Der Star - Vogel des Jahres 2018

Schillerndes Multitalent

(c) NABU/Georg Dorff
(c) NABU/Georg Dorff

Für das Jahr 2018 haben NABU und LBV den Star zum Vogel des Jahres gekürt. Als einer der häufigsten Singvögel Deutschlands ist er vor allem durch Kinderlieder oder auch als „Kirschendieb“ im heimischen Garten bekannt, vielleicht sogar berüchtigt. Trotz dieses möglicherweise schlechten Images rufen NABU und LBV dazu auf, sich aktiv für seinen Schutz einzusetzen.

 

Aussehen

 

Der Star ist der Amsel ähnlich, aber etwas kleiner und vergleichsweise kurzem Schwanz. Typisch sind der lange, kräftige Schnabel, welcher im Winter dunkel, im Frühjahr zitronengelb gefärbt ist. Schillerndstes Merkmal jedoch ist sein Gefieder. Es besitzt eine schwarze Grundfarbe, glänzt jedoch bronzegrün und purpurfarben. Im Winter ist es dicht weiß getüpfelt, besonders auffällig bei den Weibchen und wird dann oft „Perlstar“ genannt. Jungvögel sind dagegen durch ihr braunes Gefieder leicht von Altvögeln zu unterscheiden.

 

Lebensraum und Nahrung

 

Ursprünglich ist der Star zur Brutzeit in offenen Landschaften zu Hause, sucht auf feuchtem Grasland nach Nahrung und nutzt Brutmöglichkeiten in den Höhlen alter Bäume. Er besiedelt aber ebenso lichte Laub-, Misch- oder Bruchwälder mit altem Baumbe-stand und brütet dort bevorzugt in den Randlagen.

 

Mit seiner Anpassungsfähigkeit hat er sich weitere Lebensräume erschlossen, und besiedelt neben ländlichen auch städtische Gebiete. Ideal sind dabei strukturreiche Agrarlandschaften, wo sich Gehölze oder Heckenzüge mit offenen, kurzrasigen und im besten Fall beweideten Flächen abwechseln. Solche Lebensräume bieten ihm reichliche und vielfältige Nahrung sowie genügend Brutplätze.

 

In den Dörfern und Städten wiederum bewohnen die anpassungsfähigen Kulturfolger Parks, Gartenanlagen und Friedhöfe mit alten, höhlenreichen Baumbeständen oder beziehen Nischen und Hohlräume an Gebäuden. Da Stare außerdem Nistkästen dankend annehmen, sind sie in beinahe jedem Garten zu Hause.

 

Bei der Nahrungssuche sind für sie kurzgehaltene Mähwiesen oder Weide wichtig, damit sie die im Boden lebenden Tiere erreichen. Auch in den Hinterlassenschaften von Weidetieren und deren Fell finden sie reichlich Insekten. Daher beobachtet man sie oft auf z.B. Rinderweiden, wo sie außerdem davon profitieren, dass die Erschütterungen der Hufe ihre Beute an die Oberfläche treiben.

 

Im Regelfall sind sie dabei in größeren Trupps unterwegs und suchen den Boden zu Fuß systematisch nach Nahrung ab. Sie bohren dazu mit dem Schnabel ein Loch in den Boden, vergrößern dieses und schauen, um das Loch laufend, nach Insekten in dem Loch. Dieses Verhalten ist als „zirkeln“ bekannt.

 

Ihre Beute sind im Frühjahr vor allem Kleintiere wie Schnakenlarve, Regenwürmer, Spinnen, Tausendfüßer und Schnecken, die mit ihrem hohen Eiweißgehalt hervorragend zur Aufzucht der Jungen geeignet sind. Im Sommer und Herbst ergänzen Früchte wie Kirschen oder Weintrauben ihren Speiseplan, was mitunter Obstbauern und Hobbygärtner verärgert.

 

Überwinternde Stare schließlich fressen Fallobst und Wildfrüchte beerentragender Sträucher. Auch am Futterhäuschen sind sie regelmäßig zu Gast

 

(c) iStock/Kruwt
(c) iStock/Kruwt

 Fortpflanzung

 

Nach der Rückkehr aus dem Überwinterungsgebieten beginnen die Männchen im Februar oder März mit dem Balzgesang, den sie von erhöhten Singwarten ausdauernd vortragen. Standvögel beginnen damit bereits während der Wintermonate.

 

Ihr Balzgesang ist sehr variationsreich und mitunter verwirrend, wenn sie beispielsweise Umgebungsgeräusche wie Polizeisirenen, das Brummen eines Rasenmähers oder Klingeltöne von Telefonen imitieren.

 

Hat sich ein Paar gefunden, benötigt es einen Brutplatz. Stare sind Höhlenbrüter und bauen ihre Nester vor allem in ausgefaulten Astlöchern und Spechthöhlen. Mauerspalten und Gebäudenischen werden auch genutzt. Fehlen solche Bruthöhlen, beziehen Stare sehr häufig angebotene Nistkästen. Feste Reviere haben sie nicht, sondern brüten gern in Gesellschaft und verteidigen nur die unmittelbare Umgebung der Bruthöhle.

 

In das Nest darin bauen Stare, wie andere Arten auch, Pflanzen mit ätherischen Inhaltsstoffen ein, die dazu beitragen, mit ihrem intensiven Geruch Parasiten vom Nest fernzuhalten. Für diese scheinen Stare generell weitaus anfälliger zu sein, weswegen Hygiene eine wichtige Rolle in ihrem Leben spielt. Mit ausgiebigen Bädern lindern sie den Parasitenbefall und Pflegen ihr Gefieder. Eine besondere Form der Pflege ist das „Einemsen“; hierbei suchen die Stare auf Wiesen nach Ameisen, die sich mit dem Schnabel aufgreifen und über das Gefieder streichen. Die abgesonderte Ameisensäure benetzt dieses und beugt Parasitenbefall vor.

 

Stare brüten ein bis zwei Mal im Jahr, mit im Schnitt jeweils fünf Eiern, die wechselnd von den Partnern bebrütet werden. Aus diesen schlüpfen nach 12-13 Tagen die Jungen. Eine Besonderheit dieser Art ist hierbei, dass die Eiablage aller Starenweibchen einer lokalen Population hochsynchron binnen weniger Tage erfolgt. Die Gründe und Mechanismen hierfür sind noch nicht vollständig geklärt.

 

19 bis 24 Tage bleiben die Jungen im Nest und werden von beiden Elternteilen gefüttert. Auch hier spielt die Nesthygiene eine große Rolle! Der Nestboden wird wiederholt durchgerüttelt, das Material umgewälzt und durchlüftet und der Kot natürlich umgehend entfernt. Mit fortgeschrittenem Alter können die Jungvögel diesen sogar eigenständig aus der Höhlenöffnung, sofern erreichbar, nach draußen befördern. Ist dies nicht möglich, etwa durch zu tiefe Höhlen oder Nistkästen, kann es zu Keimbildung und Infektionen kommen, in Folge oft zum Tod der Jungvögel.

 

Sind die Jungen erst ausgeflogen und schließlich selbständig, profitieren sie von den ersten reifen Früchten des Jahres, etwa wenn in den sommerlichen Trockenphasen mit wenig Insekten in den trockenen Böden die Insektennahrung rar wird.

 

Junge Stare schließen sich ihren Artgenossen an und bilden im Sommer die ersten Schwärme, die weiter anwachsen und im September und Oktober in den Süden ziehen. Der Schwarm bietet viele Vorteile, wie besseren Schutz des Einzelnen vor Greifvögeln und Optimierung der Nahrungssuche. In manchen Regionen können dann beeindruckende koordinierte Flugmanöver von riesigen Schwärmen beobachtet werden, die ganz sicher zu den herausragende Naturerlebnissen gehören.

