Pflanze des Monats 2024

 

Für jeden Monat wurde eine Pflanze ausgewählt, die bekannter gemacht werden soll. Zur Winterszeit. wenn wachsende oder gar blühende Pflanzen selten sind, stellen wir auch mal einen Pilz oder eine Flechte vor.

 

Es handelt sich meist um Pflanzen, die keine Seltenheit darstellen, aber dennoch oft unbekannt sind. Bei der Auswahl wurde Wert darauf gelegt, dass die Pflanzen (und Pilze) im Bereich von Winsen (Luhe) vorkommen und überwiegend leicht zu finden sind.

 

Pflanze des Monats Mai 2024

Acker-Hornkraut (Cerastium arvense)

 

Familie: Nelkengewächse (Caryophyllaceae)

 

 

 

Schon im April, aber auch im weiteren Verlauf des Frühjahrs bewundere ich jedes Jahr aufs Neue die oftmals mehrere Quadratmeter großen, von den weißen Blüten übersäten Rasen oder Polster des Acker- Hornkrautes. Während eines Spazierganges etwa auf dem Stöckter Deich sind sie gar nicht zu übersehen.

 

 

Acker-Hornkraut, Bestand am Stöckter Deich. Mai 1995
Acker-Hornkraut, Bestand am Stöckter Deich. Mai 1995

Die einzelne Pflanze ist mit einer Höhe von meist 5 bis 15 Zentimetern eher unscheinbar, aber „die Masse macht´s“ und hunderte von Pflanzen im Bestand sind dann schon ansehnlich. Es gibt nicht blühende, niederliegende Stängel und welche mit Blüten, die aufsteigend wachsen. An den Stängeln stehen sich paarweise gegenüber bis 2,5 Zentimeter lange schmale Blätter. Der Blütenstand am oberen Ende des Stängels enthält um die 10 Blüten, die jeweils einzeln auf kurzen Blütenstielen stehen. Die fünf Blütenblätter sind weiß und vorn herzförmig eingekerbt. Die Blüten werden immerhin bis zu 2 Zentimeter breit. Die Blütezeit beginnt im April und kann bis August dauern.

 

Acker-Hornkraut, einzelne Blüten: Herzförmig ausgerandet. Stöckter Deich, 11. Mai 2022
Acker-Hornkraut, einzelne Blüten: Herzförmig ausgerandet. Stöckter Deich, 11. Mai 2022

Das Acker-Hornkraut wächst auf offenen, eher trockenen Flächen im vollen Sonnenlicht. Günstig ist ein sandiger oder lehmiger Untergrund mit guter Nährstoffversorgung. Man findet es an Wegrändern, Magerrasen, Böschungen (wie man sie an unseren Binnendeichen findet), aber auch in Ritzen zwischen Pflastersteinen und auf Dünen am Meer. Die Art ist nicht selten und auch nicht gefährdet.

 

(Text und Bilder: Dietrich Westphal, Mai 2024)

 

 

 

Pflanze des Monats April 2024

Wald-Erdbeere (Fragaria vesca)

 

Familie: Rosengewächse (Rosaceae)

 

Im Vergleich mit unseren Kultur-Erdbeeren ist zugegebenermaßen nicht viel dran an den bei uns wild wachsenden Wald-Erdbeeren. Aber dieser unvergleichlich intensive Geschmack! Für die einen ein Erlebnis, für andere übertrieben parfümiert. Lässt sich, wie immer, nicht drüber streiten.

 

Walderdbeere, dreigeteilte Blätter und Blütenstand. Winsen, 14. April 2024
Walderdbeere, dreigeteilte Blätter und Blütenstand. Winsen, 14. April 2024

Wald-Erdbeeren sind ausdauernde und auch im Winter grüne Stauden. Die Blätter bilden eine grundständige Rosette und bestehen aus dem Blattstiel und drei Teilblättern mit kräftig gesägten Rändern. Die Blüten befinden sich an einem die Blätter kaum überragenden Stängel. Pro Stängel sind bis zu sieben Blüten vorhanden, die etwa 1,5 Zentimeter durchmessen. Sie haben jeweils 5 weiße Blütenblätter. Die Blütezeit erstreckt sich von April bis Juni, kann sich aber unter günstigen Umständen bis in den Spätsommer erstrecken. Im Lauf des Sommers entwickeln sich die bis 2 Zentimeter großen rundlichen und intensiv roten Erdbeeren. Auf deren „Oberfläche“ befinden sich die Samen (Nüsschen). Die Pflanze ist klein und wird kaum einmal über 20 Zentimeter groß.

