Pflanze des Monats

Für jeden Monat hat unsere NABU-Gruppe eine Pflanze ausgewählt, die bekannter gemacht werden soll. Vor allem zur Winterszeit, wenn wachsende oder gar blühende Pflanzen eher selten sind, stellen wir aber auch mal einen Pilz vor.

 

Es handelt sich meist um Pflanzen (oder Pilze), die überall zu finden sind und oft auch im Garten der Natur wachsen. Der "Garten der Natur" befindet sich in Winsen auf dem ehemaligen Gartenschau-Gelände und wird von uns angelegt und weiterentwickelt als gärtnerische Anlage mit natürlichen und naturnahen Elementen. 


April 2021

 

Nacktstängeliger Bauernsenf (Teesdalia nudicaulis)

 

Familie: Kreuzblütengewächse, Brassicaceae

Wieder so ein ebenso weithin unbekanntes wie unscheinbares Gewächs, dieser Bauernsenf. Dabei wächst er bereits im zeitigen Frühling und müsste wegen des weitgehenden Fehlens anderer Vegetation trotz seiner geringen Größe eigentlich auffallen.

 

 

Bauernsenf, grundständige Blattrosette und „junger“ Blütenstand. 30. April 2020, Tangendorf
Bauernsenf, grundständige Blattrosette und „junger“ Blütenstand. 30. April 2020, Tangendorf

 

Vielleicht liegt es ja eben an der geringen Größe dieser Pflanzenart. Sie besteht aus einer grundständigen Rosette aus länglichen, buchtig eingeschnittenen Blättern und einem oder wenigen aufrechten Stängeln mit endständigen Blütenständen. Die weniger als einen halben Zentimeter durchmessenden weißen Blüten haben, familientypisch, vier Blütenblätter, von denen die äußeren etwas länger sind als die inneren. Sie stehen zunächst gedrängt und befinden sich doldenartig nahezu auf einer Höhe. Später, wenn die Samen reifen, strecken sich die Stängel, so dass die herzförmigen Schötchen untereinander angeordnet sind. Die Stängel erreichen eine Höhe von ca. 20 Zentimetern, bleiben aber oft viel kleiner. Blätter sind an den Stängeln nicht vorhanden (Name!).

 

Der Nacktstängelige Bauernsenf ist eine einjährige Pflanze, die nach der Samenreife abstirbt und sich während einer Vegetationsperiode aus den ausgestreuten Samen neu entwickelt.

 

Bauernsenf, blattlose Stängel mit Blüten und Schötchen. 13. Mai 2020, Tangendorf
Bauernsenf, blattlose Stängel mit Blüten und Schötchen. 13. Mai 2020, Tangendorf
Bauernsenf, Blick von oben auf die herzförmigen Schötchen. 13. Mai 2020, Tangendorf
Bauernsenf, Blick von oben auf die herzförmigen Schötchen. 13. Mai 2020, Tangendorf

 

Der Bauernsenf wächst auf sandigem und möglichst kalkfreiem und nährstoffarmem Boden. Man findet ihn in Norddeutschland gar nicht selten an Wegrändern, auf Dünen und Magerrasen und Heiden. Er kommt im westlichen und mittleren Europa verbreitet vor, wird aber nach Süden zu, wo zusagende Bodenverhältnisse oft fehlen, seltener. So gilt die Art in Österreich als stark gefährdet und in der Schweiz ist sie ausgestorben.

 

Der Name „Bauernsenf“ weist wahrscheinlich darauf hin, dass die Blätter früher als Salat oder wohl auch als Würze verwendet worden sind.

 

 (Text und Bilder: Dietrich Westphal, April 2021)

 

 

 

März 2021

 

Sal-Weide (Salix caprea)

 

Familie: Weidengewächse, Salicaceae

 

Als Kind habe ich gelernt, dass Weiden im Frühling möglichst nicht gerodet oder beschädigt werden sollen. Als Grund wurde genannt, dass die schon im März blühende Sal-Weide eine wichtige „Bienenweide“ ist, solange sich kaum Blüten von anderen Pflanzen geöffnet haben. So nett, wie sich die Zweige mit ein paar Kätzchen (den Blütenständen) dran in der Vase machen, es ist doch angebracht, sie im Freien zu lassen. Anders sieht das natürlich aus, wenn die Weidenzweige aus eigens zur Erzeugung von „Palmkätzchen“ angelegten Kulturen stammen.

 

Sal-Weide als Bäumchen mit kurzem Stamm. 15. März 1992, Wesermarsch
Sal-Weide als Bäumchen mit kurzem Stamm. 15. März 1992, Wesermarsch

 

Sal-Weiden wachsen meist als sparrig verzweigte bis 5 Meter hohe Büsche, die auch einen beachtlichen Durchmesser erreichen können. Gelegentlich entwickeln sie sich auch baumförmig mit einer Höhe von über 10 Metern. Die Blätter sind oval und 3 bis 10 Zentimeter lang. Sie sind oberseits stumpf grün gefärbt und unterseits graugrün und behaart. Sie erscheinen erst nach den Blüten und sind jetzt im März noch nicht vorhanden.