 

In West- und Südeuropa bleiben Stare ganzjährig im Brutgebiet, ansonsten sind sie Teilzieher. Der Klimawandel führt dazu, dass er auch in nördlichen Verbreitungsgebieten vermehrt zum Standvogel wird.

(c) Marc Scharping
(c) Marc Scharping

 Verbreitung und Gefährdung

 

Ursprünglich sind Stare von Nordwest- und Westeuropa bis nach Zentralasien verbreitet, während die Randgebiete der ganzjährigen Vorkommen im Norden Skandinaviens und in Südeuropa dabei weniger dicht besiedelt sind. Ihr Vorkommen reicht so von Island, den Azoren und Kanaren im Westen bis zum östlichen Pakistan. Darüber hinaus sind Stare durch menschliche Ausbringung außerdem in Nordamerika, Südafrika, Australien und Neuseeland beheimatet.

 

Von 23 bis 59 Millionen Brutpaaren Europas brüten etwa 10 Prozent in Deutschland, etwa 2,8 bis 4,5 Millionen Paare. Vor 20 Jahren noch waren dies aber noch 1 Million mehr. Der Abwärtstrend beginnt in de 1960er und 1970er Jahren und verschärfte sich nochmal in den 1990ern. Da sich der Star bundesweit jedoch überall noch regelmäßig beobachten lässt, vollzog sich diese Entwicklung weitgehend unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit.

 

2007 war in der Roten Liste bedrohter Brutvogelarten noch als „nicht gefährdet“ eingestuft, während er heute als „gefährdet“ gilt. Dabei gehört er wie alle heimischen Vögel per Gesetz zu den besonders geschützten Arten.

 

Hauptbedrohung für den Star ist das sinkende Nahrungsangebot, im Wesentlichen zurückzuführen auf den Rückgang der Weideviehhaltung. Die intensive Landwirtschaft und industrielle Fleischproduktion im Stall führt dazu, dass ursprüngliche Weiden umgenutzt werden und dem Star so als Nahrungsfläche verloren gehen. Gleichzeitig machen großflächige Landwirtschaft und Monokulturen dem Star zu schaffen, da diese einhergehen mit Strukturarmut und damit verringertem Angebot an Nahrungstieren und beerentragenden Gehölzen.

 

Verschärft wird dies noch durch den Einsatz von Insektiziden in der industriellen Landwirtschaft und dem heimischen Garten, indem die Nahrungsgrundlage der Stare unmittelbar dezimiert wird. Lebensbedrohlich sind außerdem Obstnetze, mit denen viele Obstbauern und Hobbygärtner ihre Obstbäume gegen Stare sichern. Bei unsachgemäßer Anwendung können sich immer wieder einzelne Tiere in nicht straff aufgespannten Netzen verfangen und strangulieren. Werden die Netze außerdem nicht dicht am Boden verankert, können sich nahrungssuchende Vögel unter die Netzhaube „verirren“. Beim Auffliegen verheddern sie sich und verenden in vielen Fällen ebenfalls, sofern die Netze nicht regelmäßig kontrolliert werden.

 

Weiterhin gehen durch die Fällung alter Baumbestände und Entfernung von toten Bäumen zahlreiche natürliche Bruthöhlen verloren. Die Bäume werden beispielsweise im Zuge von Verkehrssicherungsmaßnahmen, der Erschließung von Neubaugebieten oder aufgrund der Überalterung von Obstbaumbeständen oder deren Nutzungsaufgabe gefällt. Brutplätze an Gebäuden wiederum fallen zunehmend baulicher Modernisierung und Gebäudesanierungen zum Opfer. Etwa, wenn die Bruthöhlen rechtswidrig vor Ausflug der Jungvögel verschlossen werden oder nach der Sanierung keine alternativen Nistmöglichkeiten bereitgestellt werden.

 

Neben den menschgemachten Gefährdungsursachen hat der Star zahlreiche natürliche Feinde.

 

Gelege und Jungvögel sind vor allem in Naturhöhlen durch Nesträuber wie Baummarder, Waschbär oder Eichhörnchen gefährdet. Erwachsenen Staren droht dagegen vorrangig Gefahr durch Greifvögel wie Sperber, Habicht, Falken oder Rohrweihen, die die Tiere beim nächtlichen Einflug in Schilfgebiete erbeuten.

(c) RSPB/Special Williams
(c) RSPB/Special Williams

 Schutzmaßnahmen

 

Um den Bestand des Stars langfristig zu sichern, ist der Erhalt seines Lebensraumes und der dazugehörigen Nahrungsflächen von vorrangiger Bedeutung.

 

Überregional kann nur eine Reform der bestehenden EU-Agrarrichtlinien und Förderinstrumente dazu beitragen, Bewirtschaftungsarten wie die Weideviehhaltung sowie strukturreiche Landschaften mit entsprechenden kurzrasigen Strukturen zu erhalten oder neu zu schaffen.

 

So ist es zwingend erforderlich, extensive Bewirtschaftungsformen zu fördern, um beispielsweise brach gefallene Grünlandbereiche offen und als Nahrungshabitate für den Star zu erhalten.

 

Die artgerechte Viehhaltung von Nutztieren wie Rindern, Schafen oder Ziegen auf Weiden sichert das Bestehen von kurzrasigen Nahrungsflächen für den Star. Die Hinterlassenschaften der Tiere locken zahlreiche Kleintiere an, die die Nahrungsgrundlage für den Star bilden.

 

Pflege und Erhalt von Streuobstwiesen tragen zum Erhalt einer strukturreichen Landschaft bei. Auf ihnen finden Stare sowohl Brutmöglichkeiten als auch gute Nahrungsbedingungen vor. Außerdem müssen alte Bäume mit natürlichen Nisthöhlen generell als potenzielle Brutplätze erhalten werden.

 

Speziell im Zuge von Verkehrssicherungsmaßnahmen oder bei Pflegeschnitten sollte deshalb gezielt nach Möglichkeiten zum Erhalt von Baumhöhlen gesucht werden.

 

Werden Gebäude saniert oder modernisiert, werden Nistplätze in Mauernischen oder alten Spechtlöchern unwiederbringlich verschlossen. Da Stare so vor allem im städtischen Bereich binnen kürzester Zeit eine Vielzahl an Brutmöglichkeiten verlieren, empfiehlt es sich im Zuge der Sanierungsmaßnahmen alternative Nistplätze zu schaffen. Dies kann durch die Anbringung von Nistkästen an der Außenfassade oder den Einbau spezieller Nistkästen in die Fassade geschehen.

 

Durch die Anpassung seines Konsumverhaltens kann jeder einzelne dem Star - wenn auch indirekt - helfen. Durch den Kauf von regionalen, saisonalen und biologisch sowie nachhaltig produzierten Produkten bestimmt der Verbraucher das Angebot in unseren Metzgereien und Supermärkten. Damit fördert der Verbraucher u. a. die extensive Weideviehhaltung, den Erhalt und die Pflege von Streuobstbeständen, den Verzicht auf chemische Giftstoffe in der Landwirtschaft und und und.

 

Wer aktiv etwas für den Star tun möchte, kann ihm einen Nistkasten zur Verfügung stellen.

 

Entsprechende Nistkästen können im Fachhandel bezogen oder mit etwas handwerklichem Geschick selbst gebaut werden. Wichtig ist, dass der Kasten insgesamt nicht zu tief ausfällt und das Einflugloch mindestens 45 bis 50mm groß ist. Da Stare gern hoch hinaus wollen, sollte der Nistkasten am besten mindestens 4 m über dem Boden in einem Baum oder an der Hausfassade angebracht werden.

 

Letztendlich ein Appell an alle Obstgärtner, nach Möglichkeit auf den Einsatz von Obstnetzen zu verzichten. Ein Abwehrdrachen, der an einer langen Rute im Obstbaum angebracht wird und über dem Baum flattert, kann Stare abhalten ohne sie zu gefährden. Paradoxerweise ist jedoch das Anbringen eines Starennistkastens am betreffenden Baum die beste Strategie zur Abwehr von Starenschwärmen. Wird der Kasten von einem Starenpaar bezogen, verteidigt dieses den gesamten Baum vor Artgenossen. Der Obstgärtner muss seine Ernte so nur mit den Nistkastenbewohnern teilen.