 

Walderdbeere, einzelne Blüte mit 5 Blütenblättern. Durchmesser ca. 2 cm. Winsen, 14. April 2024
Walderdbeere, einzelne Blüte mit 5 Blütenblättern. Durchmesser ca. 2 cm. Winsen, 14. April 2024

Die Wald-Erdbeere wächst auf lichten Stellen in Wäldern, am Waldrand und in schattigen Bereichen mancher Gärten. In meinem Garten ist sie geradezu unverwüstlich. Sie hat als Feuchtigkeit liebende Pflanze sogar die zurückliegenden trockenen Jahre überlebt und wächst im Frühling 2024 ausgesprochen üppig. Zum Glück ist diese Pflanze bei uns keineswegs selten.

Walderdbeere, Frucht. Durchmesser ca. 1,5 cm. Winsen, 3. Juli 2016
Walderdbeere, Frucht. Durchmesser ca. 1,5 cm. Winsen, 3. Juli 2016

Mit Ausnahme der sogenannten Monatserdbeeren ist die Walderdbeere nicht die Stammform unserer Kultur-Erdbeeren. Deren Ursprung liegt in Amerika und sie sind Ergebnis intensiver Züchtung.

 

 

(Text und Bilder: Dietrich Westphal, April 2024)

 

 

Pflanze des Monats März 2024

Berg- Ulme (Ulmus glabra)

 

Familie: Ulmengewächse (Ulmaceae)

 

Wenn ich als Schüler im Frühling an den Ulmen diese rundlichen grünen, in Büscheln wachsenden Scheibchen gesehen habe, war mir gar nicht bewusst, dass es sich nicht um Blüten, sondern bereits um Früchte und Samen handelt. Das war schon so ein „Aha-Effekt“, als ich gelernt habe, dass diese Bäume bereits im ausgehenden Winter, im März, blühen. Zugegeben, die Blüten sind ziemlich unscheinbar.

 

Berg-Ulme, Blütenbüschel. Winsen, 9. März 2022
Berg-Ulme, Blütenbüschel. Winsen, 9. März 2022
Berg-Ulme, Früchte-Büschel mit Same in der Mitte. Radbruchs Forst, 9. Mai 2022
Berg-Ulme, Früchte-Büschel mit Same in der Mitte. Radbruchs Forst, 9. Mai 2022

Die Berg- Ulme kann ein Alter von vielen hundert Jahren erreichen, Sie ist dann ein mächtiger Baum mit einem Stammdurchmesser von im Einzelfall über 2,5 Metern (Stammumfang dann 7 bis 8 Meter) und einer Höhe von über 40 Metern. Die im Zeitraum März bis April an den Zweigen erscheinenden winzigen Blüten stehen zu 20 bis 30 in kugeligen Büscheln. Aus den Blüten entwickeln sich rundliche bis eiförmige blattartige, 2 bis 3 cm große Früchte, in deren Mitte sich jeweils ein einzelner Same befindet. Diese reifen im Mai (wenn viele andere Bäume gerade daran „denken“ zu blühen), trocknen und werden mit ihrem breiten häutigen Rand vom Wind verbreitet. Die Blätter wachsen zweizeilig an den Zweigen und erscheinen erst im Mai. Sie sind teilweise über 10 cm groß, eiförmig und am Ende zugespitzt. Der Blattrand ist grob gesägt. Für Ulmen typisch ist die Asymmetrie am Blattstiel. Hier ist die eine Blatthälfte länger und die andere kürzer.

 

Berg-Ulme, Blatt mit gesägtem Rand und langer Spitze. Man beachte den asymmetrischen Blattgrund. Radbruchs Forst, 17. Mai 2022
Berg-Ulme, Blatt mit gesägtem Rand und langer Spitze. Man beachte den asymmetrischen Blattgrund. Radbruchs Forst, 17. Mai 2022

Die Berg- Ulme ist ein heimischer Baum, der nährstoffreichen Lehm- oder Tonboden bevorzugt. Er ist in Europa weit verbreitet, wenn auch heute bedingt durch das „Ulmensterben“ selten geworden. Dabei handelt es sich um den Befall durch den Ulmensplintkäfer und in der Folge um eine Pilzerkrankung. Man findet die Berg-Ulme bei uns meist als Straßenbaum. In Winsen wurden in letzter Zeit an verschiedenen Stellen Bäume dieser Art gepflanzt.