 

Sal-Weiden sind, wie andere Weiden auch, zweihäusig. Das heißt, ein Strauch oder Bäumchen ist insgesamt entweder männlich oder weiblich und trägt dann jeweils nur männliche oder weibliche Blütenstände. Diese „Kätzchen“ erscheinen in großer Zahl oft schon im März. Die männlichen sind durch Pollen und Staubbeutel gelblich gefärbt und die weiblichen mit den heraus ragenden Narben hell grünlich. Schon lange vor dem Aufblühen sind die Kätzchen dicht silbrig behaart. Die Befruchtung der Blüten wird von Insekten vorgenommen. Nach der Blüte trocknen die männlichen Kätzchen und fallen zu Boden, während in den weiblichen die Samen reifen. Diese werden im Juni aus ihren Kapseln entlassen. Sie sind flaumig behaart und können vom Wind weit verbreitet werden.

 

Sal-Weide, weibliche Kätzchen. 14. März 2020, Im Vie, Stelle
Sal-Weide, weibliche Kätzchen. 14. März 2020, Im Vie, Stelle
Sal-Weide, männliche Kätzchen. 17. März 2020, Eckermannpark, Winsen
Sal-Weide, männliche Kätzchen. 17. März 2020, Eckermannpark, Winsen

 

Sal-Weiden wachsen am besten auf nährstoffreichem Boden, der Lehm enthalten und frisch bis feucht sein sollte. Sie kommen aber auch auf anderen feuchten Bodentypen zurecht und stellen auch ansonsten wenige Ansprüche an den Standort. Oft findet man sie an Wegrändern und an Gewässern, aber auch auf alten Müllkippen, Kahlschlägen und in Kiesgruben. Sal-Weiden kommen in weiten Teilen Europas und auch Asiens vor.

 

Als Bestäuber der Sal-Weide wirken vor allem Insekten, wie Honigbienen, Wildbienen und Hummeln. Aber auch Tagfalter, wie Zitronenfalter, Tagpfauenauge und Kleiner Fuchs suchen die Blüten nach der Überwinterung als willkommene Nahrungsquelle auf. Hinzu kommen verschiedene früh fliegende und teils seltene Nachtfalter, wie die Kätzcheneulen. Überhaupt ist die Sal-Weide zusammen mit der Eiche die bedeutendste Pflanze für die heimische Schmetterlingsfauna, sowohl als Nahrung für die Raupen als auch als Nektarquelle für die Falter. Rund 100 Schmetterlingsarten sind auf die Sal-Weide angewiesen, darunter Seltenheiten wie Großer Fuchs, Schillerfalter und Trauermantel.

 

 (Text und Bilder: Dietrich Westphal, März 2021)

 

 

 

Februar 2021

 

Europäische Eibe (Taxus baccata)

 

Familie: Eibengewächse, Taxaceae

 

Oft schon im Februar blüht die Eibe. Bei dem momentan frostigen Wetter ist damit in diesem Jahr vorerst wohl nicht zu rechnen. Ich greife deshalb auf Fotos zurück, die ich in der Vergangenheit gemacht habe.

 

Europäische Eibe, älteres Exemplar. Winsen, Schlosspark. 30. September 2012
Europäische Eibe, älteres Exemplar. Winsen, Schlosspark. 30. September 2012

 

Eiben sind je nach Standort sehr vielgestaltig und wachsen ebenso als Baum wie als Busch. Gerade ältere Exemplare neigen zur Mehrstämmigkeit. Bei uns werden Eiben kaum einmal 15 Meter hoch oder gar höher. Bei schlechten Bedingungen, etwa auf Felsboden, erreichen Eiben oft nur wenige Dezimeter Höhe. Der Stamm hat eine rötlichbraune, glatte Borke, die sich bei älteren Exemplaren flächig ablöst. Die Nadeln der Eibe sind oben dunkel- und unten heller grün, etwa 2 bis 3 Zentimeter lang und biegsam. An den Leittrieben stehen sie rundum, während sie an den Seitenzweigen zweizeilig angeordnet sind. Sie bleiben 3 Jahre oder länger am Baum, bevor sie abgeworfen werden.

 

Eibe, männliche Blüten an zweizeilig benadelten Zweigen. Winsen. 12. April 1987
Eibe, männliche Blüten an zweizeilig benadelten Zweigen. Winsen. 12. April 1987

 

Europäische Eiben sind zweihäusig. Das heißt, es gibt jeweils komplett männliche und weibliche Pflanzen. Auch unter sehr guten Bedingungen erst nach 15 bis 30 Jahren bilden die weiblichen Pflanzen Blüten aus, die den Zapfen der anderen heimischen Koniferen entsprechen. Sind die Bedingungen weniger gut, wird die Geschlechtsreife möglicherweise erst nach über 100 Jahren erreicht. Die männlichen „Zapfen“ entlassen bei geeigneter Witterung eine Unmenge winziger Pollen, die vom Wind weit weggetragen werden und so auf die Blüten weiblicher Bäume gelangen. Diese bilden nach der Befruchtung einen ca. 6 Millimeter großen Samen, der von einem Samenmantel, fälschlich oft als „Frucht“ bezeichnet, umgeben ist. Bei seiner Reife färbt sich der Mantel auffallend rot. Die Verbreitung der Samen erfolgt durch Vögel, die es auf den für sie schmackhaften Samenmantel abgesehen haben.