 

Aber auch einreichhaltiges Angebot an anderen Früchten im Garten kann den Star vom Kirschbaum fernhalten. Die Pflanzung verschiedener beerentragender Gehölze bietet dem Star und anderen Vogelarten bis in den Winter hinein einen reich gedeckten Tisch. So ernähren sich Stare beispielsweise von den Früchten von Schwarzem Holunder, Traubenkirsche, Hartriegel, Eberesche, Weiß- und Sanddorn, Felsenbirne, Kornel-kirsche oder Efeubeeren.

 

Was kann ich sonst noch tun?

 

Engagieren Sie sich aktiv in örtlichen Natur- und Umweltschutzverbänden, etwa der NABU-Gruppe Winsen. Die Arbeit ehrenamtlicher Naturfreunde ist unerlässlich für den Erhalt einer lebenswerten Umwelt mit einer Vielfalt von Lebensräumen und Arten. Werden Sie Teil dieser Gemeinschaft, geben Sie der Natur Ihre Stimme und machen Sie uns stark – für die Natur.

 

Werden Sie ein Star – machen Sie mit!

 


Der Waldkauz - Vogel des Jahres 2017

Heimlicher Jäger der Nacht

(c) NABU/Christoph Bosch
(c) NABU/Christoph Bosch

Stellvertretend für alle Eulenarten haben der NABU und der LBV für das Jahr 2017 den Waldkauz zum Vogel des Jahres gekürt. Er ist die häufigste Eulenart in Deutschland, und wissen nur wenige Menschen um seine Vorlieben und Lebensraumansprüche, oder haben ihn einmal gesehen oder gehört.

 

Dabei begegnen uns Eulen heute fast tagtäglich, als farbenfrohe Motive auf Jacken, Taschen und T-Shirts, in Kunst und Literatur (Harry Potter!) oder Skulpturen in Gärten und Galerien. In der Antike hat man mit dem Steinkauz Weisheit und Klugheit verbunden, während die Eule im Mittelalter zum angeblichen Verbündeten der Hexen und des Teufels wurde und damit den Aberglauben dieser finsteren Zeit widerspiegelt.

 

Heute hat sich das glücklicherweise geändert und das geheimnisvolle Wesen der Eulen weckt nicht nur unter Ornithologen Begeisterung und Interesse.

 

Aussehen

Der Waldkauz hat einen recht kompakten Körperbau und hat mit einer Länge von 40-42 Zentimetern etwas Krähengröße. Abhängig vom Geschlecht wiegt er 400-600 Gramm; Weibchen sind generell etwas größer und schwerer als die Männchen.

 

Beiden Geschlechtern gemein und für den Waldkauz charakteristisch sind die kurzen, breiten Flügel, der kurze Schwanz und der rundliche Kopf ohne Federohren mit dem auffälligen Gesichtsschleier. Die hellen Federpartien über den Augen wirken mitunter wie Augenbrauen, sind aber natürlich nur Teil der Färbung. Die Augen selbst sind Augen.

 

Das Gefieder wiederum ist rindenfarbig, gelegentlich graubraun oder rostbraun (Morphe) und bietet dem Tier damit eine sehr gute Tarnung. Die Flügeldecken besitzen stets helle Flecken. Jungvögel können leicht anhand des hellgrauen oder gelblichen Daunengefieders mit dunklen Querbändern von den adulten Tieren unterschieden werden.

(c) NABU/Dietmar Nill
(c) NABU/Dietmar Nill

Sinnesleistungen
Die großen, nach vorne gerichteten Augen des Waldkauzes ermöglichen ihm räumliches Sehen und sind in der Lage, besonders viel Licht aufzunehmen und dies perfekt zu regulieren. Daher können sie sowohl im Dunkeln ausgezeichnet sehen – solange noch etwas Restlicht vorhanden ist – wie auch am Tage.

Bei völliger Dunkelheit jedoch verlassen sich jagende Waldkäuze ganz auf ihr Gehör. Dabei hilft der Gesichtsschleier – seine Trichterwirkung verstärkt Geräusche und leitet sie an die unter den Federn versteckten großen Ohren weiter. Durch die leicht asymmetrische Anordnung der Ohren werden die Geräusche seiner Beutetiere zeitversetzt wahrgenommen und ermöglichen ihm eine genaue Anpeilung des Standorts.

Der Flug des Waldkauzes ist nahezu geräuschlos. Das Polster auf der Oberseite der Federn und die kammartigen Zähnchen an den Kanten der äußersten Flügelfedern verwirbeln den Luftstrom und unterdrücken damit jedes Geräusch – ein wahrlich lautloser Jäger!

Verwandte
Der Waldkauz gehört zu Käuzen, eine von zahlreichen Eulengattungen, zu denen mit Bartkauz und Habichtskauz noch zwei weitere einheimische Arten gehören.

Weit verbreitet sind neben dem Waldkauz auch Waldohreule und Schleiereule und in unseren Städten und Dörfern zu finden. Der kleine Steinkauz dagegen ist nur noch in einigen Regionen Deutschlands anzutreffen und bevorzugt Streuobstwiesen und Grünlandareale. In Nadelwäldern wiederum, wo der Waldkauz eher nicht vorkommt, findet man Raufuß- und Sperlingskäuze.
Die größte einheimische Eule, der Uhu, kommt praktisch überall vor. Die Bestände haben sich dank strengen Schutzes gut erholt, nachdem die Art beinahe ausgerottet war.


Sehr selten in Deutschland sind Sumpfohreule, Habichtskauz und Zwergohreule und nur in bestimmten Regionen zu finden.

(c) NABU/Marcus Bosch
(c) NABU/Marcus Bosch

Lebensraum und Nahrung
Sein Name gibt es schon preis: am wohlsten fühlt sich de Waldkauz in lichten Laub- und Nadelwäldern mit gutem Angebot an Bruthöhlen und Beute. Reine Nadelwälder dagegen werden nur selten genutzt, da dort die Beutetierdichte oft zu gering ist. Als ideal gilt ein Lebensraum mit Waldanteil von 40 bis 80 Prozent, Lichtungen, Waldrändern und angrenzenden Feldern – Wald allein genügt ihm also auch nicht!

Sind keine geeigneten Baumhöhlen als Brutplatz zu finden, so weicht der Waldkauz auch auf Siedlungsraum aus und wird damit zu unserem Nachbarn. Ruhige Winkeln von Gebäuden, Scheunen, oder auch Nistkästen können ihm als Brutplatz dienen. Auch alte Baumbestände in Parkanlagen, Alleen, Gärten oder Friedhöfe bieten häufig die benötigten Baumhöhlen an.

In diesen, oder in Gebäudenischen oder dichten Baumkronen versteckt er sich tagsüber, so dass er für uns kaum zu sehen ist. Erst nachts, ab etwa 20 Minuten nach Sonnenuntergang beginnt er seine Jagd. Meist von erhöhtem Ansitz aus wird die Beute anvisiert und mit einem überraschenden Angriff erlegt. Aber auch bei der Jagd aus dem Flug oder zu Fuß am Boden ist er sehr geschickt, und ganz selten fischt er sogar.

Bei der Nahrungswahl ist er recht flexibel. Hauptbeute sind Mäuse und weitere Kleinsäuger  wie Maulwürfe, Ratten oder junge Kaninchen. In der Not weicht er auf das aus, was im Revier häufig vorkommt. Je nach Jahreszeit z.B. Vögel, Kröten und Frösche, Käfer oder sogar Regenwürmer. Im Siedlungsraum machen andere Vögel den größten Anteil aus, gelegentlich sogar kleinere Eulen wie Raufuß- und Sperlingskauz.