 

(Text und Bilder: Dietrich Westphal, März 2024)

 

 

 

Pflanze des Monats Februar 2024

Frühlings-Christrose (Helleborus orientalis)

 

Familie: Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae)

 

 

Christrosen (oder Nieswurz) werden im Norddeutschen Flachland wildwachsend nicht gefunden. In vielen Gärten werden sie jedoch angepflanzt und man findet dort verschiedene Arten in unterschiedlichen Farben. Am häufigsten sind die bekannte Schwarze Nieswurz (die Christrose) und die Orientalische Nieswurz, auch Lenzrose genannt.

Lenzrose, aufblühend. Im eigenen Garten, 28. Februar 2017
Lenzrose, aufblühend. Im eigenen Garten, 28. Februar 2017

Die Pflanzen der Gattung Helleborus blühen, wenn sich ansonsten in unseren Gärten noch nicht viel in dieser Hinsicht tut. Die Frühlings-Christrose stammt zwar aus Kleinasien, ist aber absolut winterhart. Schon im Februar (in Zeiten des Klimawandels immer früher) erheben sich zwischen den vorjährigen Laubblättern die Blütenstängel und erreichen meist im März 20 bis 30 Zentimeter Höhe, bei manchen Sorten auch fast einen halben Meter. Am Ende des Stängels befinden sich eine bis wenige Blüten von 4 bis 5 Zentimeter Durchmesser und fünf Blütenblättern. Die Blütenfarbe variiert je nach Sorte. So blüht die Staude in meinem Garten in violett. Die Blüten der Lenzrose „schauen“ meist nach unten, im Gegensatz zu den weißen Blüten der Schwarzen Nieswurz. Die vorjährigen Blätter vertrocknen meist bereits während der Blüte, aber wenig später werden sie durch diesjährige Blätter ersetzt.

 

Lenzrose mit den typisch nach unten "schauenden" Blüten. Im eigenen Garten, 28. Februar 2017
Lenzrose mit den typisch nach unten "schauenden" Blüten. Im eigenen Garten, 28. Februar 2017

In den Gärtnereien bekommt man häufig nicht die ursprüngliche Art Helleborus orientalis, sondern durch Kreuzungen entstandene Hybriden, die (s. Wikipedia) als Helleborus x hybridus bezeichnet werden sollten.

 

 (Text und Bilder: Dietrich Westphal, Februar 2024)

 

 

Pflanze des Monats Januar 2024

Angebrannter Rauchporling (Bjerkantera adusta)

 

Familie: Fältlingsverwandte (Meruliaceae)

 

Etliche Pilze haben ihre Hauptwachstumszeit in der kalten Jahreszeit. Das betrifft besonders an Holz wachsende Arten, die hier Braun- oder Weißfäule verursachen. Es sind Schwächeparasiten, die auch große Bäume zum Absterben oder Umstürzen bringen können. Entdeckt man die Fruchtkörper dieser Pilze an einem Baum, haben die Pilzfasern ihr zerstörerisches Werk meist schon weit vorangetrieben. Zum Glück werden gesunde Bäume nicht so häufig befallen und man findet die Pilze eher an bereits abgestorbenen Gehölzen, an Baumstümpfen oder am Boden liegendem Holz.

 

Angebrannter Rauchporling, 18. Dezember 2023, Winsen
Angebrannter Rauchporling, 18. Dezember 2023, Winsen

Der Angebrannte Rauchporling wächst zwar meist auf abgestorbenem oder absterbendem Holz, ist aber auch imstande, gesunde Bäume zu befallen. Dann kommen die halbkreisförmigen bis 7 Zentimeter breiten, aber recht flachen Fruchtkörper zu Tage. Sie wachsen häufig dicht an dicht und stehen dann dachziegelartig übereinander. Die Oberseite ist bei jungen Exemplaren hell mit diffuser dunklerer Zonierung, die Wachstumszone am Rand ist weißlich. Die Röhrenschicht auf der Unterseite ist rauchgrau.

 

Angebrannter Rauchporling, Unterseiten mit der charakteristisch rauchgrauen Porenschicht. 18. Dezember 2023, Winsen
Angebrannter Rauchporling, Unterseiten mit der charakteristisch rauchgrauen Porenschicht. 18. Dezember 2023, Winsen

Der Angebrannte Rauchporling (auch Rauchgrauer Porling) ist weltweit verbreitet und teils sehr häufig. Er wächst meist auf dem Holz von Laubbäumen, aber gelegentlich auch auf Nadelholz. Die Bilder zeigen den Pilz an dem Stumpf einer Zypresse, die ich vor drei Jahren gefällt habe.

 

 

(Text und Bilder: Dietrich Westphal, Januar 2024)