blüten auf. Die Blüten haben 6 weiße Blütenblätter, deren Zipfel gelbgrün gefärbt sind. In der Blüte sieht man 6 Staubblätter mit orangefarbenen Staubbeuteln und den keulenförmigen Griffel. Die ganze Pracht dauert nicht sehr lange. Meist ist der Märzbecher bereits Ende März schon verblüht und auch die Blätter sterben schon im Frühsommer ab. Die Zwiebel in der Erde überdauert und schlägt im nächsten Frühling wieder aus.
Märzbecher findet man bei uns vielfach angepflanzt in Gärten oder die Zwiebeln sind mit Gartenabfällen in die freie Natur gelangt. Natürliche Standorte finden sich erst im südlichen Niedersachsen und südlich davon. Der Märzenbecher ist eine Pflanze des Auenwaldes und bevorzugt feuchte nährstoffreiche Böden.
Der Märzbecher ist gemäß Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt und gilt gemäß Roter Liste für Deutschland als gefährdete Art.
(Text und Bilder: Dietrich Westphal, März 2026)
Frühe Traubenkirsche (Prunus padus)
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
Irgendwann hat ein Vogel auf unserem Grundstück seine Notdurft verrichtet, nachdem er anderswo Traubenkirschen verzehrt hatte. Durch die Darmpassage verbesserte sich die Keimfähig der Kirschkerne erheblich und so wuchs im Lauf der Jahre eine junge Traubenkirsche heran, die derzeit bereits eine Höhe von etwa 8 Metern erreicht hat.
Die Frühe Traubenkirsche ist ein einheimischer Baum oder Strauch. Als Baum kann sie bis 15 Meter hoch werden und einen Stammdurchmesser von über einen halben Meter erreichen. Meist entwickelt sie aber durch Wurzelbrut einen mehr- bis vielstämmigen Verhau und kommt dann kaum über 10 Meter Höhe hinaus. Am gerade gewachsenen Stamm mit der dunklen Rinde setzen Äste an, die oft bogig aufsteigen und locker verzweigt sind. Die elliptisch geformten Blätter sind leicht behaart, um die 10 Zentimeter groß und laufen spitz aus. Die Blüten stehen in bis 15 Zentimeter langen Trauben, die bis 30 Einzelblüten enthalten können. Diese sind zwittrig mit 5 weißen Blütenblättern und verströmen einen intensiven Duft. Die Blütezeit fällt in die Monate April und Mai. Die erbsengroßen (Trauben) -Kirschen reifen dann im Spätsommer und sind eine beliebte Nahrung für etliche Vogelarten.
Die Frühe Traubenkirsche wächst auf nährstoffreichen und feuchten Böden. Man findet sie im Verlauf von Gewässern sowie in Auen- und Bruchwäldern. Sie kommt außer im Mittelmeergebiet in ganz Europa vor sowie in großen Teilen Asiens. In Deutschland hat sie den Schwerpunkt ihres Vorkommens in Niedersachsen.

Die Blüten spenden Nektar und werden deshalb von einer Vielzahl von Insekten aufgesucht. Dazu zählen Schmetterlinge, Schwebfliegen und vor allem Wildbienen (einschließlich Hummeln) und Honigbienen. Das Laub dient überdies einer großen Zahl von Schmetterlingsraupen als Nahrung, unter anderem von Gespinstmotten, die den ganzen Baum kahlfressen können.
(Text und Bilder: Dietrich Westphal, April 2026)
Bärlauch (Allium ursinum)
Familie: Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae)
Bärlauch ist in den Monaten April und Mai in aller Munde – und das im Sinne des Wortes. Verwandte und Bekannte suchen uns dann auf, um an unserem reichlichen Bärlauch-Bestand im Garten teilzuhaben.
Während des Winters ist vom Bärlauch praktisch nichts zu sehen. Der einzig lebende Teil ist eine sehr schlanke, ca. 5 Zentimeter lange, unterirdische Zwiebel. Im zeitigen Frühjahr, manchmal schon im ausgehenden Winter beginnen die Laubblätter sich zu entwickeln. Meist sind das zwei pro Zwiebel. Die Blätter haben lange Stiele, sind ausgewachsen um 20 Zentimeter lang und 5 Zentimeter breit. Im April und Mai erscheinen die aufrechten Blütenstiele, die bis 30 Zentimeter Höhe erreichen können. Der endständige Blütenstand kann über 20 Einzelblüten enthalten, die doldenförmig angeordnet sind. Nach der Blüte kommt es bald zur Bildung von Samen.

Der Bärlauch kommt in großen Teilen Europas vor. In Deutschland findet man ihn im Süden deutlich häufiger als hier in Norddeutschland. Zudem gehen viele Vorkommen (wie der in unserem Garten) auf Anpflanzungen zurück. Wildbestände kommen u.a. in Auenwäldern von größeren Flüssen vor. Die Art ist deutschlandweit nicht gefährdet, wird aber in einigen regionalen Roten Listen genannt.
Die duftenden Blüten werden von einer Vielzahl von Insekten (Hummeln, Bienen, Schwebfliegen) aufgesucht. Wer Blätter des Bärlauchs sammelt, sollte sie von ähnlichem Laub teils giftiger Pflanzen (Aronstab, Herbstzeitlose, Maiglöckchen) sicher unterscheiden können. Aber keine dieser Arten hat den charakteristischen Knoblauchduft an sich.
(Text und Bilder: Dietrich Westphal, Mai 2026)
Sumpf-Labkraut (Galium palustre)
Familie: Rötegewächse (Rubiaceae)
Der Rasen im Garten ähnelt immer mehr einer Wiese. Es gibt kurz gemähte Flächen, aber auch solche, die dieses Jahr noch unberührt geblieben sind. Und es ist interessant zu sehen, was da alles wächst. Eine dieser Pflanzen ist das Sumpf-Labkraut, das da, von der Mahd verschont, zwischen Gänseblümchen und Kriechendem Hahnenfuß üppig gedeiht.
Das Sumpf-Labkraut -jedenfalls das bei uns im Garten- ist ein zierliches Pflänzlein von vielleicht 10 bis 15 Zentimeter Höhe. Der dünne, häufig niederliegende Stängel ist vierkantig und an den Rändern rau. Er trägt, wie für Labkräuter typisch, Quirle von Blättern. Die bestehen beim Sumpf-Labkraut meist aus nur vier länglichen, vorn abgerundeten Einzelblättern, die kaum länger sind als 1 Zentimeter. Zahlreiche Blüten stehen am Ende des Stängels und dessen Verzweigungen in lockeren Blütenständen. Die vier Blütenblätter sind weiß und radförmig ausgebreitet. Die ganze Blüte ist nur 2 bis 3 Millimeter breit. Das Sumpf-Labkraut blüht von Mai bis Juli, manchmal sogar bis September.
Das Sumpf-Labkraut kommt in großen Teilen Europas und darüber hinaus in Asien, Afrika und Nordamerika vor. Es wächst bevorzugt auf nassen Standorten, wie Feuchtwiesen, Ufern, lichten Feuchtwäldern und Röhrichten. Es kommt aber auch auf trockeneren Standorten zurecht, denn unser Garten ist durchaus kein Sumpf.
Ich habe beobachtet, dass die Blüten trotz ihrer geringen Größe von Bienen und Schwebfliegen angeflogen werden. In der Hinsicht hat sich das Nicht-Mähen eines Teils des ehemaligen Rasens also schon gelohnt.
(Text und Bilder: Dietrich Westphal, Juni 2026)