Von kleiner Beute übrig bleiben sogenannte Gewölle – unverdauliche Überreste, die von den Magenmuskeln zu Ballen zusammengepresst und schließlich hervorgewürgt werden.

Der charakteristische Ruf „Huu-hu-huhuhuhuu“ ist vor allem im Herbst oder Winter während der Balz oder Reviermarkierung zu hören. Fast das gesamte Jahr über hört man außerdem den Kontaktruf „Ku-witt“. Die Balz findet ab dem Herbst statt. Waldkäuze die sich einmal gefunden haben bleiben sich ein Leben lang treu. Aggressiv sind sie bei der Absicherung ihres Reviers gegen Rivalen, auch andere Eulenarten.

(c) NABU/Peter Kühn
(c) NABU/Peter Kühn

Gebrütet wird nur einmal jährlich, je nach Witterung im Februar oder März, in Städten oft sogar im Januar. Das Weibchen brütet allein während das Männchen die Versorgung sicherstellt. In der Regel legt es zwei bis vier Eier, selten ein bis sieben. Die Jungen schlüpfen nach 28-29 Tagen und sind blind und nackt. Nur 10 Tage dauert es, bis sie aufrecht sitzen können und mit 16 Tagen öffnen sie die Augen. Etwa vier Wochen dauert die Nestlingszeit, während der das Männchen für Futter sorgt und das Weibchen für Wärme. Nach diesen vier Wochen verlassen die noch flugunfähigen Jungkäuze das Nest und halten sich in der Nähe auf den Ästen auf, wo sie bis zur Selbständigkeit im Alter von drei Monaten weiter um Futter betteln. Fliegen können sie bereits ab sechs bis sieben Wochen.

Es kommt häufiger vor, dass ungeschickte Jungtiere in der Ästlingszeit abstürzen und scheinbar hilflos am Boden sitzen. Doch wirklich nur scheinbar – sie werden dort weiter versorgt und können sogar wieder mit Krallen und Schnabel wieder hinaufklettern. Daher sollte man solche Fundtiere nicht sofort mitnehmen und in Pflegestationen bringen, sofern keine unmittelbare Gefahr oder eine offensichtliche Verletzung besteht, oder die Elterntiere zweifelsfrei umgekommen sind. In jedem Fall ist Vorsicht angebracht, da Waldkäuze ihre Brut aggressiv verteidigen und blutende Wunden hinterlassen können!

Verbreitung und Gefährdung
Der Waldkauz ist beinahe in ganz Europa zu finden, außer auf Irland, in Nordskandinavien und im europäischen Russland, dafür aber auch in unmittelbar benachbarten Gebieten wie Teilen Westsibiriens und der Türkei.

Die weltweite Brutpopulation wird auf 700.000 bis 1,2 Mio., die europäische auf 530.000 bis 940.000 Brutpaare geschätzt. Davon brüten 8-9 Prozent bei uns, nach aktuellen Zahlen etwa 43.000 bis 75.000 Paare.

Die Verbreitung in Deutschland ist nahezu flächendeckend, im Westen jedoch häufiger als im Osten. Der Waldkauz fehlt hingegen in den waldarmen Küstenbereichen der Nordsee und den vorgelagerten Nordseeinseln.

Europaweit können in den letzten 25 Jahren keine Bestandsveränderungen festgestellt werden und auch in Deutschland wird der Bestand langfristig als stabil eingeschätzt. Einen Rückgang gab es zwischen 1988 und 1997, seitdem jedoch ist der Bestand wieder konstant.

Dazu hat sicher auch der strenge Schutz beigetragen: unter anderem sind Fang und Tötung von Waldkäuzen sowie Störung und Zerstörung von Nestern und Gelegen nach EU-Vogelschutzrichtlinie verboten. In Deutschland gehört er wie alle heimischen Vögeln zu den besonders geschützten Vogelarten.

Wichtig für den stabilen Bestand ist der Bruterfolg, und damit die Qualität des Lebensraums. In intensiv bewirtschafteten Wäldern und eintönigen „Forstwüsten“ mangelt es an alten Höhlenbäumen, während moderne versiegelte Gebäude kaum Nistmöglichkeiten bieten, und in den ausgeräumten, monotonen Agrarlandschaften kaum ausreichend Beutetiere zu finden sind. Schlechte Chancen für den Waldkauz.

Zwei Drittel aller Todesfälle sind auf Kollisionen mit künstlichen Hindernissen, insbesondere Fahrzeugen zurückzuführen. Genauso häufig sind aber auch Zusammenstöße mit Zäunen, Bahntrassen und Stromleitungen. Letzteres hat in jüngster Zeit zugenommen, und die Sicherung gefährlicher Mittelspannungsmasten ist seit 2012 gesetzlich vorgeschrieben.

Die Bekämpfung von Mäusen durch Gifte reduziert das wichtigste Nahrungsangebot nicht nur, der Verzehr solch vergifteter Beute kann sogar in entsprechender Menge zu Tod der Käuze führen.

Natürlich Feinde hingegen sind hauptsächlich Uhu, Habicht, Fuchs und Baummarder.

Schutzmaßnahmen
Für die langfristige Sicherung des Waldkauzbestands ist es von vorrangiger Bedeutung, seinen primären Lebensraum und die dazugehörigen Nahrungsflächen zu sichern. Also der Erhalt und die Entwicklung von naturnahen, strukturreichen Wäldern mit ausreichend großer Zahl alter Bäume und damit Bruthöhlen. Neben dem Erhalt dieser alten Bäume (Markierung zum Schutz vor Fällung) sollen neue Bäume gepflanzt oder geeignete Junge erhalten werden, in denen sich langfristig neue Bruthöhlen bilden könnten.

Wo natürliche Brutmöglichkeiten fehlen sind kurzfristig künstliche Nisthilfen nützlich, natürlich mit Augenmaß um nicht etwa durch die Förderung des Waldkauzes die kleineren Arten zu gefährden.

Verstärkte Öffentlichkeitsarbeit tut Not – nur was man kennt und liebt, das schützt man auch!
Jeder Haus- und Gartenbesitzer kann mit einigen wenigen Maßnahmen beitragen, den Bestand des Waldkauzes zu stützen. Eine häufige Gefahrenquelle sind z.B. ungesicherte, nach oben offene Kaminschächte und –schlote. Immer wieder stürzen Käuze dort hinein und verenden qualvoll. Ähnlich ist es mit offenen Regentonnen, aus denen sie nicht mehr herauskommen und ertrinken. Entsprechende Sicherungsmaßnahmen sind einfach und kosten nicht viel.

Im eigenen Garten sollte unbedingt darauf verzichtet werden, mit Chemie gegen Mäuse etc. vorzugehen. Eine nennenswert hohe Mäusepopulation wird natürliche Feinde anziehen und die Natur bringt das Problem selbst wieder ins Lot.

Der oft ehrenamtliche Betrieb von Pflegestationen für Greifvögel und Eulen ist dringend auf finanzielle Hilfe angewiesen – unterstützen Sie diese wertvolle Arbeit für die Natur mit Geldspenden.

Was kann ich sonst noch tun?
Engagieren Sie sich aktiv in örtlichen Natur- und Umweltschutzverbänden, etwa der NABU-Gruppe Winsen. Die Arbeit ehrenamtlicher Naturfreunde ist unerlässlich für den Erhalt einer lebenswerten Umwelt mit einer Vielfalt von Lebensräumen und Arten. Werden Sie Teil dieser Gemeinschaft, geben Sie der Natur Ihre Stimme und machen Sie uns stark – für die Natur.

Wir freuen uns auf Sie – und die Eulen natürlich auch!


Der Stieglitz - Vogel des Jahres 2016

Charaktervogel bunter Landschaften

Foto: NABU/Frank Derer
Foto: NABU/Frank Derer

Der Stieglitz (auch: Distelfink) fasziniert den Menschen dank seines auffälligen Äußeren seit jeher.