 

Eibe, Samen und Samenmantel. Winsen, Schlosspark, 4. August 2011
Eibe, Samen und Samenmantel. Winsen, Schlosspark, 4. August 2011

 

Die Eibe kommt in weiten Teilen Europas, Nordafrikas und Vorderasiens vor. Sie leidet allerdings unter allzu strengem Frost. Eiben wachsen auf fast allen Böden, gedeihen aber am besten im basischen Milieu, also etwa wenn Kalk im Boden vorhanden ist. Eiben sind äußerst schattenverträglich, vor allem die Jungpflanzen. Sie wachsen deshalb meist als Unterwuchs in den Wäldern. Natürliche Vorkommen sind in Norddeutschland selten. Da die Eibe aber schnittverträglich ist und seit Jahrhunderten als Hecken- und Ziergehölz angepflanzt wird, ist sie bei uns besonders im Siedlungsbereich durchaus häufig anzutreffen.

 

Eiben sind in allen Teilen – außer dem Samenmantel - für Menschen hoch giftig. Auch für Haustiere, insbesondere Pferde, besteht Gefahr. Rehe und Hirsche dagegen verbeißen die Eibe ganz offensichtlich ohne gesundheitliche Schäden.

  (Text und Bilder: Dietrich Westphal, Februar 2021)

 

 

 

Januar 2021

 

Kieselalgen

 

Familie: Diatomea, Bacillariophyceae

 

 

Klein, einzellig, aber immens wichtig. Jetzt, zur Winterszeit, während der viele Blüten- und Farnpflanzen eine Ruhepause einlegen, soll ein Blick auf die Kieselalgen geworfen werden, die im Meer und im Süßwasser in ungeheurer Zahl vorkommen. Sie sind nicht nur die Haupt-Primärproduzenten organischer Stoffe, sondern erzeugen auch einen großen Teil des Sauerstoffs in der Erdatmosphäre. Bisher sind etwa 6.000 Arten bekannt. Dies dürfte jedoch nur ein Bruchteil der Arten sein, die weltweit vorkommen.

 

Ich brauchte nicht lange zu suchen, um eine Fülle von Kieselalgen in unserem Gartenteich zu finden. Zuvor hatte ich schon welche in Kleingewässern vielerlei Art festgestellt, u.a. in Pfützen, Regenwassertonnen, ja sogar in Wasser, das sich in einem ausgefaulten Astloch eines Baumes befand. Das Fotografieren durchs Mikroskop ist zwar nicht so recht gelungen, aber die Bilder sollen auch nur eine Ahnung vermitteln zur Formenvielfalt dieser Pflanzen. Den Ehrgeiz, einzelne Arten zu bestimmen, habe ich allerdings nicht.

 

 

Die Größe der meisten Kieselalgen wird in Mikrometern (tausendstel Millimeter) gemessen. Einige wenige Arten erreichen Größen bis zu zwei Millimetern. Sie haben eine Hülle aus Siliziumdioxid, was ihnen ihren Namen eingetragen hat. Es gibt eine enorme Formenvielfalt der Schalen, zum Beispiel rund, dreieckig, stabförmig, schiffchenförmig, bogen- oder s-förmig gekrümmt usw. Egal welche Form die Hüllen aufweisen, sie bestehen immer aus einer etwas größeren (oberen) und einer etwas kleineren (unteren) Hälfte. Letztere wird von der größeren umfasst wie eine Käseschachtel von ihrem Deckel.

 

Kieselalgen vermehren sich im Wesentlichen durch Zellteilung. Dabei erhält jede Tochterzelle eine der Hälften der Hülle und bildet jeweils eine neue kleinere (untere) Hälfte. Das führt dazu, dass die Hüllen derjenigen Zellen, die jedes Mal die unteren Hälften von den Mutterzellen „erben“, immer kleiner werden. Wird eine Minimalgröße unterschritten, stirbt die Alge. Vorher kann es jedoch zur Bildung von Sporen kommen, die die Hülle verlassen und einen neuen Panzer in maximaler Größe bilden.

 

Kieselalgen leben im Süßwasser und im Meer, soweit das Licht in die Tiefe dringt. Es gibt im Plankton treibende und auf dem Gewässergrund lebende Arten. Manche Arten sind auf Pflanzen wie Großalgen und anderen Gegenständen im Wasser angesiedelt. Manche sind Zeigerorganismen für sehr reine Gewässer, andere kommen bevorzugt in organisch stark belastetem Wasser vor. Kieselalgen leben einzeln oder in Verbänden, wie auch auf den Bildern zu sehen. Man kann mit einigem Recht behaupten, dass die Welt ohne Kieselalgen eine vermutlich völlig andere wäre.

 

(Text und Bilder: Dietrich Westphal, Januar 2021)