 

Daher verwundert es wenig, dass sich zahlreiche Sagen und Mythen um den Vogel ranken. Kein anderer Vogel ist in der Bildhauerei und Malerei des Mittelalters so häufig zu finden.

 

 

Aussehen
Die bunte Gesichtsmaske bzw. das insgesamt für Vögel unsere Breiten ungewöhnlich farbenfrohe Gefieder machen ihn auch für den Laien leicht identifizierbar.

Das für Vögel unserer Breiten ungewöhnlich farbenfrohe Gefieder macht ihn auch für den Laien leicht identifizierbar. Unverwechselbar ist ihre rote Gesichtsmaske auf dem ansonsten weiß und schwarz gefärbten Kopf. Rücken und Brust sind hellbraun, Bauch und Bürzel weiß gefärbt. Die überwiegend schwarzen Flügel weisen eine deutlich abgesetzte breite, leuchtend gelbe, Binde auf.
Der schwarz gefärbte Schwanz zeigt an den äußeren zwei bis drei Steuerfedern weiße Abschnitte. Der Schnabel des Stieglitzes ist, wie bei Körnerfressern üblich, kegelförmig, läuft spitz zu und erscheint elfenbeinfarben bis grau rosa. Jungvogel erscheinen im Vergleich zu ausgewachsenen Stieglitzen eher braun und weniger kontrastreich.

Lebensraum und Nahrung
Ursprünglich war der Stieglitz in lichten Wäldern und Waldrändern zu Hause. Heute besiedelt er sowohl ländliche als auch städtische Gebiete. Den idealen Lebensraum stellen dabei stark
gegliederte, blütenreiche Landschaften, in denen sich Wälder oder Heckenzüge mit offenen Flächen
abwechseln, dar. Sie bieten ihm neben einem reichlichen und vielfältigen Nahrungsangebot auch genügend Brutplätze.

Bäuerliche Siedlungen mit Obstbaumkulturen auf blumen- und artenreichen Wiesen, ungenutzte Ecken und extensiv gepflegte Wegränder sind ideal. In den Dörfern und Städten bewohnen Stieglitze nicht zu intensiv gepflegte Parks oder Gärten und brüten mitunter auch in Grünanlagen, an Sport- oder Parkplätzen sowie auf Brach- und Industrieflächen.

 

Bei der Nahrungssuche zeigt er akrobatischen Einsatz: Sie beugen sich in der Vegetation weit vor und können sogar kopfüber hangend picken. Auffällig ist außerdem ihr lebhaftes, rastloses Verhalten. Im Unterschied zu den meisten anderen heimischen Singvögeln leben Stieglitze ganzjährig in Gruppen – auch zur Brutzeit - und gehen gemeinsam auf Nahrungssuche. Typischerweise sind Stieglitze daher im Schwarm anzutreffen. Im Winter schließen sich mehrere Gruppen zu größeren Schwärmen zusammen und mischen sich häufig mit Bluthänflingen, Girlitzen und Grünfinken. Sie zeigen wenig Scheu und sind regelmäßig an Futterhäuschen im Garten oder auf dem Balkon zu beobachten.

Das Nahrungsspektrum des Stieglitzes umfasst halbreife oder reife Samen zahlreicher Stauden, Graser und Bäume. Bislang wurden bereits über 150 verschiedene Pflanzenarten nachgewiesen.
Die Zusammensetzung wechselt dabei im Jahresverlauf: Im Winter werden vor allem die Samen stehengebliebener Stauden und von verschiedenen Bäumen verzehrt. Stieglitze sind zudem häufig am Futterhaus anzutreffen. Während der Brutzeit ernähren sich Stieglitze vornehmlich von den Samen milchreifer Korbblütler. Während viele andere körnerfressende Vögel für die Jungenaufzucht auf Insekten umsteigen, futtern Stieglitze ihren Nachwuchs vor allem mit Pflanzensamen. Nur äußerst selten fressen sie tierische Nahrung wie Blattläuse, die sie geschickt von den Pflanzen absammeln. Im Spätsommer und Herbst ernähren sich Stieglitze am liebsten von verschiedenen Distelarten. Da sie dann oft an Distel, Karde und Co. zu beobachten sind, werden Stieglitze umgangssprachlich auch Distelfinken genannt.

Verbreitung und Gefährdung
Das natürliche Verbreitungsgebiet des Stieglitzes erstreckt sich von Westeuropa bis Mittelsibirien, Nordafrika sowie West- und Zentralasien. Etwa 34 Millionen Paare brüten in Europa, davon leben 1-2% (305.000 – 520.000) in Deutschland.

Er gilt heute (noch) als häufig; die gesamteuropäische Population ist seit 1990 weitgehend stabil, mit regionalen Unterschieden. In Deutschland allerdings hat sich sein Bestand zwischen 1990 und 2013 beinahe halbiert (-48%).

Zu schaffen macht ihm insbesondere die großflächige, industrielle Landwirtschaft. Durch die fortschreitende Intensivierung, Mechanisierung und die Flurbereinigung gehen immer mehr Nahrungsflächen der Art verloren. Am dramatischsten für den Stieglitz ist dabei der Verlust landwirtschaftlicher Brachflächen, seinem eigentlichen Speisetusch. Bis 2007 verlangte die gemeinsame EU-Agrarpolitik noch Brachflächen auf jedem landwirtschaftlichen Betrieb. Seitdem werden alle Flächen eines Betriebes für den Fruchtanbau - oft in Monokulturen - genutzt, was negative Folgen für viele Vogelarten nach sich gezogen hat und von NABU und LBV heftig kritisiert wird.

Bereits zur Römerzeit war der Stieglitz wegen seiner Farbenpracht und Sangeskunst ein beliebter Käfigvogel. Auch in Deutschland hat der Fang der bunten Finken eine lange Tradition. Noch bis in die 1970er Jahre war in manchen Bundesländern der Fang mit kleinen Schlag- oder Stellnetzen erlaubt. Mit der Verabschiedung der EU-Vogelschutzrichtlinie im Jahr 1979 sind Jagd und Fang wildlebender Exemplare aber endgültig verboten worden und seitdem strafbar.

Dennoch machen illegale Vogelfänger in einigen Staaten rege Geschäfte auf Kosten dieser Tiere – auf Malta sogar mit offiziellem Segen: Im Jahr 2014 trat eine umstrittene nationale  Ausnahmegenehmigung für den Netzfang von Stieglitzen und anderen Finkenvögeln im Herbst und Winter in Kraft. Sie werden dort lebend gefangen und auf dem Vogelmarkt in Valletta verkauft. NABU und LBV kämpfen mit ihren maltesischen Partnern dafür, dass diese Regelung schnellstmöglich zurückgezogen wird. Auch die EU-Kommission hat bereits ein Verfahren eingeleitet.

Neben den menschgemachten Gefährdungsursachen hat der Stieglitz zahlreiche natürliche Feinde. Er ist vor allem durch Nesträuber wie Elster, Rabenkrähe oder Eichelhäher gefahrdet. Auch Marder oder Eichhörnchen können Stieglitzgelegen und den Jungvogeln gefährlich werden. Erwachsenen Stieglitzen droht dagegen vorrangig Gefahr durch Greifvogel wie Sperber, Habicht oder Falken, sowie Hauskatzen, die unaufmerksame Tiere während der Nahrungssuche erbeuten.

Um den Bestand des Stieglitzes langfristig zu sichern, ist der Erhalt seines Lebensraumes und der dazugehörigen Nahrungsflachen von vorrangiger Bedeutung.

Was kann ich tun?
Jeder Hobbygärtner oder Balkonbesitzer kann etwas für den Stieglitz tun, indem er bewusst auf den Einsatz chemischer Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel verzichtet. Ein naturnah gestalteter und dementsprechend bewirtschafteter Garten mit „wilden Ecken“ und zahlreichen samentragenden Pflanzen hilft dem Stieglitz natürlich am meisten.

Aber auch auf kleinem Raum, auf dem Balkon oder in einzelnen Pflanzkübeln kann man viel bewirken. Stieglitze sind nicht wählerisch und fressen die Samen einer Vielzahl typischer Garten- oder Balkonpflanzen. Dabei sind viele Gewürz- oder Heilpflanzen sowie Schnittblumen gleichsam bei Mensch und Vogel beliebt. Es ist nur wichtig, dass die Samenstande für den Stieglitz erhalten bleiben und nicht direkt nach dem Abblühen zurückgeschnitten werden.

Es folgen einige Beispiele:
Schnittblumen: Sonnenblume, Schmuckkörbchen, Kornblume, Zinnie, Sonnenhut, Polsteraster, Mädchenauge, Aster, Herbstaster
Gewürz- und Heilpflanzen: Borretsch, Basilikum, Lavendel, Ringelblume, Ysop, Bohnenkraut, Thymian, Dost
Gemüsepflanzen: Salat, Spinat, Radieschen, Rharbarber

Setzen Sie sich in ihrer Gemeinde und bei ihren politischen Vertretern für den Stieglitz ein: fordern Sie Konzepte, welche die Bereitstellung und den Erhalt von strukturreichen Straßenbegleitflächen sowie von Ruderalflächen mit samentragenden Pflanzen bei der Bau- und Städteplanung berücksichtigen.

Gemeinsam stark für die Natur
Engagieren Sie sich aktiv in örtlichen Natur- und Umweltschutzverbänden, etwa der NABU-Gruppe Winsen. Die Arbeit ehrenamtlicher Naturfreunde ist unerlässlich für den Erhalt einer lebenswerten Umwelt mit einer Vielfalt von Lebensräumen und Arten. Werden Sie Teil dieser Gemeinschaft, geben Sie der Natur Ihre Stimme und machen Sie uns stark – für die Natur.

Wir freuen uns auf Sie – und der Stieglitz natürlich auch!

 

Vogel des Jahres 2016 - Stieglitz


Der Habicht - Vogel des Jahres 2015

Der edle Greifer

Foto: NABU/W.Lorenz
Foto: NABU/W.Lorenz

Mit dem Habicht wird eine Art Vogel des Jahres, die eine traurige Nummer eins ist – die Nummer eins der illegalen Greifvogelverfolgung in Deutschland. Der gesetzliche Schutz konnte zwar zu einer Bestandserholung beitragen, diese ist jedoch durch die anhaltende illegale Verfolgung zum Stillstand gekommen. Von den früheren Bestandsdichten sind wir noch weit entfernt!

 

Der Habicht wandert zunehmend in städtische Gebiete ein, wo er der Verfolgung meist nicht so stark ausgesetzt ist. Allein dort findet eine Bestandszunahme statt und beweist, dass Menschen und Habichte sehr wohl miteinander leben können.

Dabei steckt ihm die Bewunderung durch den Menschen eigentlich schon im lateinischen Namen – als „edler Greifer“ genießt Accipiter gentilis in der Falknerei große Beliebtheit. Manche Jäger und Geflügelzüchter jedoch sehen ihn als Konkurrenten oder Bedrohung und ignorieren, dass die Jagd auf den Habicht bereits seit den 1970er Jahren verboten ist.

 

Richtig ist, dass mit bis zu 90% Anteil meist mittelgroße Vögel von Staren- bis Krähengröße zu seinem Nahrungsspektrum gehören. Typischerweise sind dies Straßen- und Ringeltauben, Krähen, Elstern, Eichelhäher und andere Rabenvögel. Kleinere Säugetiere wie Ratten oder Kaninchen verschmäht er ebenfalls nicht. Habichte jagen oft von versteckten Ansitzen, manchmal aus niedrigem Suchflug heraus und überraschen ihre Beute damit.

 

Junger Habicht Foto: Ingo Ahrens
Junger Habicht Foto: Ingo Ahrens

Spektakuläre Sturzflüge und schroffe Wendungen bekommt man dagegen mit etwas Glück im Spätwinter zu sehen, der Balzzeit. Die besten Chancen bieten dann ausgedehnte Waldgebiete, da die Tiere sonst recht scheu und selten zu entdecken sind. In der Größe ist er mit einem Bussard vergleichbar, jedoch kräftiger und im Flug an seinem langen Schwanz gut zu erkennen. Die Färbung der Flügel ist bei erwachsenen Tieren grau, die Unterseite dagegen hell mit schmalen, schwarzen Querstreifen gebändert. Typisch sind der helle Überaugenstreife und die gelbe bis orange gefärbte Iris. Bei älteren Habichten wird diese sogar rubinrot. Junge Habichte dagegen haben ein graubraunes Gefieder und sind unten nicht gebändert, sondern zeigen ein Tropfenmuster. Die Geschlechter können an der Größe unterschieden werden – die Weibchen sind wie bei den meisten Greifvögeln deutlich größer. Rufen hört man den Habicht außerhalb der Brutzeiten eher selten.

 

In Siedlungen sieht man Habichte am ehesten beim Beuteschlagen, auch unter Singvögeln wie kleinen Meisen. Das mag grausam erscheinen, doch wie meist in der Tierwelt liegt auch beim Habicht der Fokus häufig auf kranken, geschwächten oder unerfahrenen Tieren, womit er eine wichtige Rolle im Rahmen der natürlichen Auslese erfüllt.

Gefährdung

Er selbst hat wenig natürliche Feinde. Dazu gehören Uhu und ab und an auch Füchse; der Brut kann auch ein Marder mal gefährlich werden. Die größten Gefahren drohen ihm, wie so oft, durch den Menschen.

 

Besonders in vergangenen Jahrzehnten gehörte hierzu Gift in der Nahrungskette; eingebracht in diese z. B. durch Pestizide in der Landwirtschaft, welche über die Beutetiere die Greifvögel vergifteten. Dazu kommen vom Menschen absichtlich vergiftete Kadaver, denen neben dem Habicht auch andere Greifvögel zum Opfer fallen. Die entdeckten Fälle, auch in unserer Region, sind nur die Spitze des Eisbergs!

Erschossen Foto: KGDV
Erschossen Foto: KGDV

Illegale Vergiftungen und Abschüsse gehen meist auf den Mythos zurück, der Habicht sei am Rückgang bestimmter Arten wie Feldhase und Rebhuhn schuld. Dies trifft nicht zu – das Rebhuhn etwa ist vom Rückgang der Brutmöglichkeiten in unserer Kulturlandschaft sehr viel mehr betroffen, die Küken finden dank Pestizideinsatz und einer industriellen Landwirtschaft zu wenig Insekten. Diese Probleme löst eine Bejagung des Habichts nicht. Ähnlich ist dies beim Feldhasen. Dennoch steht der Habicht heute noch bei vielen Jägern im Ruf eines Konkurrenten. Auch viele Hühnerhalter und Taubenzüchter sehen in ihm einen Intimfeind.

 

Zu den Abschüssen kommen dann noch verbotene Fallen hinzu, mit den Habichte gefangen oder gleich getötet werden – viele davon in der Nähe von Brieftaubenzuchten und –haltungen. Dabei sind deren Verluste sehr viel häufiger auf Verirren oder Erschöpfung bei Brieftaubenrennen zurückzuführen. Die langen Flüge und Leistungsansprüche der Besitzer sind erst der Grund, dass die erschöpften Tiere zur leichten Beute werden.

Habichtfangkorb Foto: KGDV
Habichtfangkorb Foto: KGDV

Die illegale Fallenjagd erfolgt zum einen mit Teller-/Schlageisen, denen leider auch andere Tierarten, auch Hauskatzen und Hunde zum Opfer fallen. Spezielle „Habichtkörbe“ fangen die Tiere lebend; anschließend werden die Greifvögel meistens erschlagen oder zuvor noch grausam verstümmelt (Stutzen der Krallen und des Schnabels, anschließend Freilassung gefolgt von Hungertod).

 

In Städten mag der Habicht sicherer vor solcher Verfolgung sein, doch sind es hier Glasflächen, die oft seinen Tod bedeuten. Sie werden von vielen Vögeln nicht als Hindernis wahrgenommen, was mit Querstreifen oder anderen Mustern einfach erleichtert werden und Unfälle reduzieren kann.

 

In ihren Horsten sind Habichte zudem sehr störempfindlich, vor allem während der Brut. Finden Holzeinschläge o. ä. in direkter Nähe statt, flüchtet das Weibchen häufig und gibt das Gelege bei wiederholter Störung ganz auf.

Schutzmaßnahmen

Aufklärung ist ein erster und wichtiger Schritt – das falsche Image des „Hühnerdiebs“ muss korrigiert und z. B. Hühnerhalter informiert werden, wie sie ihre Haltungen mit vertretbarem Aufwand greifvogelsicher machen können (Überdachungen, Unterschlupfmöglichkeiten).  

 

Alle Greifvögel genießen eine ganzjährige Schonzeit und stehen zudem nicht nur unter dem Schutz des Jagdrechts sondern auch des Naturschutzrechts. Jede Nachstellung ist eine Straftat, die für den Täter sehr unangenehme Folgen haben kann: Geldbußen, bei Jägern der Entzug der Jagderlaubnis, bei Landwirten Kürzungen der Prämienzahlungen der EU, sogar einer Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren. Die illegale Verfolgung zu bekämpfen ist aber mir ein (sehr) wichtiger Bestandteil zum Schutz dieser und anderer Greifvogelarten.

 

Habichtbruten brauchen Ruhe – und Schutz vor Störungen. Vor der Durchführung von Forstarbeiten sollten die Bereiche auf Habichthorste geprüft und ggf. eine Schutzzone eingerichtet werden, oder der Einschlag während der Brut- und Aufzuchtzeit ganz unterbleiben. In einigen deutschen Bundesländern wird bereits so verfahren – mit Erfolg!

 

Der Erhalt einer strukturreichen Landschaft, wo verschiedenste Lebensräume in enger Nachbarschaft existieren, bietet dem Habicht ausreichend Deckung und Nahrung – und viele andere Tier- und Pflanzenarten profitieren ebenfalls davon.

Den Erfolg der Maßnahmen zu überwachen erfordert eine solide Datenbasis: Reviere und Horste zu erfassen ist eine wichtige Schutzmaßnahme, ermöglicht sie zum Beispiel erst eine Einrichtung von Horstschutzzonen. Bestandskontrolle und Beringungen liefern wichtige Daten zum Erhaltungszustand und Altersaufbau der Population.

 

So ist die Ernennung des Habichts zum Vogel des Jahres 2015 vor allem eins – ein Zeichen gegen die illegale Verfolgung aller gefährdeten Greifvögel. Es ist höchste Zeit zum Handeln!

 

  • Erkennen und melden Sie illegale Greifvogelverfolgung
  • Melden Sie Brutplätze und –reviere, z. B. der örtlichen Naturschutzbehörde
  • Machen Sie Glasscheiben vogelsicher
  • Unterstützen Sie Verbände die sich für den Greifvogelschutz einsetzen – aktiv oder mit einer Spende (NABU, Komitee gegen den Vogelmord e.V.)

 

Viele weitere Informationen zum Habicht, Lebensweise, Lebensraum, Gefährung und Schutzmaßnahmen finden Sie auf den Seiten des NABU Bundesverbands - auch zum Herunterladen:

 

Vogel des Jahres 2015 - Habicht


Der Grünspecht - Vogel des Jahres 2014

Der Specht mit der Räubermaske

Foto: NABU/P.Köhn
Foto: NABU/P.Köhn

Eigentlich hat er wirklich gut lachen, der nach dem Buntspecht zweithäufigste Specht Deutschland. Geschätzt über 70.000 Brutpaare gibt es von ihm in Deutschland, und das, obwohl die Fläche seines klassischen Lebensraums - das sind insbesondere Streuobstwiesen, Gärten, Parks und halboffene Waldlandschaften - drastisch zurückgegangen ist.

 

Er hat jedoch gelernt, auch auf brachliegenden Industrieflächen klar zu kommen und dort seine bevorzugte Beute - Ameisen - zu machen. Überhaupt bietet ihm auch der städtische Bereich, z. B. Ortsränder und Gegenden mit altem Baumbestand, hervorragende Bedingungen, so dass er im Bestand insgesamt zulegen konnte!

Wer ihn beobachten möchte, hat also auch in Städten gute Chancen ihn aufzuspüren.  Insbesondere zwischen März und Mai, während der Balz, ist er gesanglich am aktivsten. Für die Brut sind dicke Bäume mit weichen Stellen notwendig, in denen die Paare gemeinsam ihre Höhlen anlegen. Dabei sorgen sie sogar für spätere Jahre vor: sie beginnen oft mehrere Höhlen, der erst lange danach, wenn der Eingang etwas weichfaulen konnte, fertig gestellt werden.

Nicht selten kann er auch bei der Nahrungssuche beobachtet werden, meist zwischen Morgengrauen und Dämmerung. Grünspechte sind recht reviertreu, wer ihn also einmal aufgespürt hat, weiß wo er auch in Zukunft schauen muss.

Er ist höchst spezialisiert auf Ameisen, die er gezielt auf lockeren Böden ohne oder mit wenig Vegetation sucht. Dabei hilft ihm die längste Zunge der europäischen Spechtwelt - bis zu zehn Zentimeter kann er sie vorstrecken. Andere Insekten, Regenwürmer, Schnecken oder Beeren und Obst frisst er nur wenig. Schwer wird es im Winter bei hartgefrorenem Boden, weshalb der Grünspecht dann auf die meist leichter zu bekommenden Waldameisen mit ihren Hügeln ausweicht. Man braucht sich jedoch keine Sorgen um die armen Ameisen zu machen - deren Bestand wird von ihm in keiner Weise gefährdet. Umgekehrt jedoch bedroht das Verschwinden von Ameisen, etwa durch Einsatz von Pestiziden, den Grünspecht in seiner Existenz.

Das ist auch der Grund, warum der NABU den konsequenten Verzicht auf Pestizide in Hausgärten, Streuobstwiesen und städtischen Grünanlagen fordert. Nicht nur für den Grünspecht ist das überlebenswichtig - viele andere Vogelarten sind wie er davon abhängig, ausreichend Insekten als Nahrung zu finden. Nicht zu vergessen die vielen anderen Insektenarten, die unter dem Einsatz der Gifte zu leiden haben.

Möchten Sie den Grünspecht noch besser kennen lernen? Informieren Sie sich doch auf folgenden Seiten des NABU Bundesverbands über den "Specht mit der Räubermaske"! Oder halten Sie im Garten der Natur in Winsen/Luhe nach ihm Ausschau - dort ist er nämlich auch oft zu Gast, etwa bei unseren monatlichen Gruppentreffen in den Sommermonaten.


Die Bekassine - Vogel des Jahres 2013

Himmelsziege und Meckervogel

Waren frühere Jahresvögel wie Dohle, Kormoran, Eisvogel oder Kuckuck den meisten Menschen noch leicht ein Begriff, so stehen die Chancen gut, das der diesjährige Vogel des Jahres über vielen Köpfen ein Fragezeichen schweben lässt: die Bekassine (Gallinago gallinago) gehört vermutlich nicht zu den bekanntesten und gewöhnlichsten Exemplaren der heimischen Avifauna.

 

Versteckt lebt sie in Mooren und Feuchtwiesen, vom Spaziergänger häufig unentdeckt, am ehesten noch vernimmt man ihren Ruf oder das charakteristische „Meckern“, welches bei den Balzflügen im Frühjahr entsteht und ihr diverse Beinamen wie „Himmelsziege“ verschaffte.

Foto: NABU/Rolf Juergens
Foto: NABU/Rolf Juergens

Doch nicht nur die heimliche Lebensweise und die vorzügliche Tarnung durch ihr Gefieder machen aus der Bekassine das „unbekannte Wesen“. In den vergangenen 20 Jahren hat sich der Brutpaarbestand in etwa halbiert; eine Folge des Verschwindens ihres Lebensraums. Moore und feuchte Wiesen leiden unter der Entwässerung, dem Torfaufbau, kurz: dem Eingriff des Menschen in diese Lebensräume, die unzähligen Lebensformen Schutz und Nahrung bieten, welche in Folge nun aber vom Aussterben bedroht sind – wie die Bekassine.

 

Verschwinden Lebensräume, dann mit ihnen auch die darin lebenden Tiere, Pflanzen, Insekten – manchmal unwiderruflich. So ist der Vogel des Jahres 2013 auch ein Botschafter für andere Arten, für den Erhalt und Schutz dieser gefährdeten Lebensräume und aller, die darin existieren.

Die Bekassine - der Film (via NABU-TV)

Im Landkreis Harburg ist die Kleientnahmestelle Krümse/Drage eines der wichtigsten Habitate für (unter anderem) die Bekassine. Wer sie erleben möchte ist gut beraten, z. B. im März bis Mai die Gegend zu erwandern und an den Rändern der Gewässerflächen besonders still und aufmerksam zu lauschen und zu schauen. Gerne auch bei einer unserer öffentlichen Exkursionen (Termine).

 

Und wer sie auch in zehn, zwanzig, dreißig Jahren noch hören und sehen möchte, der setzt sich, wie NABU und LBV für den Schutz ihres Lebensraums ein. Schon der Einsatz torffreier Blumenerde ist ein kleiner Schritt, mit dem jeder ganz einfach einen kleinen Beitrag leisten kann, dass auch nachfolgende Generationen den „Meckervogel“ noch erleben dürfen.

 

Wer mehr tun will, kann sich auch an der NABU-Kampagne zur EU-Agrarreform beteiligen, etwa indem er einen Brief an seinen EU-Abgeordneten schreibt. Eine Agrarreform, die endlich den Naturschutz berücksichtigt, könnte dabei ein entscheidender Schritt sein: Für den Erhalt der Artenvielfalt und gesunder Böden und Gewässer. Für ein stabiles Klima. Für die dauerhafte Sicherung unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Und nicht zuletzt - für die Bekassine.

 

Informationen zur Bekassine

Spenden für die Bekassine

Flyer "Agrarreform - Umsteuern jetzt!" (PDF)

Faltblatt "Agrarsubventionen? Nur mit Naturschutz!" (PDF)

NABU Grünlandstudie 2012 (PDF)

NABU Hintergrund - Vielfalt für Mensch und Natur (PDF)


Text: Ingo Ahrens


Die Dohle - Vogel des Jahres 2012

Sympathischer Vogel mit Imageproblemen

Die kontaktfreudige Dohle ist meist in Gruppen oder mit ihrem Partner unterwegs. Auf Nahrungssuche oder auf ein lautstarkes „Schwätzchen“ vor dem Schlafengehen schließt sie sich gern Saat- oder Rabenkrähen an. Unter ihnen fällt sie vor allem durch ihre geringere Größe auf, denn Dohlen sind die kleinsten Vertreter der Rabenvögel mit schwarzem Federkleid.

 

Bis heute teilt sie das Schicksal ihrer schwarz gefiederten Verwandten: Früher galt sie als Unglücksbringer, der Krankheiten wie die Pest und damit den Tod ankündigte. Auf mittelalterlichen Abbildungen sind Dohlen häufig zusammen mit Hexen zu sehen. Studien des Verhaltensforschers Konrad Lorenz über ihre Lernfähigkeit und Intelligenz haben viel dazu beigetragen, dass die Dohle an Sympathie gewann. Die Geschichten über seine frei fliegenden Dohlen fanden ein breites Publikum, das von dem hoch organisierten Sozialleben dieser Art beeindruckt war. Dem Image der Dohle hat dies tatsächlich geholfen.

 

Teils aus Unwissenheit oder Gedankenlosigkeit, teils aus Absicht zerstörten Hausbesitzer bei Renovierungen oder Gebäudesanierungen in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Brutplätze der Dohle. Viele Gemeinden vergitterten oder verschlossen Einflugmöglichkeiten in Kirchtürmen. Die Dohle ist jedoch dringend auf Nistplätze in unseren Siedlungen angewiesen, denn die Populationen der Baum- und Felsbrüter sind zusammengebrochen. Nur in unseren Dörfern und Städten in direkter Nachbarschaft zu uns Menschen können wir ihr eine Zukunft bieten.

 

In Deutschland brüten nach gegenwärtigem Stand rund 100.000 Dohlenpaare. Nahezu aus allen Regionen werden rückläufige Zahlen gemeldet. Deshalb steht die Dohle in mehreren Bundesländern auf der Roten Liste der gefährdeten Vogelarten oder auf der Vorwarnliste. In Brandenburg ist die Art nach jahrzehntelangen Rückgängen inzwischen vom Aussterben bedroht. Nur im Nordwesten Deutschlands halten sich noch größere und stabile Bestände.

Mit der Wahl zum Vogel des Jahres 2012 rückt die Dohle ins Rampenlicht. NABU und LBV zeigen in diesem Jahr, wie wir ihr im Siedlungsbereich helfen und wichtige Nahrungsgrundlagen in der Kulturlandschaft erhalten können. Auch für die wenigen verbliebenen Fels- und Baumbrüter setzen wir uns ein. Am Beispiel der schlauen Dohle wollen wir zudem eine Lanze brechen für die oft zu Unrecht geschmähten Rabenvögel.

 

Informationen zur Dohle


Der Gartenrotschwanz ist Vogel des Jahres 2011

Kleiner Vogel mit großen Ansprüchen

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Landesbund für Vogelschutz (LBV), NABU-Partner in Bayern, haben heute in Berlin den Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus) zum „Vogel des Jahres 2011“ gekürt. Der früher weit verbreitete und recht häufige Singvogel mit dem namensgebenden ziegelroten Schwanz ist heute in vielen Regionen selten geworden. Besonders im Westen Deutschlands ist er aus zahlreichen Dörfern und Kleinstädten verschwunden. Immer weniger Gärten genügen heute noch seinen Ansprüchen.

 

„Im Jahr des Gartenrotschwanzes wollen wir auf die Gefährdung dieses farbenprächtigen Vogels aufmerksam machen und zeigen, dass oftmals schon mit einfachen Mitteln neue Lebensräume wie Streuobstwiesen geschaffen werden können", sagte NABU-Vizepräsident Helmut Opitz. Gartenrotschwänze brauchen Nisthöhlen, wie sie vor allem in alten Obstbäumen zu finden sind. Streuobstwiesen zählen daher zu den typischen Lebensräumen. Mit ihren hochstämmigen Obstbäumen, die ein hohes Alter erreichen können, bieten sie sowohl geeignete Brutplätze als auch die notwendigen Sitzwarten, von denen die Vögel nach Insekten jagen.

 

Informationen zum Gartenrotschwanz


Vogel des Jahres 2010 - Der Kormoran

Der Meistertaucher wird oft zu Unrecht verfolgt

Der NABU und der Landesbund für Vogelschutz in Bayern haben den Kormoran zum „Vogel des Jahres 2010“ gewählt. Die beiden Verbände wollen sich damit offensiv für den Schutz des Kormorans einsetzen, der nach seiner Rückkehr an deutsche Seen, Flüsse und Küsten wieder zu Tausenden geschossen und vertrieben wird. So werden jedes Jahr in Deutschland rund 15.000 Kormorane getötet.